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Wuppertal fehlen 13 Kindergärten

Wuppertal fehlen 13 Kindergärten

Trotz neuer Einrichtungen kann die Stadt die Betreuungsquote von 2016 nur halten, nicht steigern. Grund: Die Zahl der Kinder wächst.

Wuppertal. Nicht nur für i-Dötzchen beginnt in diesen Tagen ein neuer Lebensabschnitt, sondern auch für die Kinder, die ab jetzt eine Kita besuchen. Zum 1. August sind das rund 3400 Kinder. Damit besuchen etwa 10 700 Kinder derzeit eine Kita — 400 mehr als vor einem Jahr. Doch noch immer kommen nicht alle Kinder unter, deren Eltern sich das wünschen, insbesondere für Kinder unter drei Jahren fehlen Plätze. Im Vergleich der 20 größten Städte in NRW befindet sich Wuppertal nach einem Bericht des WDR damit im Schlussdrittel der Tabelle.

31 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden in Kitas oder bei Tageseltern betreut, von den Kindern zwischen drei und sechs Jahren sind es 98 Prozent. Die Quoten entsprechen denen vom Vorjahr, obwohl an vielen Stellen der Stadt neue Kitas entstehen. „Das ist wie bei Hase und Igel“, erklärt Cornelia Weidenbruch, Leiterin des Stadtbetriebs Tageseinrichtungen für Kinder.

Dass die Aufholjagd so schwierig ist, liegt laut Stadt einerseits an der steigenden Zahl der Kinder im Tal: Zählte die Statistik Ende 2016 noch 10 218 Kinder unter drei Jahren in der Stadt, sind es zum 30. Juni 10 496 — 278 mehr. Gleichzeitig verändert sich die Einstellung zur Betreuung von kleineren Kindern.

Bei der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr im Jahr 2013 ging man davon aus, dass man für 35 Prozent der Kinder unter drei eine Betreuung einrichten muss. Doch immer mehr Eltern wollen ihre kleinen Kinder betreuen lassen. Später setzte sich Wuppertal eine Quote von 40 Prozent der Kinder unter drei zum Ziel, im Juli hat der Jugendhilfeausschuss im neuen Bedarfsplan für die Kinderbetreuung eine Quote von 50 Prozent beschlossen. Und das reicht auch noch nicht, denn eine Eltern-Befragung im vergangenen Jahr hat ergeben, dass 55 Prozent davon eine Betreuung wünschen.

Um den Bedarf zu decken, sind noch 13 weitere Kitas à sechs Gruppen notwendig. Für das aktuelle Kitajahr rechnet Cornelia Weidenbruch mit rund 200 weiteren Plätzen.

Auch bei der Länge der Betreuung hat sich viel verändert. Die einst übliche Halbtagsbetreuung gibt es kaum noch — bei weniger als zehn Kindern hätten die Eltern die Menge von 25 Stunden pro Woche gewählt, sagt Weidenbruch. In rund 60 Prozent der Fälle buchten Eltern demnach 35 Stunden, 45 Stunden in der Woche wählten rund 40 Prozent. Nach einer Umfrage des Deutschen Jugendinstitutes an der Universität Dortmund 2014 wollten 23 Prozent der Befragten weniger als 20 Stunden.

Für „unzeitgemäß“ hält auch Thomas Bartsch, Geschäftsführer der Diakonie Wuppertal Evangelischen. Kindertagesstätten gGmbH, die kurzen Kitazeiten. Er verweist darauf, dass Kitas „eine hervorragende Eingliederungsmöglichkeit“ darstellten, insbesondere für Kinder aus schwierigen Verhältnissen und solche, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Deshalb hält er es auch für richtig, dass von den 1200 Plätzen der von der Diakonie getragenen Kitas 54 Prozent die volle Stundenzahl von 45 Stunden pro Woche umfasse: „Je länger ein Kind in der Kita ist, desto mehr kann es mitnehmen.“

Er erinnert daran, dass die Diakonie gern am Ausbau der Betreuung mitarbeiten würde — es gebe auch einige geeignete Grundstücke. Doch dafür wünsche man sich mehr Unterstützung von der Stadt. Die Übernahme des Trägeranteils gestalte sich schwierig.

Cornelia Weidenbruch freut sich, dass Politik und Verwaltung inzwischen die Notwendigkeit des Kita-Ausbaus erkannt haben und sich dafür engagieren. Sie richtet nun an das Land den Appell, die Ausbildung von Erzieherinnen entsprechend auszubauen.