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Interview: „Wuppertal ist für mich kein Orientierungspunkt“

Interview : „Wuppertal ist für mich kein Orientierungspunkt“

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz setzt auf die Bergische Region.

Wuppertal. Partnerschaft oder Wettbewerb? Kooperation oder Konkurrenz? Wie sehen die Oberbürgermeister der drei Bergischen Städte das Verhältnis zueinander vor dem Hintergrund des Streits um Outlet-Center in Remscheid und Wuppertal? Wo ist Zusammenarbeit noch möglich, wo geht sie zu weit? Heute beantwortet Remscheids Wuppertaler Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (58, SPD) diese Fragen. In den nächsten Tagen folgen Solingens scheidender Stadtchef Norbert Feith (56, CDU) und Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (60, CDU).

Herr Mast-Weisz, was ist Wuppertal für Sie?

Mast-Weisz: Eine Nachbarstadt, größer als Remscheid, mit der es Berührungspunkte gibt. Aber keine Stadt, von der ich sagen würde, dass sie durch ihre Größe einflussreicher wäre. Sie ist ein Partner.

Welche Rolle leitet sich daraus für Solingen ab?

Mast-Weisz: Ähnlich groß wie Remscheid, ist Solingen auch ein Partner, mit dem wir aus einer Eigenständigkeit heraus einen gemeinsamen Weg gehen, wo es allen nutzt. Aber ich sage auch: In Wuppertal und Solingen entstehen die zweitwichtigsten Arbeitsplätze. Die wichtigsten für mich entstehen immer in Remscheid.

Nehmen die anderen Städte das auch so wahr wie Sie?

Mast-Weisz: Von wenigen Beispielen abgesehen, ja. Wuppertal will seine Rolle als Oberzentrum definieren. Da kann es Dissens geben. Grundsätzlich werden Eigeninteressen in den Städten stärker gewichtet. Wir sind die kleinste bergische Großstadt. Aber unser Selbstvertrauen machen wir nicht von der Einwohnerzahl abhängig.

Also hat Wuppertal auch nicht mehr Gewicht als Remscheid.

Mast-Weisz: Ja. Auch Wuppertal muss sich darüber im Klaren sein, dass wir mit Blick auf regionale Förderung in Europa gemeinsam wahrgenommen werden.

Wie können Wuppertal und Solingen denn von Remscheid profitieren?

Mast-Weisz: Wir können uns einbringen, in dem wir Dinge gemeinsam machen. Beim Servicecenter, beim Lebensmittel- und Veterinäramt, im Gesundheitswesen und in anderen Bereichen geschieht das doch schon. Wir sind ein unverzichtbares Glied in der bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Ich lebe sehr stark in dieser Region und kann dazu beitragen, sie für die Zukunft zu gestalten.

Wäre die Entwicklung nicht leichter, wenn Wuppertal die Rolle spielen könnte, die Düsseldorf für sein Umland spielt?

Mast-Weisz: So ist das Verhältnis der bergischen Städte zueinander doch gar nicht. Düsseldorf hat eine ganz andere Infrastruktur und einen Speckgürtel. Wir profitieren nicht vom Oberzentrum Wuppertal. Ich respektiere die Stadt zwar als größte Großstadt im Bergischen, aber nicht als Orientierungspunkt wie umliegende Städte das mit Düsseldorf tun.

Wo gibt es zwischen Remscheid, Soligen und Wuppertal noch unbestellte Felder der Zusammenarbeit?

Mast-Weisz: In der Informationstechnologie oder auch in der Gebäudewirtschaft sind noch Dinge möglich. Aber dem steht das Umsatzsteuerproblem noch entgegen. Für die gemeinsame Wahrnehmung nichthoheitlicher Dienstleistungen droht eine Umsatzsteuerpflicht. Solange dies nicht im Sinne der drei Städte geregelt ist, treten wir da noch ein bisschen auf der Stelle. Aber angeblich soll da von der Bundespolitik eine Lösung gefunden werden.

Gibt es für Sie Grenzen der Kooperation im Bergischen Städtedreieck?

Mast-Weisz: Grundsätzlich muss sich jede Stadt in einer Kooperation mit ihrem eigenen Profil wiederfinden. Was diese Frage angeht, beherrsche ich das Wort Ja genauso wie das Wort Nein.