Geschichte Schrecken und Mut in der Nazizeit

Wuppertal · Artikelserie über Widerstand in Wuppertal ist als Buch erschienen.

 Eindringliche Schilderungen: „Nachts, wenn de Gestapo schellte...“

Eindringliche Schilderungen: „Nachts, wenn de Gestapo schellte...“

Foto: Cover

Angst und Schrecken verbreitete die Gestapo schon kurz nach der Machtergreifung der Nazis in Wuppertal. Doch trotz Verfolgung und schwerster Folter gab es Menschen, die bis zuletzt Widerstand leisteten und dabei ihr Leben aufs Spiel setzten. Das dokumentierten Doris und Klaus H. Jann in einer Artikelserie, die sie 1968 in der damals noch in Wuppertal beheimateten Neuen Rhein Zeitung (NRZ) veröffentlichten. Sebastian Schröder und Dirk Krüger haben diese wertvollen Zeitdokumente jetzt als Buch unter dem Titel „Nachts, wenn die Gestapo schellte“ herausgebracht.

In 42 Kapiteln stellen sie Menschen vor, die gegen die Nazis agierten. Viele waren Kommunisten, Sozialisten oder Gewerkschafter. Doch auch Geistliche, die sich in der Bekennenden Kirche gegen die nationalsozialistische Ideologie wandten, werden porträtiert. Anschließend geben einige Leserbriefe weitere Einblicke in diese Zeit.

Nazis verdrängten den
Einfluss der Gewerkschaften

Doris und Klaus H. Jann engagierten sich in der Deutschen Friedensunion und in der KPD für eine friedliche Gesellschaft und setzten sich für Benachteiligte in der ganzen Welt ein. Beide stürzten sich mit großem Eifer in die Arbeit zum politischen Widerstand in Wuppertal von 1933 bis 1945.

In jeder freien Minuten sichteten sie Material, führten Gespräche, sammelten und suchten. Ihnen lag es am Herzen, die Leser an die Schrecken der Nazi-Herrschaft zu erinnern – in einer Zeit, in der die rechtsextreme NPD in diverse Länderparlamente einzog. Die beiden Herausgeber des Buches gehören zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kreisvereinigung Wuppertal.

Lebendig schildert das Ehepaar Jann zunächst, wie stark Anfang der 30er Jahre der Einfluss der Gewerkschaften in Wuppertal war. Als Goebbels etwa Anfang 1933 durch Wuppertal fuhr, riefen ihm die Menschen „Nieder mit Hitler“ zu. Tausende Gegner protestierten in Elberfeld und Barmen gegen Hitlers Machtübernahme.

Doch obwohl es so viele organisierte Gewerkschafter und linke Parteiangehörige gab, gewannen nach etlichen Straßenkämpfen SS und Gestapo die Oberherrschaft. Den SPD-Vertretern im Stadtrat legten die Nazis nahe, in den Ruhestand zu treten. Die Nazis besetzten Gewerkschaftshäuser und verhaften Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialisten. Brachten sie erst ins Frauengefängnis Bendahl, dann richteten sie das KZ Kemna ein. Sie prügelten und quälten ihre Gefangenen bestialisch. All das erzählen die Autoren anschaulich an vielen Einzelschicksalen.

Trotzdem fanden sich Menschen, die heimlich und unter Lebensgefahr Flugblätter abtippten oder vervielfältigten und verteilten. Immer wieder kursierten im Tal dünne Gewerkschaftszeitungen und Informationsblätter, die trotz der Gefahr weitergegeben wurden.

Auch die Gewerkschaftsprozesse, die von 1935 bis 1937 erst am Volksgerichtshof Wuppertal und zum Schluss in Hamm stattfanden, schildern die Janns. 800 Mitglieder von Arbeiterorganisationen wurden damals wegen Hochverrats verurteilt – wobei allein das Lesen eines Flugblatts reichte, um vier Monate ins Zuchthaus zu müssen. Viele dieser aufgrund von herausgeprügelten Geständnissen verurteilten Männer ließen ihr Leben in den Konzentrationslagern.

In mehreren Kapiteln erzählen die Autoren auch, wie Pfarrer und Presbyter zunehmend von nationalsozialistisch eingestellten „Deutschen Christen“ unter Druck gesetzt wurden. Anhänger der Bekennenden Kirche stellten sich dagegen, wichen für Gottesdienste und Pfarrer-Ausbildung in Privathäuser aus. Auch von ihnen wurden viele festgenommen und in KZs gesteckt. Selbst als die Amerikaner schon kurz vor Wuppertal standen, erschoss die Gestapo noch 60 Gefangene. So schildert das Buch den ganzen Schrecken der Nazi-Zeit, aber auch den großen Mut der Widerständler.

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