Wuppertal: Dirk Krüger erinnert an fünf Menschen

Geschichte: Eine Fundgrube der Geschichte

Dirk Krüger will mit seinem Buch „Gegen das Vergessen“ an fünf Wuppertaler erinnern.

Es gibt wahrscheinlich nicht allzu viele Wuppertaler, denen die Namen Werner Möller, Emil Ginkel, Peter Kast, Werner Eggerath oder Walter Gorrish auf Anhieb etwas sagen. Sollten sie? Alle fünf sind im Tal der Wupper geboren. Sie waren von Haus aus Arbeiter oder hatten ein Handwerk gelernt. Sie haben geschrieben: Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke. Und sie haben sich politisch engagiert. Sei es in der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg, sei es in der Weimarer Zeit, in der Zeit des Nationalsozialismus oder auch danach. Dirk Krüger hat ihnen jetzt ein Buch gewidmet. „Gegen das Vergessen“ hat er es genannt. Es ist eine Fundgrube für alle, die an der Stadt und ihrer Geschichte interessiert sind.

Warum sollten diese fünf dem Vergessen entrissen werden? „Weil sie Relevanz besitzen“, sagt Dirk Krüger. „Sowohl literarische, als auch politische. Das Buch soll ihnen einen Platz in der reichen Literaturgeschichte unserer Stadt verschaffen.“ Eine Stadt übrigens, in die nur einer der fünf zurückgekehrt ist.

Werner Möller, der mit Frau und Sohn an der Sedanstraße Nummer 82 gewohnt hatte, hatte keine Möglichkeit dazu. Er wurde 1919, kurz vor seinem 31. Geburtstag, während des Novemberaufstands in Berlin erschossen. Andere haben sich bewusst dazu entschieden. Wie Werner Eggerath, dessen Lebensweg, der 1900 in der Elberfelder Nordstadt begonnen hatte, in die DDR führte. Er war Ministerpräsident von Thüringen, Gastgeber für Thomas Mann. Ausgezeichnet mit dem Vaterländischen Verdienstorden, der Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus, dem Nationalpreis der DDR und dem Karl-Marx-Orden, wurde er 1977 in Berlin nicht weit von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht beerdigt.

Die Biografischen Skizzen, die Krüger bringt, erzählen von Zuchthaus und Exil, von heute nur schwer wirklich vorstellbaren Lebensläufen. Zum Beispiel der Elberfelder Peter Kast. Den Ersten Weltkrieg erlebte er auf einem kaiserlichen Torpedoboot. Im Geschützturm schrieb er seine ersten Gedichte. Er wurde Redakteur bei der „Roten Fahne“, schloss sich als Journalist 1937 in Spanien den Franco-Gegnern an. Kämpfte in der französischen Resistance.

Fünf Wuppertaler, ihre Ideale, Sorgen und Hoffnungen

Mit der Waffe kämpfte auch Walter Gorrish. In nationalsozialistischer Haft schwer misshandelt, steckte man ihn als „Wehrunwürdigen“ 1943 in die Strafdivision 999. 1944 wurde seine Frontstellung bei Perekop von der Roten Armee überrannt. Zu seinem Glück glaubte man ihm, dem „Politischen“ und ehemaligen Spanienkämpfer. Er schloss sich der Roten Armee an.

Emil Ginkel (1893 bis 1959) starb als einziger in Wuppertal. Bis 1956 arbeitete er im Brotberuf als Leiter der Lokalredaktion Mettmann der KPD-Zeitung „Freies Volk“.

Teil I von „Gegen das Vergessen“ bringt für jeden einen biografischen Abschnitt und einen Kommentar zu seinem literarischen Schaffen. In einem zweiten Teil hat Krüger umfangreiche Leseproben zusammengetragen. Es sind vor allem DDR-Produktionen, die Texte der fünf Wuppertaler abdruckten.

Krüger gibt auch alle Quellen an, aus denen er für sein Buch geschöpft hat. Wer will, findet dort eine gute Ausgangsbasis, um dem einen oder anderen Thema weiter nachzuspüren. Was Krüger besonders freuen würde: „Wenn das Buch von Lehrern in den Sekundarstufen I und II im Unterricht eingesetzt werden würde. Oder an der Uni bei der Lehrerausbildung in Deutsch, in Literatur, in Geschichte.“

Man muss aber kein Spezialist sein, um zu diesem Buch zu greifen. Man erfährt etwas über fünf Wuppertaler, ihre Sorgen, ihre Ideale und Hoffnungen - und ihre Rollen, die sie in Wuppertaler, deutscher ja sogar europäischer Geschichte gespielt haben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung