Wuppertal: Eltern kritisieren Ausfall in Betreuung wegen Krankheit

Kindertagesstätten : Eltern kritisieren Ausfall in Betreuung wegen Krankheit

Kinder mussten zu Hause bleiben. Diakonie sagt, ihr seien die Hände gebunden.

„Es ist jetzt das erste Mal seit den Herbstferien, dass wieder alle Kinder betreut werden“, seufzt eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. In den letzten Wochen hätten sie und andere Eltern täglich neu um die Betreuung kämpfen müssen – entweder möglichst früh an der Kita sein oder eine andere Möglichkeit finden. Denn in der Evangelischen Kita Lessingstraße fehlte Personal, es konnten nicht mehr alle Kinder betreut werden.

Eigentlich bringe sie ihr Kind erst gegen 9 Uhr in die Kita, in der schwierigen Zeit habe sie versucht, um 7.30 Uhr da zu sein. „Sonst bekommt man gesagt ,Es ist schon alles voll’“, berichtet die Mutter. Sie und ihr Mann seien berufstätig, bräuchten eine Betreuung. Mal habe sie ihr Kind mit zur Arbeit genommen, mal die Oma um Hilfe gebeten – die könne aber nicht spontan kommen und falle als Option aus, wenn morgens um 8 Uhr die Nachricht komme, dass die Kita wieder die Betreuungsplätze reduzieren muss.

Sie macht der Diakonie Vorwürfe: „Da wird wenig getan. Das hängt alles an uns Eltern.“ Jetzt hätten sie sich untereinander organisiert, zum Teil würden Kinder nur stundenweise in die Kita geschickt, damit andere Kinder später den Platz übernehmen können.

Marion Grünhage, Geschäftsführerin der Diakonie Wuppertal Evangelische Kindertagesstätten gGmbH, bestätigt, dass es in der Kita Lessingstraße eng war mit dem Personal. „Seit dem 29. Oktober hatten wir 13 Tage, an denen nur eine reduzierte Anzahl von Kindern betreut wurde.“ Sie verweist auf die gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel – der berücksichtige Ausfälle durch Krankheit leider nicht.

Diakonie: 25 Prozent mehr
Personal wäre nötig

Die Kita Lessingstraße hat zwei Gruppen, dort arbeiten fünf Erzieherinnen, eine Auszubildende im Anerkennungsjahr und eine Leiterin – die gleichzeitig auch eine weitere Kita leitet und aktuell auch krank ist. „Wenn dort zwei Leute fehlen, muss die Kinderzahl ebenfalls auf zwei Drittel reduziert werden“, erklärt Marion Grünhage. Nach Angaben der Mutter sind schließlich nur noch zwei Erzieherinnen anwesend gewesen, dann sei endlich ein Springer dazu gekommen. Marion Grünhage berichtet, den hätten sie auf einer Fachtagung für den spontanen Einsatz gewinnen können.

Personal zu finden sei aktuell sehr schwer: „Das beschäftigt uns jeden Tag.“ Sie sprächen Erzieherinnen in Elternzeit an, arbeiteten mit einem Zeitarbeitsunternehmen zusammen. Leider träfen Krankheiten oft mehrere Kollegen gleichzeitig. Dann könnten sie die Lücken nicht mehr füllen. „Das ist so. In Krankenhäusern müssen auch Stationen geschlossen werden.“

Dabei habe sie Verständnis für den Ärger der Eltern: „Es entsteht Druck für die Eltern.“ Grundsätzlich würden die Eltern aber informiert, dass eine solche Situation eintreten könne und das Vorgehen in einem solchen Fall werde mit dem jeweiligen Elternrat der Kita abgestimmt.

Leider berücksichtige auch das neue Kibiz (Kinderbildungsgesetz), das gerade im Landtag verabschiedet wurde, das Personalproblem nicht ausreichend. Sie sagt, man brauche etwas 25 Prozent mehr Mitarbeiter, um alle Ausfälle auszugleichen. Aber die Politik habe die Entscheidung getroffen, auch das zweite Kita-Jahr beitragsfrei zu stellen.

Michael Neumann, Leiter des Stadtbetriebs Tageseinrichtungen für Kinder, sagt, dass eine Gruppenreduzierung bei städtischen Kitas sehr selten sei. Er hat Zahlen für das Jahr 2017, da habe es an 75 Tagen Einschränkungen in der Betreuung gegeben – das entspreche einem Prozentsatz von 0,5 Prozent aller Betreuungstage in allen Einrichtungen. „Das ist auch nicht nennenswert gestiegen“, versichert er.

Um Ausfälle zu vermeiden, gebe es Vertretungen in der Kita, eigene Vertretungskräfte in großen Einrichtungen, zudem insgesamt 16 Vertretungskräfte in der ganzen Stadt. Die Stadt hat jedoch mit rund 850 Mitarbeitern in allen Einrichtungen einen größeren Personalpool als die Diakonie, die insgesamt 247 Menschen in Kitas beschäftigt.

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