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Wuppertal: Hühner helfen Demenzkranken

Gemarker Gemeindestift : Hühner helfen Demenzkranken

Im Gemarker Gemeindestift sollen sechs Hühner den Demenzkranken Bewohnern helfen, sich unter anderem an ihre Kindheit zu erinnern.

Zufrieden scharren und picken Uschi und Monika im Garten des Gemarker Gemeindestifts an der Hugostraße. Hier werden sechs Hühner die nächsten sechs Wochen bleiben. Anlaufstelle nicht nur für Bewohnerin Birgit Gosberg. Entspannt schaut sie ihnen zu. Sie zieht es immer wieder zu der gackernden Schar, denn sie liebt Tiere. „Früher haben wir auch einen Bauernhof gehabt mit vielen Tieren. Jetzt helfe ich hier beim Füttern, Versorgen und Säubern.“

Die Leiterin des Sozialdienstes, Ulrike Knüvener-Fromm, hatte die Idee zu den Leihhühnern. Im Herbst letzten Jahres wurde sie zum ersten Mal in die Tat umgesetzt. „Damals hatten wir aber fast nur Regen“, erinnert sie sich. „Jetzt sind die Tiere im Sommer bei uns.“ Sie hat beobachtet, dass der Platz vor dem Hühnergehege zum beliebten Treffpunkt der Bewohner avanciert ist. Es kommen auch diejenigen, die sonst nicht so oft ihre Zimmer verlassen und Kontakte suchen.

Tiere lassen Erinnerungen aus der Kindheit aufleben

Bei den Demenzkranken rufen die Tiere vielfach schöne Erinnerungen hervor, da viele von ihnen in Kindheit und Jugend auch Hühner gehalten haben. So werden sie auch zu Kontakthilfen für die Mitarbeiter. Sehr emotional geht es zum Teil bei der Begegnung zwischen Tier und Mensch zu. „Hühner kennen ja keinen Zeitdruck und Tagespensum, so wie wir oft“, schmunzelt Knüvener-Fromm. „Die Hühner strahlen Ruhe und Gelassenheit aus, die wir nicht immer im Alltag haben. Gleichzeitig sind sie vorbehaltlos und kontaktfreudig, lassen sich streicheln und auf den Arm nehmen.“

Die Chemie zwischen Mensch und Tier stimmt. Ihnen gelingt es, auf der passenden nonverbalen Ebene gerade demenzkranken Menschen zu begegnen und mit ihnen in Kontakt zu treten. „Das Wohl der Hühner ist allen unseren Bewohnern sehr wichtig“, so Knüvener-Fromm. Dieser haben ihre tierischen Gäste ins Herz geschlossen und ihnen Namen gegeben.

Im Stall legt die letzte Henne gerade ihr Ei, die anderen sind im Gehege aktiv. Mitten in der Hühnerschar befindet sich ein Amazonashuhn. „Es legt grüne Eier, in Anpassung an seine Umgebung.“ Der kleine Stall steht inzwischen auf einer Palette. „Der extreme Regen hat für nasse Füße bei den Tieren gesorgt. Aber mehr ist zum Glück nicht passiert.“

Überhaupt ist man im Gemeindestift sehr tierlieb. In den Bäumen tollen mehrere Eichhörnchen. „Die sind gut genährt, denn sie werden regelmäßig gefüttert.“ In der Voliere zwitschern die Kanarienvögel und regelmäßig kommt der Therapiehund einer Mitarbeiterin ins Haus. Eine ständige Hühnerhaltung ist, durch den benötigten Arbeitsaufwand, nicht in Planung. 

Bald werden die Hühner wieder abgeholt. Wiederholen will man das Projekt „Chicken on Tour“ im Gemeindestift aber auf jeden Fall und so die Ebene der Emotionen und sinnlichen Wahrnehmung den Bewohnern erneut eröffnen. Darauf freuen sich viele schon jetzt.