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Wuppertal muss seinen Beitrag leisten für das Rheinland

Wuppertal muss seinen Beitrag leisten für das Rheinland

Heute beginnt in Düsseldorf die Polis Convention, eine Messe, die sich Stadtentwicklung beschäftigt. Gegründet hat sie der Wuppertaler Professor Johannes Busmann.

Wuppertal. Das Thema der Messe ist wie gemacht für das Bergische Land. Die „Polis Convention“ steht in diesem Jahr unter dem Leitbegriff Stadt & Region. Es geht darum, wie Metropolen und deren Umland in Zukunft zusammen funktionieren können. Denn getrennt voneinander funktionieren sie auf die Dauer vermutlich mehr. So zumindest sieht es Johannes Busmann. Der Professor für Mediendesign und seine Didaktik hat die Messe vor zwei Jahren gegründet.

Für den Wuppertaler ist Stadtentwicklung ein zentrales Thema der Zukunft. Das haben viele Kommunen und Unternehmen inzwischen auch erkannt. Die Messe auf dem Böhler-Gelände an der Hansaallee in Düsseldorf wächst stetig. Neu sind in diesem Jahr unter anderem Frankfurt am Main und auch die Niederlande sind auf der Polis Convention mit Experten vertreten.

„Regionale Zusammenarbeit ist das Ziel“, sagt Busmann, der an der Uni-Wuppertal lehrt. „Die Stadt Köln trifft heute kaum noch eine Entscheidung, ohne sich mit dem Verein Köln/Bonn zu beraten.“ Kooperation ist aus Sicht Busmanns schon allein aus dem Grund notwendig, dass keine Kommune den Anforderungen der Zukunft allein wird begegnen können. Das gilt beispielsweise für den Immobilienmarkt. Düsseldorf kann den Bedarf an bezahlbarem Wohneigentum für junge Familien kaum mehr erfüllen. „Aber Immobilienbesitz spielt im Hinblick auf die wirtschaftliche Absicherung im Alter eine immer größere Rolle“, sagt Busmann. Also liegt es auf der Hand, dass umliegende Städte wie Mönchengladbach, Duisburg und auch Wuppertal diesen Wohnraum anbieten. „Die Zeiten, in denen die Menschen der Arbeit hinterhergereist sind, ist vorbei.“ Heute suchten Menschen einen Standort, von dem aus sie in einem Umkreis von 100 Kilometern gegebenenfalls genügend Arbeitsplätze finden können.

Für Städte wie Wuppertal, für das gesamte Bergische Städtedreieck ist das eine Chance. „Wuppertal muss einen Beitrag leisten für das Rheinland“, sagt Busmann. Dass die Stadt dazu in der Lage ist, steht für den 55 Jahre alten Gelehrten außer Frage.

Ebenso augenscheinlich ist für ihn, dass die Zusammenarbeit der Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen noch reichlich Entwicklungsmöglichkeiten hat. „Es kann doch keiner verstehen, dass Wuppertal und Solingen eine gemeinsame Volkshochschule haben, Remscheid aber nicht dabei ist“, sagt. Busmann. Es könne doch kein Problem mehr sein, das Angebot der VHS für alle drei Städte zu organisieren. „Wir reden von etwa 650 000 Menschen. Städte in dieser Größenordnung bekommen das hin.“

Dem neuen Denken, zu dem die Polis Convention auffordern und ermuntern will, stehen nicht nur im Bergischen Land noch alte Denkmuster gegenüber, die sich in Stadtgebieten bewegen. „Aber Menschen und Unternehmen machen das nicht. Sie erleben kommunale Grenzen nicht mehr“, sagt Busmann.

Umso wichtiger ist für Busmann das Denken in Regionen. Keine Kommune sei allein in der Lage, allen Anforderungen der Menschen gerecht zu werden. Dabei spiele es keine Rolle mehr, ob eine Stadt groß ist oder klein. Metropolen und Umland funktionieren nur gemeinsam. Dort arbeiten, hier leben, hier wie dort einkaufen, sich versorgen. „Wir kommen in eine neue Zeit der Infrastruktur. Die Entwicklung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs ist die Grundlage für die Organisation von Wohnen, Arbeit und Versorgung“, sagt Busmann. Für Städte im Umland von Metropolen sei es wichtig, dass sie Lebensqualität bieten. Das gilt auch für Wuppertal als größte Stadt im Bergischen Land. Oberzentrum zu sein sei dabei keine Mengenfrage, sondern eine Frage der Haltung. „Deshalb ist der neue Döppersberg auch kein Betongießen, sondern das Zeichen einer neuen Qualität, einer modernen Entwicklung, mit der Wuppertal sich selbst und dem Bergischen Land Orientierung gibt.“