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Wuppertal: Prozess gegen den „König von Oberbarmen“ beginnt

Kriminalität : Prozess gegen den „König von Oberbarmen“ beginnt

37-Jähriger soll ein professionelles Drogennetzwerk aufgezogen haben.

„Der „König von Oberbarmen“ muss sich ab Freitag vor dem Landgericht verantworten: Der 37-Jährige soll einen umfangreichen und professionellen Handel mit Marihuana und Haschisch aufgebaut haben. Mit ihm stehen vier weitere Wuppertaler, 38 bis 53 Jahre alt, vor Gericht.

Der 37-Jährige soll dabei ein weitreichendes Netzwerk aufgebaut haben, über das er die Drogen im zweistelligen Kilobereich im Ausland kaufen und in Wuppertal und in anderen Städten verkaufen ließ. Der Weiterverkauf soll zum Teil auf Provisionsbasis erfolgt sein. So soll er für Marihuana eine Mindestabnahme von einem Kilo verlangt haben.

Laut Anklage hat er auf diese Weise von Sommer 2018 bis April 2019 mehrere Lieferungen von Marihuana von jeweils 35 bis 40 kg umgesetzt. Die Bezahlung und Finanzierung der Käufe soll jeweils über ein international agierendes Geldvermittlungssystem abgewickelt worden sein. Dies soll so funktioniert haben, dass man nach Abgabe eines Geldbetrages an einen „Prozentmann“ einen Code bekam, mit dem man sich das Geld von einem anderen Prozentmann an einem anderen Ort wieder auszahlen lassen konnte.

Einer der Weiterverkäufer (38) soll spätestens ab Sommer 2018 von dem 37-Jährigen kiloweise Marihuana bezogen haben. Zudem soll er im Frühjahr 2019 in den Niederlanden 25 Liter Amphetaminöl gekauft und in Wuppertal zu mindestens 10 kg Amphetamin weiterverarbeitet haben.

Dieser Weiterverkäufer und der 37-Jährige sollen die Drogengeschäfte ab spätestens Ende Mai 2019 gemeinsam und gleichberechtigt betrieben haben. Das Marihuana bezogen sie laut Anklage vor allem aus Spanien. Demnach ließen sie in der Provinz Barcelona einen Bunkerort einrichten, in dem die Drogen gesammelt, vakuumiert und umverpackt wurden.

Jeweils 80 bis 100 Kilo sollen dann nach Wuppertal transportiert worden sein. „Die Angeklagten hatten zwei Maschen“; berichtet Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Entweder wurden die Drogen in Lkw zwischen regulärer Ware versteckt oder auf dem Rücksitz von Pkw unter einer Decke.“

Die übrigen Angeklagten sollen beim Handel geholfen haben

Die anderen drei Angeklagten sollen jeweils bei dem Handel geholfen haben. Die beiden Hauptangeklagten und ein weiterer Beteiligter sollen zudem unerlaubt Waffen besessen haben, darunter einen Trommelrevolver mit Schalldämpfer.

Nach Angaben von Baumert hat die Polizei damals mehrere Monate ermittelt. Im Zuge der Ermittlungen wurde bekannt, dass der 37-Jährige als „König von Oberbarmen“ oder „König vom Berliner Platz“ bezeichnet wurde. Am Tag seiner Festnahme im Herbst 2019 war über abgehörte Telefone zu hören, dass Helfer sich mitteilten: „Der König ist gefallen“.

Schlagzeilen machte auch die zweimalige Entführung seines Bruders, eines Kioskbesitzers. „Es liegt nahe, dass damit Schulden aus Drogengeschäften erpresst werden sollten“, so Baumert. Der 26-Jährige war zweimal verschleppt und misshandelt worden, bis Geld für seine Freilassung gezahlt wurde.

Baumert berichtet, dass nach der Festnahme des „Königs“ der Straßenhandel mit Drogen in Oberbarmen „regelrecht eingebrochen“ sei. „Wir scheinen einen wichtigen Akteur erwischt zu haben.“ Dennoch habe die Polizei den Drogenhandel in dem Bereich weiter im Auge.

Für den Prozess wegen teils bandenmäßigen Drogenhandels und Verstößen gegen das Waffengesetz sind 38 Verhandlungstage bis mindestens Mai vorgesehen. Die Verhandlungen finden vorerst in Duisburg statt, weil wegen der Sanierung des Schwurgerichtssaals ein ausreichend großer Raum in Wuppertal fehlt.