Wuppertal jubelt: Die Nordbahntrasse ist eröffnet

Wuppertal jubelt: Die Nordbahntrasse ist eröffnet

Radeln, Skaten, Laufen und Staunen - tausende Gäste kamen auf die Trasse und waren voll des Lobes.

Wuppertal. Das erste Teilstück der Nordbahntrasse ist eröffnet. Tausende Wuppertaler strömten amWochenende bei Kaiserwetter über die zwei Kilometer lange Teilstrecke und feierten am Bahnhof Loh eines der Leuchtturmprojekte in der Stadt. Es wimmelte nur so von Radlern, Skatern, Wanderern, Rollerfahrern oder einfach nur Menschen, die sehen wollten, wie der Prototyp jener Strecke aussieht, die einmal fast ganz Wuppertal miteinander verbinden soll.

Am Loher Bahnhof herrschte das pralle Leben: Ob Zirkus Krümel mit einer radelnden Artistik-Einlage, bergische Trommler, der Rotter Bürgerverein oder ab der Allgemeinde Deutsche Fahrrad Club, ihnen allen war gemein, dass sie sich einfach freuten. Die Nordbahntrasse, und das war eindeutig aus den vielen Gespräche herauszuhören, gibt der Stadt Wuppertal Lebensqualität zurück in einer Zeit, in der die öffentliche Diskussion von negativen Meldungen und Spardebatten geprägt wird.

Da war es denn auch kein Wunder, dass die politische Prominenz bei der Einweihung der Trasse nicht fehlte. Carsten Gerhardt, der Vorsitzende der Wuppertal Bewegung, eröffnete das Teilstück mit einer ebenso kurzen wie prägnanten Rede. Das war jedoch kein Wunder, diese war, wie er stolz ausführte, von seiner siebjährigen Tochter Meara geschrieben worden. Der Inhalt: "Das ist eine tolle Trasse, auf der man ganz viel machen kann - und viel Spaß dabei."

Ganz dabei bewenden ließ Gerhardt es doch nicht und ergänzte, dass die Wuppertal Bewegung alleine 100 Tonnen Schrott von der Trasse entfernt hatte und dass ihm die Diskussionen um den Schutz der Fledermäuse noch Sorgen bereiten. "Es stimmt mich traurig zu sehen, dass wir in vier Wochen Arbeit das Teilstück bauen konnten und es uns in dieser Zeit nicht gelungen ist, einen Termin mit den Umweltschützern zu vereinbaren", sagte Gerhardt und erneuerte sein Angebot, dass eine der beiden Röhren des Tunnels Schee für Menschen und die andere ür Fledermäuse genutzt werden könnten.

Das Land NRW unterstützt den Trasenbau, weswegen es sich Verkehrsminister Lutz Lienenkämper nicht hatte nehmen lassen, bei der Eröffnung ebenfalls anwesend zu sein. Er konstatierte: "Das ist ein sehr guter Tag für Wuppertal", und forderte die Stadt, die Wuppertal Bewegung und die Umweltschützer auf, eine pragmatische Kompromisslösung für den Schutz der Fledermäuse zu finden. Lienenkämper sagte für diesen Prozess ausdrücklich die Hilfe seines Ministeriums zu.

"Es ist ein erster Schritt", stellte Oberbürgermeister Peter Jung fest und fügte an: "Die Nordbahntrasse ist eine wunderbare Idee und das erste Teilstück eine tolle Umsetzung." "Lassen Sie uns aufeinander zugehen", forderte auch Jung alle Beteiligten auf, einen Kompromiss auf der Trasse zu finden.

Zu den Ein-Euro-Jobbern des zweiten Arbeitsmarktes, ohne die das Teilstück heute in dieser Form nicht existieren würde, sagte er: "Darauf können Sie stolz sein, lassen Sie sich das nicht von Kleingeistern kaputt machen." Damit spielte Jung auf eine Protestveranstaltung der autonomen Szene an, die zuvor moniert hatte, dass Ein-Euro-Jobber auf der Trasse ausgenutzt würden.

Eines verband Redner und auch die Menschen auf der Trasse: Sie hatten Spaß. Da passte die Aussage von Jung: "Das ewige Schlechtreden unserer Stadt geht mir nachhaltig auf den Geist", wie die Faust aufs Auge. Während und nach des offiziellen Teils strömten immer weiter Schaulustige auf des Gelände des Bahnhofs, die Draisine fuhr im Dauereinsatz und auf der neuen Trasse selbst war es so voll, dass es an ein Wunder grenzte, dass es zu keinen größeren Karambolagen zwischen Radlern, Skatern und anderen Trassen-Gehern kam