Wuppertal diskutiert über Wohnformen der Zukunft

Wohnen : Wuppertal diskutiert über Wohnformen der Zukunft

Initiative startete in der Diakoniekirche Veranstaltungsreihe zu einem vielschichtigen Thema. Weitere Termine folgen im Herbst.

Wenn man sich mit Fragen rund um das Thema „Wohnen“ befasst, kann es nicht schaden, schon mal eine diskussionsfreudige Umgebung zu schaffen. Das dachten sich auch die Veranstalter der Reihe „Wie wir wo wohnen und wie wir wohnen wollen“, die am Dienstagabend in der Diakoniekirche an der Friedrichstraße ihren Auftakt hatte. In einem lockeren Stuhlkreis konnten sich die etwa 15 Teilnehmer der Diskussionsrunde versammeln, derweil die beiden Moderatoren – Eva Parusel und David J. Becher – den Abend mit ihren Überlegungen von einem opulenten roten Sofa aus in den Raum warfen. Das Sitzmöbel vermittelte einen gemütlichen Eindruck und erfüllte schon einige Kriterien, die wohl jeder mit Wohnen verknüpft: Es ist ein Ort der Ruhe, bietet eine Rückzugsmöglichkeit, kann aber auch der Kontemplation dienen.

Zu der Diskussionsrunde hatte die Initiative Gemeinschaftliches Wohnen in Wuppertal eingeladen. Die Veranstaltungsreihe umfasst drei Termine und will den Wünschen und Bedürfnissen der Wohnenden im Quartier nachgehen und Strategien für gemeinschaftliches Wohnen entwickeln. Unterstützt wird das Projekt von der Initiative „Ein Quadratkilometer Bildung“, zudem wird das Vorhaben im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt NRW“ finanziell gefördert.

Wie weitläufig und vielgestaltig das Themenfeld ist, machten Parusel und Becher in ihrem Eröffnungsdialog deutlich. Parusel eröffnete den Abend mit Zitaten von Antoine de Saint-Exupéry („Du kannst nicht ein Haus lieben, das ohne Gesicht ist und in dem deine Schritte keinen Sinn haben“) und Heinrich Zille („Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt“).

Demächst geht es um die Umsetzung von Projekten

Dass die Bedürfnisse an das Wohnen ganz unterschiedlich ausfallen können, machte das Gespräch zwischen den beiden deutlich: Becher räumte ein, dass Wohnen – gerade nach einer anderthalbjährigen WG-Erfahrung – für ihn bedeute, „exklusive Räume für mich“ zu haben. Er wohne seit 2006 in einer Altbauwohnung nahe dem Mirker Bahnhof. Da er „unglaublich viel Zeug“ in seiner Wohnung habe, falle ihm das Umziehen auch nicht leicht. Als „Nomade“ bezeichnete sich dagegen Parusel. Sie sei in ihrem Leben „schon 25 Mal umgezogen“, erzählte sie, habe unter anderem schon in einem besetzten Haus in Berlin gelebt. Da sie nicht viele Sachen besitze, sei ihr der Wohnungswechsel immer recht leicht gefallen, mittlerweile lebe sie mit einem Partner zusammen. Mitgenommen habe sie bei ihren Umzügen aber stets den Schrank ihrer Großmutter, für den sie in jeder neuen Wohnung als erstes einen Platz finden müsse.

Nach den einleitenden Gedanken in die Veranstaltung waren die Anwesenden – darunter auch einige Geflüchtete – aufgefordert, sich zu dem Thema zu äußern. An drei Tischen konnten Kleingruppen ihre Wünsche und Vorstellungen aufschreiben. Gefragt wurde danach, was jeder einzelne mit dem Begriff „Wohnen“ verbindet oder was sie oder er an dem Haus beziehungsweise der Wohnung mag oder nicht mag, in der sie/er lebt. Auszüge: Eine Wohnung sollte das Bedürfnis nach „Ruhe und Gesundheit“ erfüllen, ein „Rückzugsort“ sein, aber auch ein angenehmes Umfeld (nette und möglichst keine „doofen“ Nachbarn) oder Garten sowie wahlweise auch einen „tollen Ausblick“ bieten. Andere Teilnehmer notierten, dass ihre Wohnung „von Menschen umtost“ sei, auch Widersprüchliches fand seinen Platz: „Mein Zimmer ist so wie ich – oder mein Gegenteil“.

Die Reihe wird am 25. September und am 30. Oktober in der Diakoniekirche fortgesetzt. Beim kommenden Termin sollen mögliche Wohnprojekte besprochen werden, zum Abschluss geht es darum, wie solche Pläne in die Realität umgesetzt werden können. Die Ergebnisse der Treffen sollen zudem im Rahmen der Woga (Wuppertaler offene Galerien und Ateliers) präsentiert werden, die am 9. und 10. November im westlichen Stadtgebiet stattfindet.

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