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Wuppertal: So wird der Vorgarten insektenfreundlich gestaltet

Umweltschutz : So wird der Vorgarten insektenfreundlich gestaltet

Die Stadt lud zum Workshop ein. Der Garten soll als „Aushängeschild“ dienen und zum Nachahmen animieren.

Von seinem geschätzt etwa 30 Quadratmeter großen, ordentlich gestalteten Vorgarten hat sich Johannes Berg am Samstag verabschiedet. Am Nachmittag rückten rund zehn Helfer an der Asternstraße 29 an, um Rasen, Beete und Büsche im Rahmen eines Workshops in einen insektenfreundlichen Vorgarten zu verwandeln. Berg hatte die Umgestaltung des Gartens bei einem Wettbewerb gewonnen, den die Stadt anlässlich ihres im vergangenen Jahr beschlossenen Insektenschutzprogrammes ausgeschrieben hatte.

„Das Haus stammt von 1912. Mein Wunsch ist es, den Garten wieder so zu gestalten, wie er früher einmal war“, sagte der gelernte Koch zur Begrüßung der Teilnehmer des Workshops. Das hilft den Insekten und Kleintieren, und Berg kann dort gezogene Kräuter oder Gemüse eventuell auch in einer geplanten Outdoor-Küche verwenden. Im Managementdeutsch spricht man da wohl von einer Win-Win-Situation.

Die Unterstützung eines Start-ups steht beim städtischen Programm allerdings höchstens an zweiter Stelle. Zuvorderst geht es der Stadt um Umwelt- und Naturschutz. „Private Gärten bilden in Wuppertal flächenmäßig einen riesigen Anteil“, erklärte Karin Ricono vom städtischen Ressort Umweltschutz. Ziel des Wettbewerbs sei es, die privaten Gärten zu einem „Aushängeschild“ für mehr Insektenschutz im Speziellen und Naturschutz im Allgemeinen zu machen. Der neugestaltete Garten solle „andere dazu anregen, was zu machen“, betonte Ricono.

Strukturarme Gärten sind
für Tiere wie eine Betonfläche

Angeleitet wurden die freiwilligen Helfer von Gärtnerin und Gartenplanerin Nadja Hildebrand (Bergische Gartenarche im Wupperviereck) und Michael Felstau von der Interessengemeinschaft „Wuppertals Urbane Gärten“.  Die beiden kennen das Thema „Naturnahe Umgestaltung“ schon seit längerem und freuen sich darüber, dass das Thema auch von städtischer Seite unterstützt wird. Und das ist nach Ansicht der Experten auch bitter nötig. „Strukturarme Gärten sind für die Tiere fast wie eine Betonfläche“, mahnte Felstau. Zudem sei das Potenzial riesig: „Die Privatgärten in Deutschland sind von der Fläche her größer als die Naturschutzgebiete“, sagte Hildebrand. Insofern gebe es für jeden Gartenbesitzer Möglichkeiten, Grünflächen insektenfreundlicher zu gestalten. „Vielen Menschen fällt es aber schwer, aktiv zu werden“, betonte die Gartenexpertin.

Anleitung konnte da der auf vier Stunden angelegte Workshop geben: Nach der theoretischen Einleitung ging es an Schaufel und Harke. Der Rasen wurde abgetragen, vier Bereiche für Stauden, Kräuter und Gemüse angelegt. In die Mitte des Gartens kam ein Sandbeet mit einem Steinturm und einem Wasserbecken, der geplante Pkw-Stellplatz wurde mit einem Streifen aus Totholz abgetrennt. Zudem legten die Helfer neue Rasenwege an, trennten ein Beet auf und pflanzten dort neue Stauden und Zwiebeln. Der neugestaltete Garten soll dabei nicht nur eine blühende Wiese sein, sondern einen aufs ganze Jahr ausgerichteten Lebensraum für Insekten und Kleintiere wie etwa Amphibien bieten. „Wir wollen ein Angebot schaffen, das den gesamten Lebenszyklus der Insekten abbildet“, sagte Michael Felstau. Und dazu gehören etwa Überwinterungsmöglichkeiten für Bienen. Grundsätzlich gelte: Je vielfältiger ein Garten gestaltet ist, desto besser.

Einer der Teilnehmer war Horst Meister aus Ronsdorf. Er war mit Blaumann und Gummistiefeln gekommen. „Ich wollte mir ein paar Inspirationen holen, was ich im Garten machen kann“, sagte er. Größere Umbaupläne habe er derzeit zwar nicht, allerdings habe er schon einen Bereich seines Gartens für eine Wildwiese vorgehalten, auch eine Buchenhecke hat er angelegt.