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Wuppertal ist gegen die Schäden nicht versichert

Wuppertal ist gegen die Schäden nicht versichert

Das Unwetter wird teuer für die Stadt: Für Reparaturen in Millionenhöhe an ihren Gebäuden muss sie selbst aufkommen.

Das Ausmaß der Sachschäden durch das Unwetter am Dienstag ist weitaus größer als zunächst angenommen. Nach ersten Schätzungen standen mehrere tausend Keller in Elberfeld und Barmen unter Wasser.

Die Stadt verzeichnet massive Gebäudeschäden und zerstörte technische Geräte in Kellerräumen. Betroffen sind Schulen, Sporthallen, Kitas, das Museum, die VHS und viele andere öffentliche Gebäude. Darunter das Berufskolleg am Haspel, das Gymnasium am Kothen, das Stadtbad Uellendahl und die Sporthallen Gathe und Adlerbrücke. Im Barmer Rathaus sorgte gestern ein Diesel-Aggregat für die Notstromversorgung.

Hans-Uwe Flunkert, Chef des Gebäudemanagements, hat am Mittwoch viele der Schäden unter die Lupe genommen. Er ist optimistisch, dass zumindest ein Teil der technischen Geräte gereinigt und wieder in Betrieb genommen werden kann. Es dürfte aber Wochen oder gar Monate dauern, bis alle Schäden in Millionenhöhe an und in Gebäuden, Straßen, Gehwegen, Parks und Grünanlagen und der Kanalisation beseitigt sind. Bei der Finanzierung der Reparaturen wird die Stadt wohl auf sich gestellt sein, denn sie ist nicht gegen Elementargefahren versichert. „Tausende Gebäude zu versichern, wäre über viele Jahre nicht finanzierbar gewesen“, erklärt dazu Stadtsprecherin Martina Eckermann auf Anfrage der WZ. Auch über den kommunalen Schadensausgleich sei voraussichtlich keine Hilfe zu erwarten. Wie hoch die Schadenssumme allein für die Stadt ist, lasse sich erst nach einer umfassenden Bestandsaufnahme beziffern. „Wir können aber von Glück sagen, dass es bei diesem Ausmaß des Unwetters lediglich zwei Leichtverletzte gegeben hat“, so die Stadtsprecherin.

Oberbürgermeister Andreas Mucke machte sich gestern ein Bild von den Schäden in Barmen, Unterbarmen und Elberfeld. „Die Folgen sind massiv. In einigen Fällen, wo Geschäfte und Warenlager unter Wasser standen, sind sie existenzbedrohend, wenn nicht die entsprechende Versicherung abgeschlossen worden ist“, so Mucke. Er dankte allen 600 Einsatzkräften von Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehren, Polizei, ESW, AWG und THW, die oft ohne Pause bis zum Mittwochmittag an 700 Einsatzorten Hilfe leisteten. Alle ehrenamtlichen Helfer will Mucke zu einem späteren Zeitpunkt einladen.

„Die Gewitterzelle hat sich am Dienstag direkt über Wuppertal gebildet. An der Messstelle Barmen fielen dann innerhalb einer Stunde 80 Liter pro Quadratmeter — das ist ansonsten die Menge des gesamten Monats Mai“, sagt Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbandes. Das Unwetter war örtlich auf Elberfeld und Barmen begrenzt, an der Messstelle Buchenhofen im äußeren Westen der Stadt fielen nur fünf Liter pro Quadratmeter. „Bei einer solchen Wetterlage kann die Regulierung der Wupper durch die Talsperren im oberen Verlauf nur wenig bewirken. Diese Lage ist nicht vergleichbar mit einem winterlichen Dauerregen“, so Susanne Fischer.

Die ganze Nacht über war die Berufsfeuerwehr mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren, des THW und von Feuerwehrleuten aus ganz NRW im Einsatz, um Gefahrenstellen zu beseitigen und Keller leer zu pumpen.

Eine schlaflose Nacht war es auch für viele Geschäftsleute und Gastronomen in Elberfeld und Barmen, die alles daran setzten, um am nächsten Tag wieder ihre Geschäfte, Cafés und Restaurants eröffnen zu können — was auch in vielen Fällen gelang. Doch das täuscht darüber hinweg, dass der Schaden enorm ist. In den überfluteten Kellern verdarben Lebensmittel und Waren, technische Geräte wurden zerstört. In der Barmer und Elberfelder Fußgängerzone dürften die Schäden in die Millionen gehen. Bei betroffenen Privatwohnungen kommt der Verlust ideeller Werte hinzu. Nicht alles, was im Wasser unterging, ist durch Geld zu ersetzen.