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Wuppertal hebt Parkgebühren an - Wie teuer ist Parken anderswo?

Analyse : Wuppertal hebt Parkgebühren an - Wie teuer ist Parken anderswo?

Wuppertal hat die Parkgebühren erhöht. Aber wie hoch sind sie in anderen Städten? Und wie sehr trifft das den Einzelhandel?

Wer in Wuppertals Stadtkernen parken will, zahlt jetzt mehr und länger. Statt 1,50 Euro pro Stunde zahlen Parker jetzt zwei Euro in den Kernbereichen. In den Außenbereichen der Innenstädte kostet es jetzt 1,50 Euro statt einem Euro pro Stunde. Tagestickets kosten jetzt acht oder sechs statt vier oder drei Euro.

Für Autofahrer ist das teuer. Und der Einzelhandel fürchtet um Kunden, die abwandern könnten. Aber wohin? Wie teuer ist das Parken (auf städtischen Flächen) denn anderswo in der Region?

Fangen wir groß an: Köln. Die Stadt am Rhein nimmt seit Anfang des Jahres in der Innenstadt und im Stadtteil Deutz vier Euro die Stunde statt zuvor drei Euro. In anderen Stadtteilen kostet das Parken zwei Euro pro Stunde statt 1,50 Euro.

Weiter am Rhein entlang, in Düsseldorf, kostet die Stunde 2,90 Euro in der Innenstadt, und 2,10 Euro drumherum. Aber die Stadt plant schon, die Gebühren zu erhöhen - auf ebenfalls vier Euro die Stunde im Zentrum. Und auf drei Euro in den zentrumsnahen Stadtteilen.

Am Niederrhein sind die Gebühren ähnlich wie in Wuppertal: Im öffentlichen Straßenraum in Krefeld kostet, je nach Standort, die Stunde zwischen einem und vier Euro, wobei die vier Euro pro Stunde eine Ausnahme vor der ehemaligen Hauptpost sind. Im Schnitt werden zwei Euro erhoben.

Wer zum Einkaufen an die Ruhr ausweichen will, könnte nach Essen fahren. Dort sind die Preise gestaffelt, aber wer bis zu einer Stunde bleiben will, zahlt 2,10 Euro im Kernbereich der Stadt, 1,20 Euro im erweiterten Citybereich. Mit etwas Fußweg oder Bahnfahrt kann man also beim Parken sparen.

In Bochum ist das auch so - dort kostet die Stunde in der Innenstadt 1,40 Euro - zuletzt wurde die Gebühr 2015 angehoben.

In Remscheid und Solingen
parkt man günstiger

In der direkten Nachbarschaft, in Solingen und Remscheid, ist Parken in der Innenstadt deutlich günstiger. In Solingen kostet die Stunde einen Euro – in Mitte, Gräfrath und Ohligs. In den umliegenden Quartieren kostet die Stunde 60 Cent. Zuletzt wurde die Gebühr 1993 angehoben.

In Remscheid gilt die Gebührenordnung von 1989, in der – auf Euro aktualisiert – steht, dass Parken pro angefangene fünf Minuten zehn Cent kostet – also 1,20 Euro pro Stunde.

 In Wuppertal wurde die Erhöhung der Gebühren mit erhöhtem Finanzbedarf für soziale und Kultureinrichtungen, Umweltschutz und Ordnungsdienst begründet – aber auch damit, dass die ÖPNV-Kosten jährlich stiegen, die Parkkosten aber nicht. So könne man die Kunden nicht zum Umdenken bewegen. Selbst der ADAC hielt die Erhöhung – die erste seit 2010 – für „noch akzeptabel“.

Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Rheinland, sieht die Erhöhung in Zeiten von Corona als „falsches Signal zur falschen Zeit“. Gerade jetzt kämen Kunden mit dem Auto, weil sie den ÖPNV meiden wollten, sagt er. Er sagt, man müsse die Kauflaune anheben – siehe Senkung der Mehrwertsteuer. Höhere Parkgebühren seien die falsche Richtung.

Wenn man Gebühren erhöhe, dann müsse man auch ein anderes Konzept für die Stadt entwickeln, sagt Engel – die Fahrradachsen ausbauen, Ladestationen für E-Bikes anbringen und die Händler mit einbeziehen. Die Händler müssten sich auf ein anderes Mobilitätsverhalten der Kunden einstellen, ist er sich bewusst. Aber der Weg jetzt biete keine alternativen Anreize.

Dabei gibt es Hinweise, dass Autofahrer nicht die Hauptkunden der Innenstädte sind. Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt (2015) beschreibt, dass 19 Prozent der Kunden in Elberfeld mit Autos kommen und 36 in Barmen. Martina Kürten von der Stadt sagt, die Zahlen seien nicht repräsentativ. Aber sie sind ein Indiz. Auch anderswo scheint das Verhalten der Kunden weniger Pkw-lastig zu sein als angenommen. Nach Umfragen aus England kommen zwei Drittel der Kunden aus der näheren Umgebung (unter 800 Meter) und nur etwa 30 Prozent der Kunden mit dem Auto – während Händler sowohl die Entfernung als auch die Anzahl der Autos weiter beziehungsweise höher einschätzen.

Engel entgegnet dem, dass der Kassenbon der Autofahrer aber länger sei. Aber auch dagegen gibt es Argumente: Laut einer Umfrage in mehreren Städten Frankreichs geben Autofahrer zwar mehr Geld pro Einkauf aus, aber Radfahrer, ÖPNV-Nutzer und Fußgänger kommen öfter – und führen so am Ende in der Statistik.

Es bleibt offen, ob in Wuppertal das Kaufverhalten an den Parkkosten hängt. Wer die Kosten auf städtischen Plätzen nicht zahlen will, kann ohnehin auch die Parkhäuser nutzen. Die kosten zwischen 1,80 und drei Euro je zwei Stunden.