Wuppertal-Krimi: „King Ping“ ist anders — und startet im Sommer

Wuppertal-Krimi: „King Ping“ ist anders — und startet im Sommer

Der erste im Tal produzierte Kinofilm steht kurz vor der Weltpremiere — Dirk Michael Häger redet über Vorfreude und die Härten des Filmgeschäfts.

Wuppertal. Herr Häger, ganz zu Beginn des „King Ping“-Projekts sagten Sie mal, der Film solle zur Berlinale 2013 in den Kinos sein. Diese Berlinale ist mittlerweile Geschichte. Wie sieht es denn nun aus mit dem Kinostart-Termin?

Dirk Michael Häger: Die Berlinale war ein Ziel, auf das wir — anfangs — hingearbeitet haben. Es war aber auch ein sehr ehrgeiziges. Und wenn die Produktion eines Films einen etwas lehrt, dann ist es Geduld. Und die Bereitschaft, Ziele immer wieder den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Überhaupt haben mein Produzentenkollege Christoph Schmidt und ich seit 2011 einen Crashkurs in Filmproduktion bekommen, der so ziemlich alles beinhaltet, was bei einem Debüt passieren kann. Bei „King Ping“ ist vieles anders gekommen als geplant: immer wieder finanzielle Hürden, nein Herausforderungen (lacht), damit verbundene personelle Wechsel bei Schauspielern, im Team und so weiter. Nun, zwei Jahre nach Präsentation des Teasers ist es soweit: „King Ping“ kommt ins Kino. Der genaue Starttermin entscheidet sich voraussichtlich noch diese Woche. Im Moment läuft es auf Ende Juni, Anfang Juli hinaus.

Bekommen wir dann auch die Welt-Premiere in Wuppertal mit rotem Teppich und den Hauptdarstellern des Films — oder welcher Rahmen ist geplant?

Häger: Interessanter Punkt: Wir produzieren den ersten Kinofilm, der in und aus Wuppertal heraus entsteht — und feiern dann Premiere in Düsseldorf. Oder in Essen. Da wären nicht nur WSV-Fans sauer (lacht). Tatsächlich wurden wir gefragt, ob nicht die Lichtburg in Essen, in der traditionell NRW-Premieren gefeiert werden, in Frage kommt. Aber das geht natürlich gar nicht. Zwei Drittel des Budgets kommen aus Wuppertal, viele mitwirkende Schauspieler kommen aus der Stadt oder leben noch hier, der Film spielt hier — und rote Teppiche mit Glamour-Faktor machen sich doch sowieso am besten in Wuppernähe.

Sie und Ihr Partner Christoph Schmidt haben ja immer gesagt, Sie wollten mit „King Ping“ etwas ganz eigenes schaffen — einen „Crime Comic“ mit überdrehten Charakteren, sehr spezieller Ästhetik und einem ganz großen Anteil Musik. Haben Sie das im vergangenen guten Jahr seit dem Drehschluss hinbekommen?

Häger: Also, wenn ich eines mit Gewissheit sagen kann, dann ist es das: „King Ping“ ist eine sehr eigenwillige, man könnte auch sagen, bekloppte Mischung aus schräger Komödie, Krimi, Trash — und Musikfilm: Über dreißig Songs zählt der Soundtrack, der Titelsong wird gesungen von Bela B. Im Laufe der Postproduktion — in der also geschnitten und Spezialeffekte eingebaut, die Farbgestaltung Bild für Bild definiert wurde und schließlich die Tonmischung erfolgte — war sehr schnell klar: Dieser Film ist anders, vor allem für deutsche Verhältnisse. Testzuschauer bestätigen das allesamt. „King Ping“ ist also keinem Genre klar zuzuordnen, was die einen Zuschauer irritieren, die anderen in Spannung versetzen wird.

Wie oft haben Sie die fertige Fassung eigentlich selbst schon gesehen — und mit welchem Gefühl?

Häger: Ich zähle nicht mehr (lacht). Vor allem, wenn ich bedenke, dass es ja erst der Anfang ist. Pressevorstellungen, Previews, Premiere in Wuppertal, Vorstellungen in anderen Kinos in Deutschland, Festivalteilnahmen. . . Bislang ist das Gefühl aber immer noch frisch und wir können immer noch richtig lachen — sogar an den richtigen Stellen.

Nach dem Film ist vor dem Film: Was werden wir als nächstes von REX Film sehen? Und: Drehen Sie erneut in Wuppertal?

Häger: Unmittelbar geplant sind der Pilotfilm für eine Comedyserie und ein tragikomischer Roadmovie namens „Schnitzeljagd“. Für dieses Projekt haben für die Hauptrollen bereits Henry Hübchen, Christoph Maria Herbst und Iris Berben ihr Interesse per Absichtserklärung signalisiert. Es freut uns total, dass wir mit der Geschichte so hochkarätige Schauspieler begeistern können. Bei beiden Projekten ist es denkbar, dass sie zumindest teilweise wieder in Wuppertal gedreht werden. Wir brennen jedenfalls darauf, mit REX Film im Bereich Spielfilm „made in Wuppertal“ sehr bald nachzulegen.

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