Wuppertal kauft Spaßbad Bergische Sonne - Das Kunstwerk gibt es als Zugabe

Wuppertal kauft Spaßbad Bergische Sonne - Das Kunstwerk gibt es als Zugabe

Die Stadt hat das seit Jahren vor sich hingammelnde Grundstück und Gebäude des Spaßbades gekauft - und damit gleichzeitig die Skulptur von Klaus Rinke erworben.

Wuppertal. Die Stadt hat am Mittwoch das seit Jahren leerstehende Spaßbad Bergische Sonne von ihrem bisherigen Besitzer, der russischen Finader GmbH, gekauft. Über den Kaufpreis macht die Stadt keine Angaben. Er soll sich nach Informationen der WZ auf mehr als eine Million Euro belaufen. Mit dem Erwerb von Gebäuden und Grundstücken ist die Stadt Besitzer eines Kunstwerkes des bekannten Künstlers Klaus Rinke geworden. Dessen Skulptur „Bergische Sonne“ verdankt das Freizeitbad auf Lichtscheid seinen Namen.

Die Stadt plant, das Schwimmbad abzureißen und die Fläche einzuebnen. Die Skulptur des ehemaligen Professors für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf und mehrmaligen Documenta-Teilnehmers, dem 2017 eine Sonderausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden gewidmet war, soll abgebaut und eingelagert werden — bis feststeht, ob sie an gleicher Stelle oder an einem anderen Standort wieder aufgebaut wird.

Viele Besucher des Spaßbades werden die leuchtend gelbe Kugel, das Symbol der Bergischen Sonne, noch in Erinnerung haben. Unzählige Besuchergruppen ließen sich vor dem Kunstwerk fotografieren, das einst Markenzeichen des Freizeitbades war. Von der Strahlkraft ist nichts geblieben, und mit dem Niedergang des Bades ist auch das Kunstwerk in Vergessenheit geraten. Es gammelt seit Jahren vor sich hin. Der Wuppertaler Michael Baudenbacher, der im vergangenen Jahr zusammen mit der Kunsthistorikerin Marlene Baum eine 45-minütige Dokumentation über Klaus Rinke drehte, entdeckte die nur noch matt leuchtende Kugel versteckt hinter Gestrüpp in einem modrigen Wasserbassin.

„Die künstlerische Bedeutung der Skulptur ist der Stadt bekannt, zudem sind mit ihr für viele Wuppertaler Erinnerungen an das Bad verbunden. Wir werden das Kunstwerk renovieren. Ob es an gleicher Stelle wieder aufgestellt werden kann, hängt von der späteren Nutzung des Grundstücks und den Gebäuden ab, die dort gebaut werden“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig. Die Stadt will auf dem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück der Bergischen Sonne hochwertiges Gewerbe ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen. „Wir sind mit einigen Kaufinteressenten im Gespräch“, so Slawig. Der Abbruch des Schwimmbades soll möglichst bald beginnen. Zuvor werde die Skulptur abgebaut und in die Obhut des Von der Heydt-Museums übergeben.

Klaus Rinke würde sich über eine Kontaktaufnahme durch die Stadt freuen. Der 79-jährige gebürtige Wattenscheider lebt — nach fast 30 Jahren in Haan — seit 2007 in Österreich. Und hat das Copyright an der Skulptur. Er sagt: „Ohne mich kann man da nichts machen.“

Machen muss man mit der riesigen Kugel mit ihrem fünf Meter großen Durchmesser einiges. Nicht nur, weil sie den Plänen für eine zukünftige Nutzung des Grundstücks im Wege ist. Die Kugel besteht aus einem Aluminiumkern, der dick mit Lackfarbe überzogen worden ist. Sie liegt angekettet im verwilderten Betonbassin, hat die vergangenen Jahre offensichtlich aber unbeschädigt überstanden. Allerdings müsste sie gereinigt und mit neuer Farbe versehen werden.

Rinke hat sich seine eigenen Gedanken über einen neuen Standort für seine Plastik gemacht. Er hängt nicht an der gelben Farbe. So brachte er im letzten Jahr bei seiner Ausstellung die Idee auf, die Kugel mit schwarzer Farbe zu überziehen und in einen Bombentrichter im Skultpurenpark Waldfrieden seines Freundes Tony Cragg zu legen: „Das kann ich mir gut vorstellen“, erzählt er. Auf jeden Fall sollte die Kugel des komplizierten (und teuren) Transports wegen nicht über große Distanzen transportiert werden. 1992 war die Plastik denn auch in zwei Hälften zum Spaßbad auf Lichtscheid befördert und am Ort zusammengefügt worden.

Rinke kann sich auch einen Verkauf an eine Wuppertaler Versicherung vorstellen, oder eben die Verpflanzung an einen anderen Ort, den die Stadt aussucht. Hauptsache es ist ein Ort, an dem die Kugel wertgeschätzt wird, findet auch Michael Baudenbacher.

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