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Wuppertal hat mehr Kita-Plätze, aber noch lange nicht genug

Betreuung : Wuppertal hat mehr Kita-Plätze — aber noch lange nicht genug

13 000 Kinder sollen zum August 2020 betreut werden können.

Fast 13 000 Kitaplätze soll es zum Start des Kitajahres am 1. August 2020 geben. So steht es in einer Vorlage für den Jugendhilfeausschusses am kommenden Dienstag. Das wären 802 mehr, als für August 2019 beantragt wurden. Die Zahlen stehen allerdings nur auf dem Papier. Den Kinder- und Jugendpolitikern im Rat macht vor allem der Personalmangel Sorgen.

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) stellt grundsätzlich fest: „Die Dynamik des Ausbaus hält weiter an.“ Daran arbeiteten Stadt und soziale Träger. Dilek Engin (SPD) lobt auch: „Mit dem Ausbau sind wir auf einem guten Weg.“ Aber Kühn räumt auch ein, dass die genannten Zahlen nur die Maximalzahlen sind, die die Stadt jetzt bis zum 15. März beim Land anmelden muss, um die entsprechenden Landesmittel zu erhalten. „Niemand kann garantieren, dass die Kitas dann fertig sind, eröffnen können und das nötige Personal gefunden ist.“ Darauf weist auch der Stadtverordnete Michael Hornung (CDU) hin: „Im laufenden Kitajahr 2019/20 gab es mehrere städtische Einrichtungen, die für sechs Gruppen gebaut wurden (somit 120 Kinder), tatsächlich aber nur mit zwei Gruppen (40 Kinder) betrieben werden.“ Er hat daher auch Zweifel an der in der Vorlage angekündigten Versorgungsquote von 45 Prozent der Kinder unter drei Jahren und 100 Prozent für Kinder über drei Jahren zum 1. August 2020. Es sei zu befürchten, dass die dafür nötigen Plätze dann „theoretisch baulich vorhanden sind und die Praxis aufgrund des Erziehermangels doch etwas anders aussieht“. Paul Ramette (Grüne) erklärt: „Ich freue mich über den Ausbau der städtischen Kitas.“ Zur Ehrlichkeit gehöre aber, dass die Stadt seit Jahren ein großes Personalproblem habe: „In 2019 waren 18 Stellen in Bestandseinrichtungen unbesetzt, neue Einrichtungen nicht eingerechnet“, rechnet er vor.

Ohne Fachpersonal werde aus dem Raumangebot kein Kitaplatz

Und Gabriele Röder (FDP) erinnert daran, dass dem Jugendhilfeausschuss zum Frühjahr 2019 17 offene Stellen in Bestandseinrichtungen und 27 offene Stellen in den neuen Kitas gemeldet wurden. Sie befürchtet, dass sich da nicht viel  geändert hat. „Ich werde im nächsten Ausschuss nachfragen“, kündigt sie an. 802 neue Plätze dürften nicht nur vom Raumangebot her gesehen werden. „Ohne Fachpersonal wird kein Kita-Platz daraus.“

Zudem reichen auch die Planzahlen nicht aus: Mit der im optimalen Fall erreichten Versorgung von 45 Prozent bei den Kindern unter drei Jahren hätte die Stadt ihr selbst gestecktes Ziel von 50 Prozent nicht erreicht. Und auch Stefan Kühn weiß: „Die Quote wird sicher bald auf 60 Prozent erhöht werden“, weil der Bedarf der Eltern steige. „Das ist wie bei Hase und Igel“, stellt Kühn damit zum wiederholten mal fest – die Stadt kommt mit dem Ausbau nicht hinter dem wachsenden Bedarf her.