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Wuppertal: Färberei feiert 25. Geburtstag mit einem bunten Festakt

Jubiläum : Färberei feiert ihren 25. Geburtstag mit einem bunten Festakt

Der Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderung ist heute eine wichtige Institution.

Auf der Bühne stehen zwei Sessel, aber nur einer ist besetzt. Darin sitzt Ellen Dieball, als „Urgestein“ der Färberei angekündigt. Die psychologische Beraterin erzählt von den Anfängen der Einrichtung mit Peter Hansen, für den der zweite Sessel frei bleibt: Die Initiator und Motor der Färberei ist vor sechs Jahren gestorben. „Schade, dass du nicht dabei bist“, sagte Ellen Dieball. In der Färberei gelinge tatsächlich, was sie damals aufbauen wollten: Begegnung von behinderten und nicht behinderten Menschen auf Augenhöhe, der Abbau von Vorurteilen und Barrieren. „Das passiert hier seit 25 Jahren. Das ist uns total gut gelungen.“

Das bestätigte das Publikum im voll besetzten Veranstaltungssaal mit viel Applaus. Hier feierte die Färberei am Freitag ihren Geburtstag mit einem Reigen aus Glückwünschen, Rückblicken, mit einer Präsentation der Arbeit, mit Musik der Band Udos Friend und von Roswitha Dasch, mit launigen Kommentaren von Dörte aus Heckinghausen sowie Mitmach-Einlagen von Performer Roland Brus.

Publikum wurde Teil
der Kulturbaustelle

Der lockte die Gäste auf den Vorplatz, wo sie die Teil der „Kulturbaustelle“ mit Flatterband, Sandhaufen und Opernarien von Julia Reznik wurden: Jeder war aufgefordert, auf dem ausgerollten roten Teppich zu wandeln und einige vorgedruckte Sätze vorzulesen, die Roland Brus zuvor Passantinnen und Passanten zu den Themen „Was schaffe ich?“ und „Was schafft mich?“ entlockt hatte. Die Aussagen reichten von „Ich schaffe die Berge“ über „Ich schaffe gar nichts oder doch? Ich pflege meine Eltern“ bis „Mich schafft ein Fahrkarten-Automat“.

Das Bild der Baustelle griff auch Sozialdezernent Stefan Kühn auf, der für seine Ansprache auf die Baustellenleiter stieg: „Seit 25 Jahren wird hier gebaut und es geht weiter.“ Denn Inklusion, aber auch Kunst und Kultur seien eben nie fertig. Er lobte: „Hier wird Solidarität gelebt.“

Zuvor hatte im Saal schon Oberbürgermeister Andreas Mucke zum Geburtstag gratuliert. Er lobte die Färberei als „Haus der Menschlichkeit und Begegnung“. Oberbarmens Bezirksbürgermeisterin Christel Simon betonte die Verbundenheit der Bezirksvertretung mit der Färberei, wo das Stadtteilgremium seit 25 Jahren tagt. Ebenfalls auf 25 Jahre blickte Jürgen Krefting von der IGSB zurück, denn die „Interessengemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen“ gründete sich zum gleichen Zeitpunkt.

Auf das Wachstum der Färberei und das „Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben“ in Düsseldorf, das die Färberei mitgegründet hat, verwies der SPD-Landtagsabgeordnete Josef Neumann. Färberei-Leiterin Iris Colsmann stellte die Arbeit dieses Zentrums vor, das Wissen aus der praktischen Arbeit an andere Institutionen weiter gibt, aber natürlich auch die Arbeit in Wuppertal: vom Treffpunkt für Selbsthilfegruppen und Stadtteilgremien, Ort für Kultur von Konzerten bis zu Ausstellungen bis zur Beratung für Menschen mit Behinderung. Dazu kommt die Dependance auf dem Bob-Campus mit Migrantenselbsthilfe-Vereinen.

„Das Kind ist erwachsen geworden“, fand Ellen Dieball. Sie ließ die drei Jahre vor der Eröffnung der Färberei Revue passieren: Begonnen hatte die Gruppe um Peter Hansen in einem Ladenlokal am Höchsten, dann stand die ehemalige Färberei in Aussicht, musste aber umgebaut werden. Sie und Peter Hansen seien als Geschäftsführer-Team in die Baustelle eingezogen und hätten dem Bauleiter ungeduldig auf den Füßen gestanden.

Der Zauber des Projektes sei, dass sie ihre Idee „mit ganz viel Spaß und Leidenschaft in die Tat umgesetzt“ hätten. „Und zu sehen, dass diese immer noch so lebendig und kraftvoll ist.“ Sie dankte dafür allen Mitarbeitern vom Hausmeister bis zur Beraterin und Leiterin Iris Colsmann, die vor sechs Jahren Nachfolgerin von Peter Hansen wurde.