Wuppertal fehlt Personal für Inklusion

Wuppertal fehlt Personal für Inklusion

Stadt Wuppertal und GEW fordern vom Land NRW volle Übernahme der Inklusionskosten

Wuppertal. Die Klage von 52 Städten und Gemeinden gegen das Land NRW zur Inklusion ist unzulässig. Das hat das Verfassungsgerichtshof in Münster gestern beschlossen. Der Grund: die Klage richte sich gegen das falsche Gesetz.

Die Begründung entlockt Helga Krüger von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Wuppertal (GEW) nur ein bitteres Lachen. Sie kennt die Situation an vielen Grund- und Hauptschulen in Wuppertal. Es sei Alltag, dass sich ein Lehrer allein um fünf bis sechs Kinder mit Förderbedarf kümmern muss. „Der Lehrer muss gucken, wie er damit klarkommt“, sagt Helga Krüger. Kosten für Inklusion steigen jährlich um 20 Prozent

In den meisten Fällen seien die Pädagogen überfordert, weil die Schüler verschiedene Förderbedarfe hätten. Nach ihren Angaben fehlen 7000 Stellen für Sonderpädagogen. Sie fordert, dass das Land Nordrhein-Westfalen mehr Geld für Inklusionshelfer zur Verfügung stellt. „Bildung kostet Geld! Das ist eine Priorität, die jetzt endlich mal gesetzt werden muss.“

Die Forderung nach mehr Geld für das gemeinsame Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten unterstützt auch Johannes Slawig. Der Stadtkämmerer der Stadt Wuppertal verweist auf Kosten in Höhe von sechs Millionen Euro für das Jahr 2016 für die Inklusionshelfer an Wuppertaler Schulen. Das sind knapp eine Million Euro mehr als im Vorjahr. „Pro Jahr erwarten wir eine Steigerung von zwanzig Prozent“, sagt Johannes Slawig. Im Jahr 2021 rechnet die Stadt mit 4,4 Millionen Euro zusätzlich für die Inklusion an Schulen. Der Grund: Immer mehr Eltern wünschen sich den gemeinsamen Unterricht an Regelschulen. Außerdem stiegen die Kosten für Personal sowie bauliche Veränderungen an Schulgebäuden.

Nach Ablehnung der Klage vor dem Verfassungsgerichtshof setzt Johannes Slawig auf eine politische Lösung. „Ich kann das Land nur warnen, zu glauben, damit sei das Thema erledigt“, betont er. Sonst sei der Haushaltsausgleich in Gefahr. „Die Mehrkosten, die durch die Inklusion entstehen, können an anderer Stelle nicht eingespart werden“.

Stefan Kühn, Sozialdezernent der Stadt Wuppertal, befürwortet trotz der hohen Kosten ausdrücklich die Inklusion: „Wir haben viel zu lange Kinder mit einer Behinderung ausschließlich an Förderschulen beschult.“ Für ihn sei wichtig, dass Eltern die Wahlfreiheit hätten.

Als Mitglied des Städtetags NRW hat Wuppertal bereits Gesprächsbedarf beim Land angemeldet. „Wir fordern den vollen Kostenausgleich“, so der Sozialdezernent. „Jetzt liegt der Ball bei der Landesregierung.“