Wuppertal: Trio raubt Medizingeräte für 100.000 Euro aus Klinik

Gerichtsverfahren : Wuppertal: Trio raubt Medizingeräte für 100.000 Euro aus Klinik

Zwei junge Männer bedrohten in einer Oktobernacht 2018 zwei Mitarbeiterinnen des Helios-Krankenhauses mit Waffen, um medizinische Geräte im Wert von 100.000 Euro zu stehlen. Am nächsten Tag beraubten sie einen Pizzaboten.

Von zwei sehr verschiedenen Überfällen handelt ein Prozess am Landgericht, der am Freitag begann: Auf der Anklagebank sitzen drei junge Männer, 16 bis 21 Jahre alt, und eine 56-jährige Frau. Die jungen Männer bedrohten in einer Oktobernacht 2018 zwei Mitarbeiterinnen des Helios-Krankenhauses mit Waffen, um medizinische Geräte im Wert von 100 000 Euro zu stehlen. Zwei von ihnen und die Frau beraubten am nächsten Tag einen Pizzaboten. Beute dabei: rund 150 Euro und ein altes Auto.

Die jungen Männer kennen die 56-Jährige über deren Sohn, der an dem Fall nicht beteiligt zu sein scheint. Bei einem Praktikum im Krankenhaus hatte der 17-Jährige festgestellt, dass es dort Stehlenswertes gibt. Da sei dann auch „was gelaufen“, hieß es, ohne dass das Gericht näher darauf einging. Daraus sei die Idee entstanden, „etwas Größeres zu machen“.

Sie schlichen sich nachts auf das Klinik-Gelände und bedrohten zwei Mitarbeiterinnen, die draußen rauchten, mit zwei Schreckschusspistolen, damit diese sie ins Haus ließen. Dort stahlen sie unter anderem Endoskopie-Geräte und Knochensägen, die der 17-Jährige weiterverkaufen wollte. Die Schreckschusspistolen hatte der 17-Jährige Wochen vorher mit der 56-Jährigen auf deren Namen gekauft. Sie sei davon ausgegangen, dass der junge Mann einfach an Waffen interessiert sei, ließ die Angeklagte ihren Anwalt sagen.

Einen Tag nach dem Klinikraub bestellten der 17- und der 21-Jährige sowie die 56-Jährige Pizzen. Der 21-Jährige nahm auf der Straße die Lieferung in Empfang, dann traten die beiden anderen mit Pistolen aus dem Wald am Straßenrand. Der Bote wurde gefesselt, sie nahmen ihm sein Portmonnee ab. Der 21-Jährige fuhr mit dem Auto weg, die beiden anderen banden den Mann an ein Tor fest. 

Der 21-Jährige erzählte ausführlich, betonte, er habe im Krankenhaus eigentlich nur einen größeren Diebstahl begehen wollen – um Geld für seine Amphetamin-Abhängigkeit zu bekommen. „Der Raub kam eigentlich erst, als wir dort standen.“ Und er entschuldigte sich bei den Opfern.

Der 17-Jährige ließ seinen Anwalt die Anklage bestätigen. Er hatte die Beute aus dem Krankenhaus zuletzt, will sie danach weggeworfen haben.

Die 56-Jährige ließ ihren Anwalt sagen, sie könne nicht mehr verstehen, wie sie in die Sache hineingeraten ist. Sie habe Angst vor dem aggressiven 21-Jährigen gehabt, deshalb nicht widersprochen, als sich das Geschehen zu dem Raub entwickelte.

Das Urteil könnte am 29. März fallen.

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