Wuppertal: Ein Hund im Kochtopf und Kameras überall

Wuppertal : Ein Hund im Kochtopf und Kameras überall

Lesung am Mittwoch: Stephan Orth berichtet über Erlebnisse beim „Couchsurfing in China“.

Elberfeld. „Du kannst in China alles werden.“ Spätestens nach dieser Aussage einer Chinesin war für Stephan Orth klar, dass er nach China reisen würde. Dabei würde er wieder statt in Hotels bei Chinesen zu Hause übernachten. Der Reise-Journalist hat bereits zwei Bestseller über „Couchsurfing“ in ungewöhnlichen Ländern veröffentlicht. Nach Iran und Russland folgt jetzt China. Aus seinem Buch „Couchsurfing in China“ liest er heute Abend in der Sophienkirche.

Stephan Orth schildert, wie er als Europäer gleich einen Bonus in dem asiatischen Land hat, das aber längst dabei ist, Europa zu überholen. Er beschreibt den Bauboom in den Millionenstädten, Elektro-Taxis, Hochgeschwindigkeitszüge und die allgegenwärtige Digitalisierung. Die reicht vom Bezahlen per Handy über das System der Sozialpunkte bis zum Bildschirm an der Kreuzung, der Rotlichtsünder sofort an den Pranger stellt. Für Stephan Orth so faszinierend wie alarmierend: „Viele Menschen hierzulande haben noch nicht begriffen, was dort für Weichen gestellt wurden und wie stark China als Wirtschaftsmacht bald das Weltgeschehen bestimmen wird.“

Die Veränderungen der chinesischen Gesellschaft diskutiert er mal mehr mal weniger intensiv mit seinen Gastgebern. Durch diese Gespräche lernt auch der Leser, dass die Chinesen die rasanten Veränderungen viel gelassener wahrnehmen als die Europäer.

Diese Gastgeber hat er über die Internet-Plattform Couchsurfing.com gefunden. Und nach interessanten Persönlichkeiten gesucht. Da ist der junge IT-Fachmann, der jetzt Autos verkauft, eine regimekritische Künstlerin, die mit ihrer Mutter über richtiges Verhalten streitet, eine Polizistin, die sich mit ihm eine Auszeit nimmt, oder der junge Lehrer, der den Autor mit der Ankündigung schockiert: „Meine Eltern haben extra den Hund für dich geschlachtet“.

An dieser wie an anderen Stellen zeigt Stephan Orth seinen trockenen Humor, der das Buch zu einer unterhaltsamen Lektüre macht. Aber er nutzt ebenso immer wieder die Gelegenheit, Beobachtungen in größeren Zusammenhang zu stellen, gibt den Lesern Informationen über China und dessen Entwicklung. Mit dem Autor reist man durch das ganze Land, erlebt Großstädte und großartige Landschaft, Märkte und Touristengedränge, Überwachung und den Umgang mit Glücksbringern.

Stephan Orth sagt, eine Chinesin habe ihm bescheinigt, dass ihr Land sehr gut getroffen sei. Aber: „Von einer Literatur-Agentur in Taiwan hörte ich, dass man das Buch leider unmöglich übersetzen und in China veröffentlichen könne – das sei zu gefährlich für Autor und Verlag, weil zu viele politisch brisante Themen vorkommen.“

Für die Lesung kommt der Autor zurück in seine Heimatstadt: Hier besuchte er das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium und die Uni, bevor er zu Spiegel online nach Hamburg ging. Heute ist er als Autor selbstständig.

Zu Wuppertal sagt er: „Ich finde, die Stadt wird oft unterschätzt, immer wieder komme ich gerne zurück.“ Am liebsten denke er an die Freunde in der Wuppertaler und Remscheider Musikszene zurück – viele Jahre lang habe er in zwei Bands gespielt. „Wenn es mit der Karriere als Rockstar geklappt hätte, würde ich vermutlich noch immer hier wohnen und wäre nicht Reiseautor geworden.“

Stephan Orth liest am Mittwoch, 16. Oktober, ab 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Sophienkirche, Sophienstr. 24. Karten (8 Euro) gibt es in der Buchhandlung Baedeker, Friedrich-Ebert-Straße 31. Mehr über den Autor auf stephan-orth.de

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