Wuppertal Elberfeld und die Zukunft der Gathe

Stadtentwicklung : Leerstand Gathe: Neue Ideen sind gefragt

Insbesondere im nödlichen Bereich gibt es viele geschlossene Ladenlokale.

Zugehängte Schaufenster, verschlossene Eingänge und leere Ladenlokale in teils renovierungsbedürftigen Gebäuden: Der nördliche Teil der Gathe ist zurzeit von besonders viel Leerstand gekennzeichnet, und nicht nur Anwohner und Nachbarn haben den Eindruck, dass dieser Bereich für die Ansiedlung von klassischem Einzelhandel kaum mehr eine Option zu sein scheint.

Einzelhandelsverband: Zu viele Flächen, zu viel Leerstand

Nach Ansicht des Handelsverbands NRW Rheinland ist der Leerstand der Ladenlokale nicht nur an der Gathe ein Ergebnis von Fehlplanung: „Insbesondere auch in Elberfeld haben wir das Problem, dass es einfach zu viele Flächen gibt“, sagt Geschäftsführer Ralf Engel. Die jetzige Situation sei der Entwicklung der vergangenen 30 Jahre geschuldet, in denen man zum Beispiel auch das Einkaufszentren Wicküler-Park außerhalb der Zentren errichtet habe oder „Großflächen- Phantasien“ wie zuletzt am Döppersberg in die falsche Richtung geführt hätten. „In Elberfeld gibt es 13000 Quadratmeter Leerstand, und je weiter man sich aus dem Kernbereich Post- oder Herzogstraße, wegbewegt, desto schwieriger wird es, Einzelhandel anzusiedeln“, so Engel. Weswegen man aktiv über alternative Konzepte und Ideen für Nachfolge- oder Zwischennutzungen nachdenken müsse.

„Es ist Zeit für neue Ideen“, sagt auch einer, der das Viertel täglich im Blick hat: Joachim Heiß vom Bildungs- und Begegnungszentrum Alte Feuerwache. Er sieht in den leeren Räumen eine mögliche Chance: „Wir brauchen für unsere Angebote dringend mehr Platz“, sagt Heiß, der sich vorstellen könnte, Sprach- und Betreuungsangebote der Alten Feuerwache, „die bei uns aus allen Nähten platzen“, in alternativen Räumen unterzubringen.

Wenn die sich dann auch noch in der direkten Nachbarschaft fänden, „wäre das natürlich ideal“. Momentan ist das noch Zukunftsmusik, aber trotz vieler offener Punkte - wie zum Beispiel der Finanzierung - ein Gedankenansatz.   Dem gegenwärtigen Stillstand auf der nördlichen Gathe kann Heiß aber auch „einen positiven Nebeneffekt“ abgewinnen: Den nämlich, dass es durch weniger Lokale, Spielhallen und teils kritisch zu sehende Treffpunkte wie im Bereich weiter stadteinwärts „dort auch weniger Konfliktpotenzial  gibt“.

Bei der Wuppertaler Wirtschaftsförderung setzt man in Sachen Gathe auf „positive Impulse durch andere städtebauliche Projekte“ in der Nachbarschaft, wie Marco Tienes erläutert. Insbesondere die Reaktivierung der Rathaus-Galerie, eine Belebung des Karlplatzes, die Pläne rund um den nahen Mirker Bahnhof oder den Platz am Kolk könnten mit ihrer Strahlkraft auch auf der Gathe zu positiven Effekten führen. Gerade der Mirker Bahnhof sei „ein spannendes Areal, das für alternative Stadtentwicklung steht“, so Tienes. Und mit ihm würden als wichtige Verbindungsachse ja Neue Friedrichstraße und Friedrichstraße entwickelt  -  die streckenweise parallel zur Gathe verlaufen.

Aus Sicht von Haus und Grund ist die Vermietungs-Situation an der Gathe auch deshalb problematisch, weil es sich um eine vielbefahrene Hauptverkehrsstraße handelt, die als Standort weniger attraktiv sei als Fußgängerzonen. „Viele Gebäude wirken sanierungsbedürftig“, sagt Michael Koch-Kohlstadt von Haus und Grund in Elberfeld, der die Gegend gut kennt. Einige scheinen zudem bis auf die Erdgeschosse leer zu stehen: „Wenn ein Objekt erst einmal so weit heruntergekommen ist, dass man gerade nur noch das Nötigste finanzieren kann, dann ist es schwierig, geeignete Mieter zu finden.“