Wuppertal: Schüler schreiben Erzählung über deutsch-indisches Liebespaar

Buchveröffentlichung : Schüler schreiben Erzählung über deutsch-indisches Liebespaar

Autor Rajvinder Singh brachte das Buch mit dem Ergebnis einer Schreibwerkstatt zum Gymnasium Sedanstraße.

Ein bisher unbekannter Brief bringt die 16-jährige Anita auf die Spur: Lange wusste sie nicht, wer ihr Vater ist. Aber dieser Brief und die Möglichkeit, an einem Schüleraustausch teilzunehmen führen sie auf die richtige Spur. Wie es dem jungen Mädchen dabei ergeht, das haben sich zehn Schülerinnen und ein Schüler des Gymnasiums Sedanstraße vor sieben Monaten ausgedacht und mit Hilfe des Schriftstellers Rajvinder Singh in einer spannenden Geschichte aufgeschrieben. Zusammen mit weiteren Schülergeschichten ist sie jetzt in einem Sammelband erschienen, den ihnen Rajvinder Singh am Montag überreichte.

Das kleine Taschenbuch mit dem Titel „Worte ohne Grenzen“ enthält zehn Erzählungen, geschrieben von Schülerinnen und Schülern aus Wuppertal, Remscheid, Solingen, Ludwigsburg und Berlin. Rajvinder Singh hat sie jeweils im Rahmen einer fünftägigen Schreibwerkstatt mit den Jugendlichen erarbeitet. Am Ende stand stets eine Vorstellung vor Publikum – Mitschülern, Lehrern und Eltern.

Die Schreibwerkstatt soll die Jugendlichen nicht nur zu Kreativität und zur Auseinandersetzung mit der Sprache anregen, sondern ihnen auch eine zunächst fremde Kultur näherbringen. Deshalb sollen die deutsche und die indische Kultur, die ihnen Rajvinder Singh vorstellt, darin vorkommen.

In der Geschichte von Anita spielt der hohe Stellenwert der Familie in Indien eine große Rolle: Weil die indische Familie keine europäische Frau für ihren Sohn will, kann aus der Liebe zwischen Kirpal und Sonja nichts werden. Und ihre gemeinsame Tochter findet erst 16 Jahre später heraus, wer ihr Vater ist. „Es ist eine romantische Geschichte“ sagt Anastasia (16), eine beteilige Schülerin vom Gymnasium Sedanstraße.

Aus einer Schreibwerkstatt entstand die Idee zum Austausch

Die Idee zu der Geschichte hätten sie gemeinsam entwickelt, erklärt Anastasia. „Dann hat jeder zu Hause einen Teil geschrieben“, sagt Ahin (17). „Es gab verschiedene Meinungen, aber im Endeffekt ist es eine Geschichte geworden“, erläutert Anastasia. Antonia (17) ergänzt: „Es war schwierig, die verschiedenen Schreibstile zusammenzubringen. Jeder hat ja eine eigene Weise zu schreiben.“ Und Laura (17) sagt: „Manchmal war es nervenaufreibend, man wollte seinen eigenen Satz nicht aufgeben.“

Rajvinder Singh erklärt, dass sie viele Ideen zusammengetragen haben, daraus dann einen Handlungsstrang entwickelten. „Und dann ging es darum, wie man die Story in Handlung umwandelt, wie man Charaktere entwickelt.“ Zuletzt hätten sie am Stil gefeilt, damit die Geschichte aus einem Guss ist: „Sie werden nicht erkennen, an welcher Stelle eine jeweils andere Gruppe geschrieben hat.“

Das Gymnasium hatte ihn zu diesem Workshop nach den letzten Sommerferien eingeladen. Teilgenommen haben Schülerinnen und Schüler von Klasse 9 bis 11. Schon seit 25 Jahren macht der Schriftsteller Schreibwerkstätten mit Schülern. 2005 entstand daraus am Gymnasium Bayreuther Straße die Idee, einen Austausch mit Indien zu organisieren. „Die Schüler sagten, wir haben so viel über Indien erfahren, können Sie uns nicht Indien zeigen?“, berichtet Rajvinder Singh.

Inzwischen haben 300 deutsche Schulen Kontakte zu indischen Partnerschulen geknüpft. In Wuppertal kooperieren die Gymnasien Bayreuther Straße, Sedanstraße, Kothen, das Johannes-Rau-Gymnasium und die Friedrich-Bayer-Realschule für einen Austausch mit Indien. Auch für 2019 ist wieder eine Fahrt geplant. Wer von den jungen Autoren mitfährt, steht noch nicht fest.

Mehr von Westdeutsche Zeitung