Wuppertal: Elterntaxis machen Probleme

Schule : Elterntaxis: So schlimm ist die Situation in Wuppertal

Schulleiter und Eltern beklagen die Situation an der Grundschule in Uellendahl. Modellprojekte und Versuche der Stadt die Lage zu entschärfen laufen ins Leere.

Es ist ein mittleres Verkehrschaos, das sich an Schultagen jeden Morgen an der Kruppstraße in Uellendahl/Katernberg abspielt, berichten Ortskundige. Trotz enger Straßen, Baustelle und neu eingerichteter Haltebuchten im weiteren Umfeld der Grundschule versuchten immer noch viele Eltern, ihre Kinder bis vors Schultor von Grund- oder Gesamtschule zu fahren, sagt Holger Schwaner, Leiter der Grundschule Kruppstraße. Die Grundschüler müssten zudem direkt neben der Bushaltestelle bei sehr schlechter Sicht die Straße überqueren, ergänzt Jens Leven, Vater einer Grundschülerin. Die Verkehrssituation auf der Kruppstraße zwischen Katernberger Schulweg und Borsigstraße sei „kritisch“, so Leven.

„Und die Situation wird zunehmend schlimmer“, sagt Schulleiter Holger Schwaner. Denn in drei Jahren sollen statt derzeit insgesamt 1000 sogar 1400 Schüler beide Schulen besuchen. „Es fehlt ein planerisches Gesamtkonzept für den Verkehrsbereich“, kritisiert Leven.

Dabei hat die Stadt genau dort vor knapp zwei Jahren ein Modellprojekt mit neuen Hol- und Bringzonen eingerichtet. In drei Zonen, die jeweils 250 bis 300 Meter von der Schule entfernt sind, wurden Schilder aufgestellt, dass dort Autofahrer halten können, um Schulkinder abzusetzen. Grundschüler schrieben Begründungsbriefe und Bilder und verteilten diese an Anwohner, um die Akzeptanz der Zonen zu erhöhen. Im direkten Schulumfeld wurden die Halteverbote ausgedehnt.

Baustelle der neuen Grundschule wird zum Problem

Ein Projekt, das zwar zu einer gewissen Entlastung geführt habe, doch mangelhaft umgesetzt worden sei, sagt Vater Jens Leven. Sein Verkehrsplanungsbüro wurde mit der Auswertung des Projekts beauftragt, hielt zahlreiche Mängel fest und machte Verbesserungsvorschläge. Die schlechte Sicht an der Straßenüberquerung neben der Bushaltestelle könne durch ein Auseinanderziehen von Querung und Haltestelle erreicht werden, so Leven. Schulleiter Holgar Schwaner fordert einen Zebrastreifen vor der Grundschule. Die Kruppstraße könnte im Bereich der beiden Schulen zur Einbahnstraße werden, so Leven.

Besonders verschlimmert habe sich die Situation durch die Baustelle für den Neubau der Grundschule, sagt er. In dieser Gesamtsituation „wird die eigentlich so wertgeschätzte Hol- und Bringzone gar nicht mehr so richtig genutzt“, sagt Schwaner.

Auch an anderen Schulen gebe es ähnliche Probleme, sagt eine Fachberaterin aus dem eigens eingerichteten „Achtung-Kinder-Team“, in dem Vertreter von Stadt, Polizei, ADFC, Kinderschutzbund und Fachberater sitzen. Der Bedarf an Hol- und Bringzonen sei sehr groß, habe eine aufwändige Evaluation an Wuppertaler Grundschulen ergeben. Doch eine Reaktion von Stadtverwaltung und Politik lasse auf sich warten. „Ich sehe keine Motivation bei Stadt und Politik, das Problem zu lösen“, sagt Leven. Ähnlich sieht es die Fachberaterin: „Es ist schade, dass das nicht umgesetzt wird.“

Aktionen des Ordnungsdienstes gewünscht

Die Stadtverwaltung hat das Thema unterdessen schon zu den Akten gelegt. Im Verkehrsausschuss im vergangenen Juni hatten laut Protokoll Sedat Ugurman (SPD) und Hans-Jörg Herhausen (CDU) auf die verschlechterte Verkehrssituation durch „Elterntaxis“ an der Kruppstraße trotz der Hol- und Bringzonen hingewiesen.

In Anbetracht der hohen Kosten und des hohen individuellen Aufwands sollten keine weiteren Versuche gestartet und der laufende Versuch beendet werden, hatten sie gefordert. Stattdessen sollten konzentrierte und vor allem nachhaltige Aktionen des Ordnungsdienstes durchgeführt werden. Das Ziel des Modellversuchs sei also gescheitert, sagt Stadtsprecherin Martina Eckermann.

„Zur Zeit, auch mit Blick auf das deutliche Votum aus dem Verkehrsausschuss, gibt es daher keine Aktivitäten für weitere Versuche“, ergänzt sie. In Bezug auf die aktuellen Probleme an der Kruppstraße sagt sie: „Natürlich ist die Verwaltung immer zur Mitwirkung an weiteren Gesprächen bereit und wird alle Vorschläge daraufhin überprüfen, ob sie die Schulwegsicherheit erhöhen können.“

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