Wuppertal: Trödel Schwesterstraße nur bis 3. November

Trödelmarkt : Ein Stück Orient in Elberfeld

Der Flohmarkt an der Schwesterstraße ist ein Publikumsmagnet — doch am 3. November ist Schluss. Der Eigentümer hat das Grundstück verkauft. Einige Anwohner dürfte das freuen.

. Immer wieder samstags pilgern Damen und Herren mit leeren Trolleys zum großen Parkplatz des früheren Wuppertaler Traditionsunternehmens Gebrüder  Happich an der Schwesterstraße. Da begegnen sie dann Gleichgesinnten, die ihnen mit prall gefülltem Handgepäck entgegen kommen.  Ihr Ziel: der große Trödelmarkt, den Peter Reinartz (65) seit 22 Jahren dort veranstaltet.

Nicht unbedingt zur Freude der Anwohner, deren Ausfahrten oft zugeparkt sind und denen das ständige An- und Abfahren gar nicht passt. Hinzu kommt, dass der Markt mit seinen bis zu 200 Ständen nicht so sehr auf deutsche Kundschaft ausgerichtet ist.

Veranstalter: Nur zehn Prozent des Publikums sind Deutsche

„Hier kaufen und verkaufen höchstens zehn Prozent Deutsche“, weiß Peter Reinartz, wobei er unter seinen Landleuten etliche Stammkunden kennt. „Der Maler Klaus Burandt ist regelmäßig hier“, verrät der Organisator über den Künstler, der angesichts der malerischen Kundschaft sicherlich reizvolle Eindrücke gewinnt, aber durchaus auch günstige Einkaufsmöglichkeiten finden kann.

So auf der langen Budengasse, auf der es fast ausschließlich Obst und Gemüse zu kaufen gibt. Äpfel, Birnen, Bananen, Kiwis, Kohl, Paprika und Möhren, aber auch Avocados zu günstigen Preisen, wie auch Dirk Bremme weiß, der gleichfalls zu den regelmäßigen Besuchern zählt.

„Das ist ein guter Standort hier“, sagt Osman Eroglu aus Bielefeld, der prachtvolle Maiskolben, gekocht und im Rohzustand, anbietet. Kollegen aus Bochum, Dortmund, Duisburg oder Recklinghausen finden das ebenfalls und sind allwöchentlich an der Schwesterstraße vor Ort.

Fische wie Doraden, Sardinen, Seehecht und Tintenfische verströmen ihr spezielles Aroma am Verkaufsstand, der zwischen anderen  speziellen Kaufgelegenheiten steht - wie Panzerglas für Handys, Socken und anderen Textilien, die eher die Damenwelt ansprechen dürften.

Viele Händler sind türkischer Herkunft. Sie freuen sich, an der Schwesterstraße unter Landsleuten zu sein und ein Stück Orient in Elberfeld zu finden. Man trifft sich und hat sich viel zu erzählen. Am besten bei Kaffee oder Tee, oder Handfesterem wie Hähnchen, Geflügel-Bratwurst, Döner und Schaschlik-Spießen. Der Verkaufswagen mit den Spießen hat übrigens auch Haxen im Angebot, also für Kundschaft, die nicht auf Schweinefleisch verzichtet.

Das Publikum einschließlich der Standinhaber ist so international wie kaum ein anderes in Wuppertal. Ein pakistanischer Schuhhändler hat hunderte von in der Türkei hergestellten Fußbekleidungen im Angebot, wobei man angesichts des Gewühls das Pendant zum gewünschten Treter auch schon mal suchen muss.

Veranstalter denkt mit Wehmut an das baldige Aus

Ein großer Teil des Marktes ist den kommerziellen Anbietern vorbehalten, ein kleinerer denen, die Ausgemustertes auf Decken und Folien ausgebreitet haben. Dabei sind dann auch schon mal Fernseher, Fitnessgeräte, Staubsauger aus Wuppertaler und auswärtiger Herstellung, Radiogeräte oder sonstige Unterhaltungselektronik.

Gegenstände, die auf  eine Gruppe junger Männer einen unwiderstehlichen Reiz ausüben. Ein Flachbildfernseher wird vor den Eingang zum Markt geschleppt. „40 Euro“, verrät der Anführer der fünfköpfigen Truppe aus Kenia, die ein ganzes Warenlager vor dem Eingang gehortet hat. Ein besonders kräftiger Kollege passt auf die angeblich noch einwandfrei funktionierenden Schätze auf.

„Ob die ganze Ladungen nach Afrika schicken, weiß ich nicht“, so Peter Reinartz. „Wichtig ist, dass sie nachher alles wegräumen. Das habe ich allen Standinhabern zur Pflicht gemacht“, stellt der Mieter des Geländes unmissverständlich fest. Trotzdem hat die zu  sorglose Entsorgung nicht verwertbarer Gegenstände Anlass zum Ärger gegeben, wenn sie nämlich im Gebüsch rund um die Verkaufsfläche abgelegt wurden.

„Bis vor einiger Zeit hat es nach Absprache mit den Stadtwerken sogar eine eigene Buslinie  vom Bahnhof aus mit sieben Stationen hier zur Schwesterstraße gegeben. Doch die wurde gekündigt“, verrät Peter Reinartz mit schmerzlicher Miene. „Das Gelände wurde vom Eigentümer nämlich verkauft, und am 3.November findet hier der letzte Samstagmarkt statt.“ Reinartz ist die Wehmut darüber deutlich anzumerken. „Der Markt hier, das ist ein Stück meines Lebens.“

Vergessen sind da der Ärger mit den Nachbarn („Ich kann sie in gewisser Weise verstehen“) und zuweilen auch mit der Polizei, die Abschleppungen veranlasst hat und manchmal auch handfeste Streitigkeiten zwischen Standinhabern schlichten sowie Hehlerware sicherstellen musste. „Aber schauen sie sich doch den Riesenbetrieb hier mal an. Da sieht man doch, dass dieser Markt seine Daseinsberechtigung hat.“

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