Soziales Wuppertal: Seit 25 Jahren hilft die Ronsdorfer Theke

Wuppertal · Ehrenamtler betreiben die Ausgabestelle der Wuppertaler Tafel.

Engagieren sich (v.l.).: Johanna Pitang, Karin Wasaczek, Helena Schindler, Elke Scharnhoop und Gisela Stecher.

Engagieren sich (v.l.).: Johanna Pitang, Karin Wasaczek, Helena Schindler, Elke Scharnhoop und Gisela Stecher.

Foto: Andreas Fischer

In den freundlichen Räumen mit Mosaiken an den Wänden treffen sich sonst Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Freitags aber werden die Räume der Offenen Tür der Gemeinde St. Joseph an der Remscheider Straße umfunktioniert: Dann werden sie zu Café und Packstation der „Ronsdorfer Theke“ – der Ausgabestelle der Wuppertaler Tafel im Stadtteil. Seit 25 Jahren managt das eine Gruppe Ehrenamtler um Helena Schindler.

Die 75-Jährige hat den Tafelladen vor einem Vierteljahrhundert initiiert. Als die Kinder größer waren, hatte sie Zeit, und: „Mir ist aufgefallen, dass es auch bei uns bedürftige Menschen gibt“, erzählt sie. Sie konnte die Gemeinde und Tafel überzeugen, eine Ausgabestelle einzurichten. Schnell fanden sich genügend Mitstreiter, heute gehören rund 20 Ehrenamtler zum Team, darunter ein Mann, mindestens fünf sind jeden Freitag dabei.

„Mir macht es Spaß“, betont Helena Schindler. „Wir sind ein tolles Team.“ Die übrigen Helferinnen erzählen auch von der guten Gemeinschaft. Elke Scharnhoop (74) erklärt außerdem: „Mir macht es Spaß, mit den Lebensmitteln zu hantieren.“ Johanna Pitang (75) hat sogar gezielt Anschluss gesucht: „Ich wollte mehr sozialen Kontakt, deshalb habe ich mich hier beworben.“ Das war vor sieben Jahren. Inzwischen weiß sie: „Alles nette Frauen hier.“ Und Gisela Stecher (76) ergänzt: „Sehr nett und sehr gesprächig.“

Der Tag beginnt damit, dass Helena Schindler kurz vor 9 Uhr bei einem Bäcker Brot und Brötchen holt, die dieser nicht mehr verkaufen will. Gemeinsam räumen die Ehrenamtlerinnen dann in der Offenen Tür Tische zusammen, packen die Brotwaren in rund 50 Tüten. Ein Gemüsehändler liefert seine Ware, die er abgeben will, etwas später bringt der Tafelwagen, der Supermärkte im Stadtteil anfährt, Gemüse und Obst, Käse und Wurst und mehr zur Remscheider Straße.

Derweil warten draußen bereits Kunden, einige nutzen ab 9 Uhr den Caféraum der Offenen Tür. Hier gibt es Kaffee für 30 Cent und im Winter ist das Warten angenehmer. Helena Schindler weiß: „Die Menschen sind nicht nur materiell bedürftig, sondern auch einsam.“ Lilly Deninger (83) sitzt mit einer ganzen Gruppe von Frauen auf einer Wartebank. „Wir kommen immer“, sagt sie. Für sie sei die Tafelausgabe auch ein Treff. Eine 60-Jährige mit ihrem Enkelkind im Kinderwagen erklärt: „Es gibt hier gute Sachen.“ Sie sitze gern im Café: „Hier kann man auch ein bisschen plaudern.“

Eine Besucherin sagt: „Hier ist nicht so ein Rabatz wie in Barmen.“ Dort ist die Ausgabe größer, die Schlange lang und es geht manchmal rauer zu. Die Ausgabe in Ronsdorf ist inzwischen nur noch für Kunden aus Ronsdorf offen. 67 Personen sind aktuell registriert, etwa 45 kommen jeweils zur Ausgabe.

Unsere Marschroute ist: „Würden wir es selbst noch essen?“

Als der Tafeltransporter auf den Vorplatz fährt, packen einige männliche Kunden mit an, tragen wie die Ehrenamtlerinnen Kisten in den Arbeitsraum. Dort wird es wuselig: rechts Obst und Gemüse, links alles übrige. Gleiches wird zusammengelegt, Schlechtes aussortiert. Leider sind einige Himbeerschälchen mit Schimmel befallen, sie landen in der Kiste für Aussortiertes. „Unsere Marschroute ist: Würden wir es selbst noch essen?“, erklärt Helena Schindler.

Johanna Pitang bündelt Weintrauben und Champignons in kleine Portionen, schneidet aus einer beschädigten Melone appetitliche Stücke und verpackt sie. Die anderen Frauen tüten Obst und Gemüse jeweils in Plastiktüten, in Stoffbeutel kommt Brot, Aufschnitt, Ravioli, Fertigsalat oder Aufbackbrötchen.

Der Boden des Raums füllt sich mit vollen Tüten und Taschen, um 10.30 Uhr eröffnet Helena Schindler draußen an einem Tisch die Ausgabe: Jeder Kunde, jede Kundin zahlt zwei Euro, erhält einen Plastikchip mit einer Zahl und Helena Schindler hakt den Namen auf einer Liste ab. Sie kann dann die Anzahl der Kunden ans Team weitergeben. 43 sind es diesmal. Also werden 43 Tüten und 43 Taschen gepackt.

Die Kunden stellen sich in der Reihenfolge der Nummern an, jeder bekommt eine Plastiktüte und einen Stoffbeutel. Einige kontrollieren die Taschen, geben Dinge zurück, die sie nicht verwerten können. Unter anderem die frischen Ravioli finden nicht überall Gefallen.

Während einige Tafel-Frauen Tüten nach draußen reichen, räumen andere schon auf, bringen leere Kisten weg, wischen Tische ab. Um 11.05 sind alle Taschen und Tüten ausgegeben. Die letzten Reste werden weggeräumt die Tische abgewischt. Und Helena Schindler sagt: „Ich gehe immer zufrieden nach Hause.“

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