Wuppertal: Trotz Lehrermangel muss die Uni Lehramts-Bewerber abweisen

Bildung : Trotz Lehrermangels muss die Uni Lehramts-Bewerber abweisen

Plätze wurden aufgestockt, dennoch reichen die Kapazitäten nicht für alle Interessenten.

Die Grundschulen suchen händeringend Lehrkräfte. Es gibt viele junge Menschen, die den Beruf ergreifen wollen. Aber nicht alle Interessenten finden einen Studienplatz. Dabei hat die Uni Wuppertal die Plätze für angehende Grundschullehrer bereits aufgestockt. Und verhandelt weiter mit dem Land.

Zum anstehenden Wintersemester hatten sich an der Uni Wuppertal 2218 junge Leute für den Bachelor-Studiengang „Germanistik und Mathematik für die Grundschule“ beworben, den alle Grundschullehrkräfte absolvieren müssen, bevor sie noch einen Master machen. Knapp 60 Prozent (1276) der Bewerber erhielten eine Absage. Manche können das nicht verstehen.

Michaela Heer von der „School of Edudation“, der Fakultät für Lehrerausbildung an der Uni, berichtet, dass sie viele Anrufe enttäuschter Bewerber und auch Eltern bekommt. „Die sagen dann, dass doch Grundschullehrer gesucht werden. Manche Leute werden bitterböse.“

Es fehlen auch Professoren
für die Lehrerausbildung

Doch die Uni habe einfach nicht mehr Platz. Von den Bewerbern mit Zusage werden sich viele noch für eine andere Uni entscheiden, denn die meisten schicken ihre Unterlagen zu mehreren Hochschulen. Aufnehmen kann die Wuppertaler Hochschule am Ende nur 420 angehende Grundschullehrer.

Wie viele Kapazitäten eine Universität in der Lehrerausbildung anbietet, hat sie mit dem Land NRW ausgehandelt. 2011 sei zuletzt eine Zielvereinbarung getroffen worden, berichtet Andreas Frommer, Professor für Informatik an der Universität Wuppertal und Prorektor für Studium und Lehre. Demnach soll Wuppertal rund 15 Prozent aller Studienplätze für Grundschullehrer anbieten.

Berechnet werde die Studierendenanzahl im Masterstudiengang. Laut Vereinbarung sollte Wuppertal damals von insgesamt 1600 Absolventen in NRW 250 ausbilden. „Wegen einiger Abbrecher entspricht dies rund 320 zum Studienstart“, erläutert Andreas Frommer. Und macht deutlich: „Diese Zahl übertreffen wir nun schon seit vier Jahren erheblich, weil wir unsere Verantwortung für den Lehrernachwuchs sehr ernst nehmen.“

Studenten füllen
Löcher an den Schulen

Finanziert werde das über ein Hochschulsonderprogramm des Landes für überlastete Studiengänge. „Das muss jetzt verstetigt werden“, so Frommer. Die Hochschule verhandle mit dem Land. Denn für höhere Studierendenzahlen braucht die Hochschule auch mehr Räume und mehr Personal.

Weiteres Lehrpersonal zu bekommen, sei inzwischen ein Problem, darauf weist Michaela Heer hin: „Auch der Markt für Professoren ist leer“, sagt sie. „Wer in dem Bereich der Lehrerbildung promoviert hat, kann sich heute Stellen aussuchen.“

Sie macht zudem auf eine weitere Schwierigkeit aufmerksam: Viele Studierende arbeiten inzwischen während des Studiums in den Grundschulen, dadurch verlängert sich die Studienzeit. „Ich organisiere die Praktika für die Studierenden im Bachelor-Studiengang. Im letzten Jahr arbeitete die Hälfte bereits.“ Manche der Studentinnen und Studenten seien bis zu 20 Stunden pro Woche an den Schulen, übernähmen Unterricht, der sonst wegen des Lehrermangels ausfiele. „Die Schule saugt die Leute aus dem System“, sagt sie.

Für die Studierenden sei das attraktiv, sie verdienten schon früh Geld in dem Bereich, in dem sie ohnehin arbeiten wollen. Die praktische Erfahrung reduziere leider manchmal die Motivation, sich weiter mit der Theorie auseinander zu setzen. Und: Die Studierenden werden nicht in der Regelstudienzeit von fünf Jahren fertig, es dauert noch länger, bis sie als ausgebildete Lehrer zur Verfügung stehen. „Sie stopfen jetzt Löcher, erzeugen dadurch aber neue“, so Michaela Heer. Sie wünscht sich, dass dafür pragmatische Lösungen gefunden werden wie Anreize für einen Abschluss in der Regelstudienzeit oder die Möglichkeit zu einem verkürzten Referendariat. » S. 16

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