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Wuppertal: Märchenbrunnen im Zooviertel bekommt alte Figuren zurück

Zooviertel : Reineke Fuchs und König Nussknacker kommen zurück ins Zooviertel

Der Märchenbrunnen bekommt neue alte Figuren. Ein Unternehmen aus Mülheim stellt sie mit Hilfe von Computern und 3D-Druckern her.

Die vier Figuren am Märchenbrunnen, die aktuell noch fehlen, entstehen gerade in Mülheim an der Ruhr. Swinegel, König Nussknacker, der gestiefelte Kater und Reineke Fuchs werden dort in den Computern der Firma Ego3D von Robert Fischer modelliert. Der Diplom-Ingenieur und seine Mitarbeiter entwerfen die Figuren und lassen Gussvorlagen im 3D-Drucker entstehen, mit denen die Figuren später aus Aluminium gefertigt werden. Die Technik ist neu - das Gussverfahren aber, mit dem die Figuren gegossen werden, „ist 3000 Jahre alt“, sagt Fischer.

Im Sommer sollen die Figuren den Brunnen, das Herzstück des Zooviertels, wieder vervollständigen. Der Bürgerverein Sonnborn-Zoo-Varresbeck hat Robert Fischer damit beauftragt, die Figuren herzustellen. Fischer ist seit zwölf Jahren mit der Firma aktiv, spezialisiert auf solche Aufträge. Bei ihm arbeiten Mitarbeiter, die sich mit der Entwicklung von Computerspielen auskennen oder sogar an der Kunstakademie studiert haben, erzählt er. „Das ist manuelle Arbeit“, erklärt er. Wenn solche Figuren modelliert würden, sei das Kunsthandwerk, nur eben am Computer.

Figuren werden nach Fotovorlagen modelliert

Seine Mitarbeiter haben die Figuren nach historischen Vorlagen erstellt. Barbara Schneider vom Bürgerverein hat die Figuren von historischen Bildern vergrößert und bearbeitet. Die Bilder, so erklärt ihr Mann, Reinald Schneider, habe man auf alten Fotos von Kuno Riemann, einem der Väter des Zooviertels, entdeckt. Die habe der 1903 verschenkt. Der Enkel des Beschenkten hatte den Satz Fotos im Archiv gefunden und bei Ebay versteigert. Schneider hat einige Bilder kaufen können, andere vom neuen Besitzer einscannen können. So konnte Schneider Bilder in entsprechender Qualität bearbeiten - und die Arbeit für Fischer und seine Mitarbeiter erheblich erleichtern.

„Gott sei Dank haben wir von jeder Figur zwei Bilder“, sagt er. Barbara Schneider hatte von jeder Figur zwei Perspektiven bearbeiten können. Das habe die Modellierung erheblich vereinfacht. Die Arbeit der Künstler dauert dann acht Stunden - in Phasen - pro Figur. Dabei hat es immer wieder enge Absprachen zwischen Bürgerverein und der Firma gegeben. Fischer lobt die Rücksprachen ausdrücklich: „Wenn wir etwas nicht erkennen, dann fragen wir bei Herrn Schneider nach, der nochmal nachrecherchiert.“ Es sei „irre, wie er sich reinkniet“, lobt Fischer die ehrenamtliche Arbeit.

Wenn alle Details geklärt sind und der Bürgerverein grünes Licht gibt - bisher für zwei der vier Figuren - werden die im 3D-Drucker erstellt - 30 Stunden lang. Als Hohlformen, 60 Zentimeter hoch. In einer Gießerei werde dann Silikon draufgepinselt. wenn das hart sei, werde der Kunststoff entnommen, die Silikonvorlage mit Wachs ausgegossen. Das werde mit einer sogenannten Gips-Schamotte-Mischung umhüllt, die später mit Aluminium ausgefüllt werde. „Das verwendete Aluminium ist eine spezielle Legierung - sie ist seewasserbeständig und damit sehr widerstandsfähig bei dem rauen Bergischen Wetter“, sagt Fischer.

Bereits im Februar war Fischer vor Ort, um die Sockel zu vermessen, auf denen die Figuren angebracht werden sollen. Die Märchenprotagonisten sollen im August dann auf dem Märchenbrunnen positioniert werden.

Eigentlich waren sie einmal Teil des 1887 erbauten Brunnens. Aber irgendwann noch vor 1932 - das belegen Fotos - waren sie und die Wasserspeier abmontiert worden. Udo Hindrichs, Vorsitzender des Bürgervereins, sagt, er sei sehr glücklich, dass die Figuren zurückkommen. Dafür hat die NRW-Stiftung 15 000 Euro gegeben, die Untere Denkmalbehörde der Stadt 7500 Euro und knapp 10 000 Euro kommen vom Bürgerverein.