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Wuppertal: Ronsdorf kauft mit Masken ein

Einzelhandel : „Diszipliniert“ mit Maske: Ronsdorf kauft wieder ein

Ronsdorfs Einzelhandel ist weitgehend wieder geöffnet. Maskenpflicht sorgt für eine Umstellung

„In der ersten Öffnungswoche hat es richtig gekracht“: Susanna Erb kann trotz der zurückliegenden vierwöchigen Zwangspause eine positive Bilanz ziehen. Die Inhaberin der Ronsdorfer Bücherstube kann die Ladentüren seit Montag der vergangenen Woche wieder öffnen. Dafür, dass die lange Zeit ohne Betrieb in der Bücherstube „kein Totalausfall“ wurde, sorgten nicht nur „liebe, treue Kunden, die uns währenddessen unterstützt haben“. Auch kreative Ideen wie eine Abholstation für Telefon-Bestellungen im benachbarten Obst- und Gemüsegeschäft trugen dazu bei, dass Erb sich aktuell sehr zufrieden zeigt. „Die Leute haben Nachholbedarf“, ist ihre Vermutung zum regen Betrieb.

Weil das vielerorts dazu führt, dass sich in den Zentren zahlreiche Menschen aufhalten, gilt landesweit eine Maskenpflicht. Erb findet zwar, dass dadurch „die Kommunikation schwieriger“ werde, sieht aber bezüglich der Umsetzung dieser Regel in Ronsdorf keine Probleme.

Die Befürchtung: Die Masken machen die Leute unvorsichtig

Verschiedene Auffassungen zum Umgang mit der neuen Situation gibt es selbstverständlich auch innerhalb Ronsdorfs. Thomas und Claudia Kiesel erachten die Maskenpflicht als eine „sinnvolle Sache“. Für sie ist vor allem eines entscheidend: „Mein Gegenüber wird dadurch geschützt“. Wichtig sei nur, dass die Masken auch richtig verwendet werden.

Die Schülerinnen Lara und Marie (beide 17) sehen ein Risiko im neu verordneten Mund- und Nasenschutz. „Die Masken geben eine falsche Sicherheit, dadurch werden viele Leute unvorsichtig“. Dieses Gefühl gebe Anlass dazu, den eigentlich wichtigeren Abstand nicht mehr einzuhalten. Die beiden Jugendlichen nehmen die Maßnahmen zwar ernst, zweifeln aber an der Wirksamkeit: „Wenn viele Masken nicht medizinisch sind, ist es fraglich, wie sinnvoll die Regel ist“.

Auch André Wagner ist kein großer Freund der Verordnung, weil er als Schuhverkäufer in der Pflicht ist, den Schutz stets zu tragen. „Die Kunden können die Maske abziehen, wenn sie den Laden verlassen, für mich dagegen ist es recht belastend“. Dass die Verordnung umgesetzt wird, daran hat Wagner allerdings keine Zweifel. Nur zwei säumige Kunden musste er bisher auf den Erlass hinweisen, trotz des guten Geschäfts seit der Öffnung letzte Woche.

Michael Frieling dagegen trifft die Krise stärker. In seinem Geschäft verkauft er unter anderem Taschen und Hüte. „Das Reisegepäck wird hier schon gar nicht mehr beleuchtet“, zeigt er mit Blick auf den bisher ausbleibenden Tourismus in diesem Jahr. Zwar sei der „Einbruch nicht ganz so gravierend“, weil während der vierwöchigen Schließung das Internet für den Verkauf genutzt wurde. Trotzdem sei nun viel weniger Betrieb als vor Ausbreitung des Virus. „Die, die kommen, wirken verängstigt“, berichtet Frieling. Zumindest bezüglich der Maskenpflicht kann er positiv bilanzieren: „Die Kunden sind sehr diszipliniert“.

Die ungewohnte Situation wird in Ronsdorf also gewissenhaft angegangen, Vorsicht bleibt jedoch nach wie vor das Gebot der Stunde.