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Wuppertal: Mit Engagement und Kultur den Knast-Alltag erleichtern

Ehrenamt : Mit Engagement und Kultur den Knast-Alltag erleichtern

Diana Gerhardt ist Ehrenamtlerin der Straffälligenhilfe. Neuer Kurs beginnt im September.

Warum tust du dir das auch noch an? Das werde sie oft gefragt, erzählt Diana Gerhardt. Die Kitaleiterin ist vielfach engagiert, arbeitet freiberuflich als Dozentin und Mediatorin. Und darüber hinaus kümmert sie sich um Strafgefangene. Sie ist eine von derzeit 48 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Straffälligenhilfe der Caritas, die Gefangene in den Gefängnissen in Wuppertal und Remscheid betreuen. Die Caritas bietet ab 25. September wieder einen Kurs an, in dem sich Interessierte auf die Arbeit mit Häftlingen vorbereiten können.

Diana Gerhardt war vor etwa acht Jahren auf der Suche nach ehrenamtlicher Arbeit. „Einfach weil ich denke, unsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn jeder etwas beiträgt.“ Zufällig begann gerade der Kurs zur Straffälligenhilfe, an dem sie mit viel Skepsis teilnahm. Ob sie wirklich in dem Bereich arbeiten wollte, war sie sich nicht sicher.

Der Umschwung kam beim Besuch in einer Haftanstalt, der zum Kurs gehört. „Da habe ich gemerkt, dass das nichts mit dem zu tun hat, was man im Fernsehen in Krimis sieht.“ Vielmehr konnte sie die Menschen sehen, die zwar zum Teil schlimme Taten begangen haben, aber eben nicht nur eine Verkörperung dieser Tat sind. „Die haben auch Familie, haben Schwestern, Mütter.“ Und sie nahm wahr, dass der Strafvollzug noch lange nicht optimal läuft. „Das Vorurteil, die lebten dort wie in einem Hotel, stimmt einfach nicht.“ Also fing sie bei der Straffälligenhilfe an.

Ehrenamtler bekommen einen Gefangenen zur Betreuung vorgeschlagen – „man kann immer sagen, dass man zum Beispiel nicht mit einem Mörder oder einem Sexualstraftäter Kontakt haben will“, betont sie. Wie häufig sie diese besuchen, dürfe man auch entscheiden.

„Die sind schon verurteilt,
das muss ich nicht mehr.“

Diana Gerhardt ist etwa alle 14 Tage ins Gefängnis gefahren. Hat zugehört, was ihr Gegenüber aus dem Haftalltag erzählt, irgendwann auch von der Tat. „Ich habe nie gefragt“, sagt sie. „Und ich habe mir immer gesagt, die sind schon verurteilt, das muss ich nicht mehr.“

Was sie berührt: „Die sind so dankbar, dass sich jemand so lange und kontinuierlich für sie interessiert.“ Sie weiß inzwischen, dass viele Strafgefangene Abbrüche ihrer Beziehungen erlebt haben und erleben. Oft brächen Familien den Kontakt ab.

Sie hat Geschenke für Familienangehörige besorgt, mit einer kranken Mutter telefoniert, in Vorbereitung auf die Entlassung nach einer Wohnung gesucht, hat sich Frust angehört, manchmal Verzweiflung, hat aber auch mit Gefangenen rumgealbert. Und gibt mittlerweile als Antwort auf die Frage, warum sie das alles macht: „Die meisten von denen kommen irgendwann wieder raus. Da ist es doch besser, wenn sie einigermaßen stabilisiert sind.“

Inzwischen tut sie noch mehr: Mit drei Freunden zusammen hat sie eine „Kunst- und Kultur-Gruppe“ für die Gefangenen gegründet. Da haben Künstler mal versucht, die Gefühle der Gefangenen in Bilder oder Skulpturen umzusetzen und ausgestellt. Sie haben mit den Gefangenen Theater gemacht, „harte Kerle“ zum Singen gebracht. Und aktuell wollen sie die „Knast-Zeitung“ in der JVA Remscheid wieder aufleben lassen.

Für besonders wichtig hält sie, dass die Teilnehmer in der Gruppe oft miteinander verhandeln müssten, denn es gebe keine Vorgaben. „Das erleben sie nicht oft.“ Dabei sei das doch ebenfalls wichtig bei der Vorbereitung auf das Leben danach.

Sie selbst empfindet oft „Dankbarkeit, dass ich so gut gebettet bin, meine Familie habe“. Wenn Häftlinge von ihrem Leben erzählen und von den Entscheidungen, die in die falsche Richtung führten, dann habe sie schon überlegt: Was hätte ich an dieser Stelle gemacht? „Ich habe dann oft gedacht, ich wäre zu meinem Bruder oder zu meiner Schwester gegangen.“ Das hätten andere eben nicht.