1. NRW
  2. Wuppertal

Wuppertal, Solingen, Remscheid: Bergischer Zukunftspreis

Strahlkraft und Ideenreichtum : Bergischer Zukunftspreis feiert Premiere: Das sind die Gewinner (mit Video)

Erstmals ist der Bergische Zukunftspreis verliehen worden. Die Gewinner glänzen durch Ideenreichtum und Unternehmergeist - ein Preisträger hat in Wuppertal für Strahlkraft gesorgt.

Eine halbe Million Euro will Benjamin Lambeck im kommenden Jahr mit seiner Geschäftsidee umsetzen. Mindestens. Dabei hatte der Remscheider damit nur auf die Pandemie reagiert. Nachdem der Firmencoach seine Klienten nicht mehr persönlich treffen konnte, erfand der Remscheider Coachingspace – ein digitaler Beratungsraum für Unternehmen, Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Der Jury des erstmals vergebenen Bergischen Zukunftspreises war das am Mittwochabend ein besonderer Preis wert. Das Remscheider Start-up ist die „Gründung des Jahres 2022“.

Annähernd 150 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren dazu in das Solinger Museum „Zentrum für verfolgte Künste“ gekommen. Die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammern Remscheid und Wuppertal-Solingen, die Volksbank sowie die drei Tageszeitungen Westdeutsche Zeitung, Remscheider General-Anzeiger und Solinger Tageblatt vergaben dort den Zukunftspreis in drei Kategorien.

Als Gastrednerin sprach Ina Scharrenbach (CDU), Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW. „Das Städtedreieck muss eine Vision für die nächsten zehn Jahre entwickeln. Es kann ein magisches Dreieck werden“, hielt sie in ihrem Impulsvortrag fest und bestärkte die Partner in ihrem gemeinsamen Ziel, die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal stärker als bisher zusammenrücken zu lassen. Das Gespräch der Bergischen miteinander sollte deshalb ebenso wichtig sein wie die Auszeichnung innovativer Unternehmen und Produkte.

Der Bergische Zukunftspreis in der Kategorie „Unternehmen des Jahres“ ging nach Solingen. Bereits in dritter Generation stellt die Firma Lutz Blades Solinger Klingen her. 1500 Standardklingen sind im Programm und 500 weitere nach Kundenanforderung. Manche Klingen sind kaum größer als ein Fingernagel, andere bis zu eineinhalb Meter lang. Sie zerteilen Folien und Fasern, werden in der Lebensmittelbranche ebenso gebraucht wie bei Autobauern, in der Medizintechnik oder im Handwerk.

Die Lutz GmbH & Co. KG beschäftigt rund 370 Mitarbeiter am Stammsitz – in Solingen-Gräfrath und seit 30 Jahren im polnischen Nysa. „Kein Arbeitsschritt wird ausgelagert“, erklärte IHK-Präsident Henner Pasch, der die Auszeichnung an den geschäftsführenden Gesellschafter Alexander Lutz überreichte: „Ein Vorteil, den die Kunden im Zeitalter von weltweit gestörten Lieferketten sehr zu schätzen wissen.“

Pasch selbst hätte eine Auszeichnung verdient gehabt. Auf dem Weg nach Solingen hatte das Auto seiner Assistentin auf der A3 Feuer gefangen, ehe der IHK-Präsident selbst beherzt zum Feuerlöscher griff und die Situation entschärfte.

<aside class="park-embed-html"> <iframe width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/4qOJSRGbbII?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen title="Verleihung des ersten Bergischen Zukunftpreises"></iframe> </aside>
Dieses Element enthält Daten von YouTube. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Den „Preis für das Lebenswerk“ erhielt Prof. Dr. Lambert T. Koch. 14 Jahre stand der Wirtschaftswissenschaftler als Rektor an der Spitze der Universität Wuppertal und entwickelte das Profil der Uni als Bergische Hochschule systematisch weiter. „Sie ist gewachsen, internationaler geworden, steht für Spitzenforschung und exzellente Lehrkräfte“, erklärte Andreas Otto, Vorstandsvorsitzender der Volksbank im Bergischen Land. „Die Bergische Uni besitzt Strahlkraft in ganz Deutschland und weit darüber hinaus und ist ein Motor für die Wirtschaft in unserer Region“, hielt er in seiner Laudatio fest. Koch befand, dass der Zeitpunkt, einen solchen Preis ins Leben zu rufen, besser nicht gewählt sein könnte.

Der Remscheider Benjamin Lambeck ist ein gutes Beispiel dafür. Er studierte an der Uni in Wuppertal die Wirtschaftswissenschaften in Kombination mit evangelischer Theologie. Nach vielen Fort- und Weiterbildungen ist er heute freiberuflicher Trainer, Bildungsreferent, Dozent und Systemischer Berater. Und eben Geschäftsführer von Coachingspace. Unterstützt von der Remscheider Gründerschmiede ist der digitale Beratungsraum heute längst mehr als ein Notbehelf in Pandemiezeiten.

„Das Remscheider Start-up hat eine innovative Lösung entwickelt, die die Vorteile der analogen und digitalen Welten bestmöglich miteinander vereint“, befand Laudator Arnd Krüger, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal: „Coachingspace hebt das Coaching auf ein neues Level.“ Das Start-up nahm den Pries zu dritt entgegen: Neben Benjam Lambeck waren auch Dr. Mischa Hesse und Sören Straßmann dabei.

Der Bergische Zukunftspreis soll im nächsten Jahr eine Neuauflage finden. Aller Voraussicht nach dann in Remscheid. Lothar Leuschen, Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung, der den Abend moderierte, freut sich darauf: „Kandidatinnen und Kandidaten gibt es für alle Kategorien im Bergischen Land ja zum Glück reichlich.“