Wuppertal: Realschule Vohwinkel hat jetzt eine Schwebebahn

Wuppertal : So kam die Schwebebahn zur Realschule Vohwinkel

Das „schwebende Klassenzimmer“ ist am Donnerstag im Schulgarten aufgestellt worden. Zuvor wurde die ausrangierte Bahn durch die Stadt transportiert.

Ein letztes Mal schwebt sie noch. An acht Stahlketten befestigt, erhebt sich das Vorderteil von Wagen 24 langsam vom Tieflader in die Luft. Kranführer Waldemar Kissner steuert seine wertvolle Fracht vorsichtig über das Gebäude der Realschule Vohwinkel. Dahinter soll die Schwebebahn im Schulgarten an der Blücherstraße dauerhaft eine Heimat finden. Auf den vier dafür vorgesehenen Gerüstteilen des Betonfundaments muss sie genau aufliegen. Jetzt ist Maßarbeit gefragt. Unter den Argusaugen der zuständigen Mitarbeiter wird das Wagenteil bei ständigem Funkkontakt vom 100 Tonnen schweren und auf 54 Meter ausgefahrenem Spezialkran abgesenkt.

„Es kommt auf jeden Millimeter an“, erklärt Darius Wystup vom Wuppertaler Metallbetrieb Dawy. Ihm ist die Anspannung an diesem Vormittag deutlich anzusehen. Immer wieder misst er akribisch nach und korrigiert zusammen mit seinen Kollegen die Lage des vorderen Wagens. Als dieser endlich sicher im Gerüst verankert ist, können alle Beteiligten vorerst aufatmen. Der Einsatz ist allerdings längst noch nicht beendet und der Kran befördert bereits das nächste Schwebebahnteil mit einem Gewicht von rund fünf Tonnen über das Dach.

Die Anordnung ist eine Herausforderung

Eine zusätzliche Herausforderung ist die L-förmige Anordnung der Schwebebahn am Boden. Daher wird das Mittelstück mit seiner ziehharmonikaartigen Faltenbälge erst zum Schluss eingepasst. Schließlich steht das Wuppertaler Wahrzeichen in seiner ganzen Pracht im Schulgarten. Entsprechend groß ist die Erleichterung. „Ich war ganz schön aufgeregt, aber wir haben ein super Team“, freut sich Darius Wystup.Auch Schulleiter Burkhard Eichhorn strahlt über das ganze Gesicht. „Wir sind überglücklich, dass unser Traum vom schwebenden Klassenzimmer endlich Wirklichkeit geworden ist“, erzählt er. Schon am frühen Donnerstagmorgen herrschte auf dem Schulgelände Hochbetrieb.

Zunächst mussten die acht Quadratmeter großen Lastverteilplatten für den Kran aufgestellt werden. Sie sorgen für einen Ausgleich des Gewichts. „Der Stützdruck kann bis zu 64 Tonnen betragen“, sagt Projektleiter Ringo Kiesling. Daher sei eine genaue Vorbereitung alles. Berücksichtigt wurden auch die Hohlräume unter dem Schulhof. Diese waren durch Kalksteinauswaschungen entstanden. Im letzten Jahr wurde der Boden ausgeschachtet und mit massiven Stahlbetonplatten verstärkt. So konnten die tonnenschweren Fahrzeuge sicher manövrieren.

Gegen 9.30 Uhr trafen sie mit den sehnlichst erwarteten Schwebebahnteilen an der Blücherstraße ein. Bei der rückwärtigen Einfahrt der 15 Meter langen Anhänger wurde es eng. Hier half die moderne Technik nach. „Die Auflieger lassen sich zusätzlich hydraulisch mit einer Fernbedienung steuern“, erläutert Ringo Kiesling. Kurze Zeit später hing dann Wagenteil A am Haken des Krans.

Die Schüler sind stolz auf die Schwebebahn auf dem Schulhof

Für die Schüler der Realschule bot die spektakuläre Aktion natürlich einen spannender Anblick. „Wir sind stolz darauf, dass wir jetzt als einzige Schule eine Schwebebahn haben“, sagt der 14-Jährige Jamal. Möglich gemacht hat das ein breites Bündnis aus engagierten Lehren, Eltern, Schülern und rund 30 Sponsoren. Über mehrere Jahre hinweg haben sie an ihrer Vision gearbeitet. „Das ist heute der krönende Abschluss unserer Arbeit“, sagt Vater Stefan Schellin. „Wir hatten die tollkühne Fantasie, das bekannteste Symbol unserer Stadt zum Unterrichtsraum zu machen“, berichtet Burkhard Eichhorn von den Anfängen des Schwebebahnprojekts. Jetzt steht der Umsetzung nichts mehr im Weg. Ein Schwerpunkt der Nutzung soll die Erforschung der Schwebebahntechnik werden. Hierzu sind Erkundungen und Ausstellungen vorgesehen. Um den Wagen herum soll außerdem der Schulgarten erneuert werden. Dazu ist ein entsprechender Naturkundeunterricht in der Schwebebahn geplant.