Wuppertal hat 13 neue Stolpersteine

Wuppertal hat 13 neue Stolpersteine

Wuppertal. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt in ganz Europa Stolpersteine, um an die Opfer der NS-Zeit zu erinnern. Die Gedenktafeln aus Messing werden vor dem letzten bekannten Wohnort in den Gehweg eingesetzt, um den namenlosen Opfern wieder ein Gesicht zu geben.

Gestern wurden für die deportierten Wuppertaler Familien Karl Ursell und Hugo Israel, die Ehepaare Emil Hirschberg und Samuel Zuckermann sowie für Frau Fanny Kann und ihre Söhne in Elberfeld 13 neue Stolpersteine verlegt. Zum ersten Mal haben die Hinterbliebenen einer deportierten Familie in Wuppertalder Stolperstein Verlegung nicht zugestimmt. Sie wollen nicht, dass man über dieGedenkstätte ihrer Verwandten läuft und sie damit symbolisch erneut in eineunterdrückte Position bringt.

Der Verein Stolpersteine für Wuppertal unterstützt dieses Projekt seit einigen Jahren und hat bei der Verlegung die Biographien der Opfer, soweit diese rekonstruiert werden konnten, verlesen.

In der Hellerstraße 11 wurden drei Stolpersteine für Karl Ursell (geb.19.05.1877 in Attendorn), seine Ehefrau Helene Paula Ursell geb. Neuwahl (geb.26.11.1880 in Gelsenkirchen) und ihre Tochter Hella Inge Ursell (geb. 03.03.1919in Attendorn) verlegt. Das Ehepaar Ursell hat zunächst ein Kaffee-Restaurantmit Pension betrieben und diese später als jüdische Gaststätte in der heutigenNeumarktstraße weitergeführt. Am 21.07.1942 wurden Karl undHelene PaulaUrsell verhaftet und gemeinsam nach Theresienstadt deportiert. Dort starb KarlUrsell am 30.10.1942. Helene Paula Ursell wurde 1944 nach Auschwitz gebracht unddort ermordet. Ihr Tochter Hella Inge wurde bereits1941 über Düsseldorfnach Minsk deportiert, wo sich ihre Spuren verlieren.

In der KleinenKlotzbahn 12 wurde drei Stolpersteine für Hugo Israel (geb. 29.06.1891 inLangenberg), seine Ehefrau Hedwig Israel geb. Baruch (geb. vermutlich 1890 inBerlin) und ihre Tochter Eva Regina Israel(geb. 04.04.1927 in Elberfeld)verlegt. Vor der gemeinsamen Deportierung mit seiner Frau am 20.07.1942 nachTheresienstadt arbeitet Hugo Israel als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei. HedwigIsrael führte in ihremWohnhaus eine Schreibstube mit Bürobedarf. Nach demAbtransport von Eva Regina Israel am 21.04.1942 ist sie in dem DurchgangslagerIzbica südlich von Lublin/Polen verschollen.

Vier Stolpersteine wurden in derLuisenstraße 124 für Emil Hirschberg (geb. 12.10.1893 in Zwesten) und seineEhefrau Henriette Hirschberg geb. Kampf (geb. 07.05.1896 in Elberfeld) sowie fürSamuel Zuckermann(geb. 01.10.1878 in Opole/Polen) und seine Ehefrau SophieZuckermann geb. Maus (geb. 28.02.1885 in Lublin/Polen) verlegt.EmilHirschberg war als Drucker, Handwerker und Vertreter mit Wandergewerbescheintätig. Das Ehepaar Hirschberg wurde am 09.11.1941 über Düsseldorf nach Minskdeportiert und dort ermordet.

Das Ehepaar Zuckermann lebte bis 1905 inRussland und floh vor den Judenprogromen nach Elberfeld. Dort betrieb er eineigenes Geschäft für Nähmaschienenhandel. Samuel Zuckermann wurdeam07.05.1942 aus dem Vernichtungslager Chelmno an einen unbekannten Ortverschleppt und dort ermordet. Sophie Zuckermann war bereits 1936 nachFrankreich emigriert von dort allerdings im Juli 1942 nach AuschwitzzurErmordung gebracht.

Die letzten drei Stolpersteine wurden an der von derThann Straße 1 für die Witwe Fanny Kann (geb. 01.11.1864 in Kamin) und ihreSöhne Alfred Kann (geb. 10.09.1890 in Elberfeld) und Helmut Kann (geb.06.02.1902 in Elberfeld)verlegt. Fanny Kann war Miteigentümerin derBettfedern-Fabrik ihres Mannes. Sie wurde 1942 nach Theresienstadt deportiet undverstarb dort noch im gleichen Jahr. Die Brüder Alfred und Helmut Kann wurde imNovember 1941vom Steinbecker Bahnhof aus über Düsseldorf nach Minskdeportiert, zwei Jahre später sind beide dort verstorben. kaz