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Wuppertal: Neuer Bezirksbürgermeister will Vohwinkel voranbringen

Stadtteilpolitik : Neuer Bezirksbürgermeister will Vohwinkel voranbringen

Georg Brodmann folgt auf Heiner Fragemann. Doch nicht etwa, weil er keine Stimmenmehrheit erhalten hätte, sondern weil er ehrenamtlicher Bürgermeister werden will.

Mit Georg Brodmann (SPD) hat Vohwinkel einen neuen Bezirksbürgermeister. Das liegt allerdings nicht daran, dass der bisherige Amtsinhaber Heiner Fragemann (SPD) keine Stimmenmehrheit gehabt hätte. Er ist als ehrenamtlicher Wuppertaler Bürgermeister vorgeschlagen und kann nach der Gemeindeordnung nicht gleichzeitig seine vorherige Funktion im Stadtteil ausüben. Daher hat die SPD-Fraktion Georg Brodmann nominiert, der am vergangenen Donnerstag bei der konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung Vohwinkel mehrheitlich zum Bezirksbürgermeister gewählt wurde.

Herr Fragemann, war es ungewohnt, an der Bezirksvertretung als einfaches Fraktionsmitglied und nicht mehr als Bezirksbürgermeister teilzunehmen?

Heiner Fragemann: Absolut, immerhin durfte ich diese ehrenvolle Aufgabe 13 Jahre lang ausüben. Ich sehe in der Veränderung aber durchaus einen Vorteil. Als Bezirksbürgermeister habe ich mich immer um einen Ausgleich und eine überparteiliche Moderation bemüht. Im meiner jetzigen Funktion kann ich dagegen stärker Stellung beziehen.

Wie beurteilen Sie nach Ihrer langen Zeit als Bezirksbürgermeister die Bedeutung der Bezirksvertretung?

Fragemann: Einerseits können wir tatsächlich wenig allein entscheiden. Andererseits sind wir aber die erste Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger und werden von den übergeordneten Gremien in allen Fragen gehört. Dazu geben wir eine Empfehlung ab, die in der Regel Gewicht hat. Daher sollte der Einfluss der Bezirksvertretungen nicht unterschätzt werden.

Georg Brodmann: Positiv ist, dass unsere Rolle in letzter Zeit gestärkt wurde. Wuppertal bekommt etwa seit dem vergangenen Jahr eine Aufwands- und Unterhaltungspauschale aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG). Davon profitieren auch die Bezirksvertretungen. Für Vohwinkel stehen allein in diesem Jahr 78 000 Euro zur Verfügung. Damit lässt sich eine Menge machen. Unter anderem ist dadurch eine Anschubfinanzierung für die Planung eines behindertengerechten Zugangs zur Nordbahntrasse an der Lüntenbeck möglich geworden.

Was hat in der Vergangenheit noch gut funktioniert?

Fragemann: Sehr erfreulich war etwa die Verlängerung der O-Bus-Linie zum Vohwinkeler Bahnhof. Zunächst schien eine Realisierung nicht machbar, aber mein leider kürzlich verstorbener Amtskollege Udo Vogtländer aus Solingen-Gräfrath und ich haben damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um doch noch etwas zu erreichen – letztendlich mit Erfolg.

Gab es auch Enttäuschungen?

Fragemann: Natürlich, die Personalkürzungen bei der Vohwinkeler Jugendarbeit konnten wir in Vohwinkel trotz der Bemühungen aller Fraktionen nicht verhindern.

Brodmann: Insgesamt haben wir in den letzten Jahren in der Bezirksvertretung aber viel für die Verbesserung der Lebensqualität und die Optimierung der Infrastruktur Vohwinkels auf den Weg bringen können. Diese Arbeit werde ich als Bezirksbürgermeister mit aller Kraft fortsetzen.

Was werden die künftigen Herausforderungen sein?

Brodmann: Wir werden thematisch da ansetzen, wo die letzte Bezirksvertretung aufgehört hat. Ganz oben auf der Agenda steht das von uns geforderte Verkehrskonzept für Vohwinkel. Da werden wir Druck auf die zuständigen Behörden machen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Fortschreibung des ÖPNV-Konzepts im kommenden Jahr. Wir werden keine Verschlechterung des Nahverkehrs für Vohwinkel akzeptieren. In diesem Zusammenhang werden wir uns nochmals für einen Burgholz-Express einsetzen. Die von Heiner Fragemann angesprochene Situation in der Jugendarbeit haben wir ebenfalls im Blick. Gegen weitere Kürzungen werden wir uns entschieden wehren. Auch an den Leerständen im Vohwinkeler Zentrum müssen wir arbeiten. Da werden wir gemeinsam mit dem Stadtrat und allen Beteiligten nach Lösungen suchen.

Was ist Ihnen als Bezirksbürgermeister wichtig?

Brodmann: Grundsätzlich kann unser Stadtquartier nur so gut sein, wie sich Menschen dafür mit Engagement und Leidenschaft einsetzen. Dafür stehe ich und daran werde mich messen lassen.