Literatur Wuppertal: Ein Lesefestival rund um das Thema Heimat

Wuppertal · Bei der dritten Langlese gibt es wieder Lesungen und Diskussionen in Kirchen, Geschäften und an ungewöhnlichen Orten.

Bezirksbürgermeister Andreas Bialas und Margret Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins Langerfeld, organisieren das Festival.

Bezirksbürgermeister Andreas Bialas und Margret Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins Langerfeld, organisieren das Festival.

Foto: Anna Schwartz

Zum dritten Mal findet in diesem Jahr in Langerfeld die sogenannte Langlese statt. Im November 2018 war man im Osten der Stadt mit dem ersten Lesefestival am Start, das nun im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden sollte. 2020 verhinderte Corona allerdings eine Neuauflage. Mit der Hoffnung auf ein baldiges Eindämmen der Pandemie, wurde für das kommende Jahr geplant und im Sommer 2021 fand die nächste Langlese statt. Pandemiekonform präsentierte man die Veranstaltungen im Freien und im Streaming-Format.

Das Thema soll sich
bewusst weit fassen lassen

„Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr wieder in Präsenz starten können“, so die Mitorganisatoren Margret Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins Langerfeld und Andreas Bialas, Bezirksbürgermeister von Langerfeld. Drei Wochen lang, vom 29. Oktober bis zum 19. November, wird in unterschiedlichen Veranstaltungen an wechselnden Orten nicht nur unterhalten, sondern auch zum Diskutieren und Nachdenken angeregt. Es ist eine Mischung aus regionalen und überregionalen Autoren, Vorlesern, Gesprächspartnern und Musikern mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Das diesjährige Motto, das als verbindendes Element über der Reihe steht, lautet „Bunte Heimat“.

„Nach ‚Gegen Gewalt‘ und ‚Liebe.Arbeit‘ haben wir wieder ein relevantes gesellschaftskritisches Thema ausgesucht“, erklärt Bialas. Bewusst wurde der Titel so gewählt, dass sich das Thema weit fassen lässt. Der Begriff Heimat in seiner ganzen Bedeutung ist breit gespannt, vielschichtig und heterogen, für jeden Menschen mit Emotionen besetzt. Hier wird Gemeinschaft gelebt, ein Ort der zur Teilhabe einlädt und Chancen zur freien Lebensgestaltung eröffnen soll. „Gerade in der heutigen Zeit hat der Begriff wieder eine Aktualität, über die man sich nicht immer freuen kann“, so Bialas.

Zur Eröffnung kommt die Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie beschäftigt sich mit der Frage, was Heimat für diejenigen bedeutet, die von Anfeindungen und Ausgrenzung betroffen sind und erklärt, welche Konzepte sie gegen Antisemitismus verfolgt und welche Projekte das Land fördert.

Die Veranstaltungen, die sich um das Thema ranken, sind vielfältig. Heimat braucht das Gefühl der Sicherheit, wozu auch die körperliche Unversehrtheit und die Selbstbestimmung über den eigenen Körper gehören, Thema einer Veranstaltung mit Kerstin Claus. Sie ist unabhängige Beauftragte des Bundes zum Thema sexueller Missbrauch bei Kindern und beschäftigt sich im Gespräch mit Bialas mit der Thematik des Umgangs mit sexueller Gewalt und dem Schutz davor. Wie bewältigt man den Alltag nach traumatischen Erfahrungen, gewinnt Vertrauen zurück.

Mit der Vergangenheit beschäftigt sich der Historiker Rainer Rhefus und referiert zum Thema „1923 - Das Wuppertal im Spiegel der Zeit vor 100 Jahren.“ Zeitdokumente und literarische Texte nehmen die Besucher mit in die Jahre der Weimarer Republik und ihrer Krisen.

Mörderisch und skurril geht es zu bei Claudia Kociucki und Marcel Pichler bei ihren Geschichten und Gedichten „Radieschen von oben.“ Der Journalist Jochen Rausch liest aus „Im toten Winkel“, Musik, Lieder und Geschichten gibt es mit Björn Nonnweiler. „Poesie aus der schönen Heimat“ heißt es beim Poetry Slam mit Moderator Ralph Michael Beyer.

Die Auswirkungen der Kolonialzeit auf Wuppertal ist Thema der Lesung mit Meieli Borowsky und Dirk Jädke. Staatssekretär Lorenz Bahr beschäftigt sich mit Werken von Kurt Tucholsky, Alfred Hübner und Prof. Winfried Halder laden zum Vortrag über den Dichter Paul Zech.

Es soll auch wieder ein literarisches Quartett geben

Feldpostbriefe und militärische Berichte werden von Prof. Winfried Halder und Dr. Katja Schlenker bei der Lesung „Das Trauma von Stalingrad“ zu Gehör gebracht. Gewonnen werden konnte auch die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal, die sich zusammen mit Michael Serrer der Frage „Was ist Identität?“ widmet.

Eingebunden wurde der Volkstrauertag mit einem Gottesdienst und einer Gedenkveranstaltung am Ehrenmal. „Wir haben einige Formate beibehalten“, erklären die Organisatoren. So wird es auch wieder das literarische Quartett geben. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Weitere Veranstaltungen unter:

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