Wuppertal: Ein echter Wohntraum im Hinterhof

Leben in der zweiten Reihe : Ein echter Wohntraum im Hinterhof

Ein Architektenpaar hat eine alte Tischlerei am Ostersbaum in ein Loft verwandelt — mit integriertem Kubus und Glasgalerie.

Der Wohntraum liegt versteckt. Wer die Paradestraße entlangfährt, wird kaum erahnen, was sich hinter der Häuserzeile verbirgt. Kati Dee-Schopmeyer begleitet Besucher in den Hof. Eine steile Treppe führt nach oben, links verbindet eine alte Kranbahn das Vorderhaus mit der ehemaligen Tischlerei. „Das ist es“, sagt die 53-Jährige stolz. Den Betrieb ihres Großvaters, der bis Anfang der 1970er dort werkelte, hat die Architektin gemeinsam mit ihrem Mann verwandelt, aus der alten Halle etwas Besonderes geschaffen: ein Loft im Hinterhof. Zentral in der Stadt und doch ganz eigen. Sogar einen kleinen Garten gibt es, den die Großeltern einst bewirtschafteten.

Dee-Schopmeyer hat noch viele Erinnerungen an ihre Kindheit in Wuppertal. Erst zum Studium zog sie weg nach Münster, wo sie auch heute noch lebt. Ein „Leider“ kommt ihr dabei öfter über die Lippen. Denn Wuppertal biete viele Potenziale. „Es gibt noch viel zu entdecken.“ Wie die alte Tischlerei. Nachdem ihr Opa seinen Betrieb geschlossen hatte, vermietete die Familie die Halle. Unter anderem ein Kampfsportverein fand dort zeitweise seine Heimat. Doch in den letzten Jahren stand das Gebäude leer  — und das Architektenpaar beschloss, dort Wohnraum zu schaffen. Auch für die Profis, die unter anderem schon Wettbewerbe betreut haben, ein nicht alltägliches Projekt. Und eins mit Tücken, wie die Wahl-Münsteranerin erzählt.

Denn ursprünglich sollten zwei Wohnungen gestaltet werden. Doch bei der Entkernung des Altbaus stellte das Ehepaar fest, dass nicht nur das komplette Dach morsch, sondern auch die alte Stützmauer total feucht war. „Die konnte gar nicht wie geplant in den Neubau integriert werden“, erinnert sich Dee-Schopmeyer. Also musste — nach einigen schlaflosen Nächten — umgeplant werden. Der hintere Teil der Halle wurde abgerissen, die Fläche eine zweistufige Terrasse mit besonderem Flair und statt zwei Wohnungen entstand ein 128 Quadratmeter großes Loft — das es in sich hat.

Umgeben von Häusern, aber auch ein ein bisschen Grün liegt der Hinterhof mit der ehemaligen Tischlerei am Ostersbaum. Foto: Fischer, Andreas H503840

Buchstäblich. Wer eintritt, dem fällt direkt die „Kiste“, wie sie die Architektin scherzhaft nennt, ins Auge. In dem Kubus sind das Bad, WC, und Heizungsraum untergebracht, außerdem der Treppenaufgang zur verglasten Galerie. Die bietet zudem die Aussicht über die beiden riesigen Räume. Wobei es eigentlich ein großer Gesamtraum in Stahlglaskonstruktion geblieben ist. Das neue Dach aus Trapezblech, von Innen sichtbar, unterstreiche den industriellen Charakter ebenso wie die Aluminiumblechverkleidung der Fassade, erklärt die Architektin. „Diesen Charme wollten wir auf jeden Fall erhalten.“ Als bauliches Zitat ist deshalb auch die Kranbahn geblieben.

Ein Teil der Halle musste abgerissen werden

Viel Arbeit war notwendig. Die alte Tischlerei wurde entkernt, ein Teil musste abgerissen werden. Foto: Schopmeyer Architekten BDA

Dass der Bau insgesamt nicht einfach war, verhehlt Dee-Schopmeyer nicht. Auch nicht, das er durch die Umplanung wohl etwas teurer als erwartet wurde. Zu den Investitionskosten möchte sie lieber nichts sagen. „Es ist dafür aber schon etwas Besonderes“, betont sie. Ganz leicht falle es ihr nicht, „das wieder abzugeben“. Ein wenig Sorge habe man anfänglich schon gehabt, Mieter zu finden. Die versteckte Lage, das Umfeld, die steile Treppe, die aber noch deutlich besser zu begehen sei als die originale, und dann auch eine Miete, die — verständlicherweise — etwas über den ortsüblichen Tarifen liegt. Doch die Resonanz sei groß gewesen, sagt Dee-Schopmeyer. Man habe aus vielen Interessenten wählen können. Am 1. Januar wird nun ein Paar mit Wuppertaler Wurzeln dort einziehen — und sicher ihren Wohntraum im Hinterhof genießen.

Damit die beiden dort leben können, musste allerdings auch erst einmal eine Nutzungsänderung von der Stadt abgesegnet werden. Die Kooperation sei aber sehr gut gewesen, erklärt die Architektin. Jochen Braun, Ressortleiter Bauen und Wohnen im Rathaus, findet Projekte wie das an der Paradestraße „total spannend“. Es sei „eine Form von Wohnen, die nicht von der Stange kommt“. Wuppertal gewinne dadurch. Gerade was den alten Baubestand angeht, gebe es noch viel zu entwickeln. Doch Braun spricht auch die Hürden an, gerade in planungsrechtlicher Hinsicht. Das Thema Brandschutz sei zum Beispiel bei der Umwidmung von Gewerbe- in Wohnraum oft schwierig. Aber nichtsdestotrotz: „Wenn die Umsetzung klappt, ist das Ergebnis oft großartig“, betont Braun.

Auch Dee-Schopmeyers Fazit fällt eindeutig aus. „Es war aufwändig — aber es hat viel Spaß gemacht. Ich würde es noch einmal machen.“ Genug versteckte Schätze dürfte Wuppertal bieten.