Wuppertal: Kunststoff-Müll vor einer weiten Reise

Umwelt : Kunststoff-Müll aus der gelben Tonne steht vor einer weiten Reise

Joghurtbecher und Co. aus Wuppertaler Haushalten werden verwertet.

Wo landen eigentlich die Joghurtbecher, Folien und Dosen aus unseren Gelben Tonnen? Das System ist kompliziert: Während es zu Beginn des grünen Punktes nur ein Unternehmen zur Verwertung dieses Mülls gab, das Duale System Deutschland (DSD), konkurrieren inzwischen acht Firmen um unseren Verpackungsmüll. Wer eine Verpackung in den Umlauf bringt – also etwa ein Shampoofabrikant oder Hersteller von Keksen – sucht sich den für ihn günstigsten Anbieter unter diesen acht aus. Anhand dieser Verträge wird dann der prozentuale Anteil errechnet, den das jeweilige Verwertungsunternehmen vom Müllberg abbekommt.

Die Wuppertaler Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) wiederum bewirbt sich jeweils für drei Jahre darum, den „Gelben Müll“ bei den Wuppertalern abholen zu dürfen. „Wir sind Auftragnehmer des Dualen Systems“, erklärt Dominic Steffens, Abteilungsleiter der AWG. Für Glas hat die AWG die Ausschreibung gerade bis Ende 2022 gewonnen, für die Gelbe Tonne läuft der Vertrag noch bis Ende 2020. Vor gut einem Dutzend Jahre hingegen passierte es, dass ein anderer Anbieter die AWG ausstach. In so einem Fall muss die AWG alle Gelben Tonnen einsammeln und einlagern, während der neue Anbieter eigene Tonnen ausgeben und regelmäßig leeren muss. Vor den Zeiten digitaler Routenplanung war das noch deutlich schwieriger als heute.

Die Müllmänner der AWG kontrollieren oberflächlich, ob die Befüllung der Gelben Tonne den Vorschriften entspricht. Einzelne Häuser bekommen auch Gelbe Säcke – in diesen lässt sich der Inhalt deutlich leichter überprüfen. „Es gibt immer Menschen, die wollen Müllgebühren sparen, indem sie Restmüll unten in den Gelben Tonnen verstecken“, berichtet Steffens. Rund ein Viertel des Gelben Inhalts sind Fehlwürfe; nur ein relativ kleiner Teil davon versehentliche, viele eher mutwillige Taten.

8783 Tonnen Leichtverpackungen sammelte die AWG 2018 ein. Rund 47 Prozent davon waren Kunststoffe, elf Prozent Weißblech, 5,3 Prozent Getränkeverpackungen (Tetrapacks). Den gesamten Inhalt der Gelben Tonnen liefert die AWG zum Gelände von Remondis am Uhlenbruch. Dort wiederum holen die acht Systembetreiber ihre anteiligen Mengen zur Weiterverwertung ab. Damit endet die Zuständigkeit der AWG. Anschließend wird das Material in Sortieranlagen in Bochum, Iserlohn, Krefeld, Swisttal und Herten getrennt – viel maschinell, aber zum Teil immer noch in Handarbeit. „Ein Teil davon wird thermisch verwertet“, sagt Dominic Steffens. Gerade kleine Kunststoffteile sind als Energielieferant beliebt. Ein Wertstoff-Erfassungssystem verfolgt genau, wohin die einzelnen Wertstoffteile gehen.

Doch auch der Restmüll wird in Wuppertal teilweise noch genutzt: Nach dem Verbrennen, durch das Fernwärme und bald auch Wasserstoff erzeugt wird, werden aus der Schlacke Metall, Aluminium, Kupfer, Messing und Edelmetalle herausgeholt. „Wir haben die Verwertungstiefe in den vergangenen Jahren deutlich erhöht“, betont Steffens.

awg.wuppertal.de

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