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Wuppertal: Sorge vor mehr Elterntaxis wegen Buskürzungen

Stadtverordnete, Schulleiter und Bürger kritisieren Stadtwerke für Pläne, Linien auszudünnen : Buskürzungen: Schulleiter und Anwohner befürchten mehr Elterntaxis

Die Kürzungen der Linien 629 und 639 sorgen für Unmut und Befürchtungen von mehr Verkehr auf dem Nützenberg und am Zoo.

Der Protest gegen die Kürzungen einiger Buslinien der Wuppertaler Stadtwerke reißt nicht ab. Der Unterverein Elberfeld-West Sonnborn der SPD mit den drei Stadtverordneten Sabine Schmidt, Guido Grüning und Maximilian Guder sowie die Fraktion in der Bezirksvertretung fordern jetzt, dass es keine weiteren Linienstreichungen geben soll, bis es den neuen Nahverkehrsplan gibt - der eigentlich seit 2011 fortgeschrieben sein sollte.

Die Stadtwerke haben angekündigt, zum 18. August Änderungen im Nahverkehr vorzunehmen - etwa die Linien 629 und 639 nur noch mit Taxibussen auf Abruf zu befahren.

Sorge vor mehr Elterntaxen
am Nützenberg

Die Stadtverordneten kritisieren, dass die Stadtwerke gerade mit der Streichung der Linien 629 und 639 ganze Quartiere vom ÖPNV abkapseln. „Wer Quartierslinien aufgibt, gibt viel mehr auf“, sagt Grüning. Weil so Menschen in bestimmten Gegenden gezwungen seien, auf das Auto umzusteigen. Guder sagt, einen Taxibus mit Vorlaufzeit zu rufen, sei eben mit Hürden behaftet. Statt das zu tun, würden die Leute ins Auto steigen. „Und wer sich dann ins Auto setzt, setzt sich nicht mehr in den Bus“, so Grüning.

Sie kritisieren, das gerade auch in Bezug auf den Busverkehr zu den Schulen auf dem Nützenberg -  der Grundschule Am Nützenberg und der Sophienschule. Richard Voß, Leiter der GS Am Nützenberg, kritisiert die WSW auf mehreren Ebenen. Denn zum einen habe er als Schulleiter keine Infos bekommen. Zum anderen sieht er das Problem, das der fehlende Bus der Linie 629 zu mehr Autoverkehr führen wird – Stichwort: Elterntaxis.

Guder sagt, das sei gerade vor dem Hintergrund, dass erst 2019 der E-Bus für die Schüler mit Verweis auf die Linien 619 und 629 eingestellt worden ist, nicht nachvollziehbar. Wenn die Streichung vollzogen ist, wird der Nützenberg nur noch aus Richtung Briller Viertel angesteuert, über die 619. Voß sagt, er sei „schockiert“ und er wirkt ratlos: „Wir sagen den Eltern, sie sollen die Kinder mit dem ÖPNV schicken und versuchen, ohne Auto herzukommen, und dann streichen die WSW die Linien.“ Alle Bemühungen, für weniger Elterntaxen zu sorgen, würden so „torpediert“. Zudem würde so das Parkplatzproblem im Umfeld der Schule verschärft.

Voss hätte sich einen Dialog im Vorhinein gewünscht. Ebenso wie Guido Grüning. Er möchte jetzt mit allen Vereinen und Initiativen im Quartier Kontakt aufnehmen und gemeinsam Initiative ergreifen, dass die Linien bleiben.

Mit im Boot ist der Bürgerverein Sonnbon-Zoo-Varresbeck. Vorsitzender Udo Hindrichs sieht die Kürzung der Linien, die auch die Anbindung zum Zoo betreffen, als falsches Signal und Grund für Vertrauensverlust in die Stadtwerke. Er sagt, dass die WSW ganze Quartiere aus dem Angebot herausnähmen, sei, als wenn die Post die Briefe nicht mehr zum Stadtrand bringen würde. Der Bürgerverein habe den WSW-Chef Markus Hilkenbach angeschrieben. Hindrichs hofft, diesen umstimmen zu können.

Auch die Anwohner des Boltenbergs, Armin Brost und Steffi Billert, die sich für mehr Lärmschutz an der A46 engagieren, haben sich an Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, die Ratsmitglieder und die WSW gewandt und offene Briefe formuliert. Brost schildert, dass er aufgrund der Lage sein Aboticket gekündigt habe - und beschreibt damit an seinem Beispiel, was Grüning als Folge der Kürzungen vermutet. Brost fordert die Ratsmitglieder auf, etwas an der Lage zu ändern und sich selbst in der Verantwortung zu sehen - statt immer nur „öffentlichkeitswirksam aufzuschreien“. Billert schlägt vor, die Talachse nur durch die Schwebebahn befahren zu lassen und alle anderen Bereiche mit Bussen zu verbinden. „Auch im Tal noch Busse einzusetzen ist unnötig und verstopft die ohnehin volle B7 noch weiter.“