Wuppertal: So laufen die Arbeiten am Schwebebahn-Gerüst

Wuppertal : So laufen die Arbeiten am Schwebebahn-Gerüst

Nach dem Absturz einer Stromschiene werkeln rund 50 Mitarbeiter der Stadtwerke an dem Gerüst der Schwebebahn in Wuppertal. Unser Autor hat die Arbeiten im Hängewagen begleitet.

Am Bahnsteig der Schwebebahn-Haltestelle Werther Brücke stehen Menschen mit Bauhelm. Passanten schauen hoffnungsvoll hinauf. „Wenn das Rollgitter auch nur zehn Minuten oben ist, kommen die Leute auf den Bahnsteig“, sagt Michael Krietemeyer, Technischer Leiter der Schwebebahn. Daher muss das Gitter hinter jedem Arbeiter geschlossen werden.

Derzeit werkeln rund 50 Mitarbeiter der Stadtwerke an dem Gerüst der Schwebebahn, die seit dem Absturz einer Stromschiene im November eine Zwangspause einlegen muss. Damit sich so ein Vorfall nie mehr wiederholen kann, setzen die Stadtwerke derzeit 18 000 Sicherheitsbleche an den Klemmen ein, die die Stromschiene halten. Zusätzlich wird auf der kompletten Strecke von Vohwinkel bis Oberbarmen  alle zwölf Meter eine Absturzsicherung eingebaut. „Dann kann die Schiene nicht mehr herunterfallen“, sagt Krietemeyer.

Für die Maßnahmen an der Schiene, die bis Ende März abgeschlossen sein sollen, müssen die Arbeiter in einer Sphäre arbeiten, die sonst nur von wenigen Menschen betreten wird: dem Gerüst zwischen Schiene und Haltestellendecke. Eine steile Treppe führt hinauf auf ein grünes Lochgitter. Ab hier ist vielfach nur noch gebücktes Gehen möglich. Der Boden und die Streben sind mit kleinen Federn und weißen Flecken übersät. Hier fühlen sich offenbar Tauben sehr wohl und wer den Blick in die falsche Ecke wandern lässt, findet auch schnell den Beweis, dass sie hier nicht nur leben, sondern auch sterben.

So sehen die zusätzlichen Sicherungen aus, die derzeit von den Wuppertaler Stadtwerken installiert werden. Foto: Fischer, Andreas

Damit die Arbeiter von unten an der Schiene arbeiten können, steigen sie von hier in einen kleinen Hängewagen, der unter der Schiene angebracht ist. WSW-Schlossermeister Frank Schäfer klettert in den Korb hinab und greift nach einem Gerät, das Ähnlichkeit mit einer Mehrfachsteckdose hat. Nachdem er mit seinem Schlüssel den Dieselmotor des Wagens eingeschaltet hat, setzt sich das Schwebebahn-Cabrio langsam in Bewegung. Über die Steuerung in seiner Hand gibt er per Knopfdruck Gas. Das ist allerspätestens der Zeitpunkt, um den Kopf einzuziehen. Selbst im Sitzen haben Menschen mit normaler Körpergröße die Stromschiene etwa auf Augenhöhe. Das bedeutet, dass die Streben während der Fahrt unsanft an den Helm derjenigen klopfen, die sich nicht zusammenkauern.

Schwebebahn: Arbeiten an der Stromschiene

1400 Schutzbleche wurden
bereits eingesetzt

In diesem kleinen Hängewagen fahren die Arbeiter der Stadtwerke unter dem Schwebebahngerüst hinweg. Foto: Fischer, Andreas

Der Wagen hält an einer Klemmbacke. Jetzt geht alles ganz schnell. In ein bis zwei Minuten hat Schäfer Muttern abgedreht, Schrauben entfernt und das kleine silberfarbene Schutzblech eingesetzt, das ab sofort für mehr Sicherheit sorgen soll.

Rund 1400 Schutzbleche hängen bereits zwischen Oberbarmen und Alter Markt an der Schiene. Fehlen noch 16 600. Und gleichzeitig tauschen die WSW-Mitarbeiter noch die Schienen-Gummis aus, die seit Ende der 90er Jahre das Rattern der Waggons abdämpfen und damit für die Anwohner um acht Dezibel erträglicher machen. Ein Drittel der in die Jahre gekommenen Gummis ist bereits erneuert.

Die Zeit drängt, denn Ende März soll die Schwebebahn für zwei Wochen wieder fahren. Allerdings ohne Fahrgäste. Das hat mit den Schwebebahnwagen der neuen Generation zu tun. Mittlerweile sind 21 Stück angeliefert worden. Doch damit sie im August, wenn Wuppertals Wahrzeichen wieder verkehren soll, auch direkt einsatzbereit sind, müssen sie zunächst offiziell abgenommen werden. Unter anderem testen die WSW Funktionen wie das Bremsen, was nur während der Fahrt möglich ist. Gleichzeitig wird in dieser Zeit das neue Betriebssystem ausgetestet.

Im August will sich dann die Schwebebahn wieder von der besten Seite zeigen. Neue Technik, neue Wagen und verschönerte Haltestellen. „Wir werden rund die Hälfte der Haltestellen teilweise sanieren“, sagt Technischer Leiter Krietemeyer. Auch erhalten alle Stationen eine Grundreinigung, so dass - zumindest für ein paar Tage - Kaugummis auf dem Boden der Vergangenheit angehören.

Der kurze Ausflug mit dem Hängewagen ist beendet. Beim Aussteigen sollte man tunlichst vermeiden, die eigentliche Schwebebahn-Schiene mit der Jacke zu streifen. Dort hat sich nämlich über die Jahrzehnte eine Schmutz- und Rußschicht historischen Ausmaßes abgelagert. Über zwei Leitern geht es zurück zur Station. Die sehen die Wuppertaler hoffentlich im August wieder, wenn hier eine baby-blaue Schwebebahn hält. Dann lässt sich die Fahrt endlich wieder mit ausgestrecktem Kopf genießen. »Video wz.de

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