Wuppertal: Die Gesellschaft Concordia will präsenter werden

Barmen : Die Concordia will präsenter werden

Die Gesellschaft wirbt um neue Mitglieder und vermietet ihre historischen Räume.

Sie ist mehr als 200 Jahre alt und war mal „der“ Treffpunkt der wichtigen Personen in Barmen. Die Gesellschaft „Concordia“ soll nach dem Willen ihres derzeitigen Direktors Oliver Alberts wieder präsenter in der Stadt werden.

Eine „Bürgergesellschaft“ nennt er die Vereinigung, in der sich die Mitglieder mit Interesse an Kunst, Kultur und Austausch regelmäßig treffen. 1801 schlossen sich 16 höhergestellte Barmer Bürger zur Gesellschaft zusammen. „Schon damals war das Ziel Austausch“, erklärt Oliver Alberts. Man habe einen Treffpunkt außerhalb der kirchlichen Strukturen gesucht. Vorträge und gemeinsame Veranstaltungen hätten auch Bildung und Wertevermittlung als Ziel gehabt. „Zweck war natürlich auch das, was wir heute Netzwerken nennen“, so Alberts. In der Blütezeit der Gesellschaft Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts seien in der Concordia Geschäfte abgeschlossen worden.

Gebäude wurde
1943 zerstört

Bald hatte die Gesellschaft ein eigenes Haus am heutigen Standort, baute daran 1861 einen großen Festsaal an. Das Gebäude wurde 1897 abgerissen, bis 1900 ein neues gebaut. Das wiederum wurde 1943 zerstört, nur das Portal blieb stehen. Das übrige Gebäude wurde, zum Teil aus den Trümmern, wieder aufgebaut, allerdings mit Flachdach. Und der Festsaal wurde zu einem Kino.

Lange war die Gesellschaft ein sehr exklusiver Kreis. „Heute sehen wir das nicht mehr so eng“, betont Alberts. Unter den 130 Mitgliedern gebe es Handwerksmeister ebenso wie Unternehmensvorstände. Sie sind immer noch eine geschlossene Gesellschaft, zu der man eingeladen werden muss. Doch bei vielen Veranstaltungen freut man sich über Gäste. Und hofft, dass es einigen Besuchern so gut gefällt, dass sie Mitglieder der Concordia werden, „weil sie hier Menschen treffen, mit denen sie gern zusammen sind“, erklärt Alberts.

So erging es ihm auch, als er 2012 bei einer Veranstaltung der ISG Barmen-Werth die Gesellschaft kennenlernte. „Ich habe mich sofort wohlgefühlt.“ Und sich gefreut, als man ihn auf eine mögliche Mitglied-
schaft ansprach. Schnell engagierte er sich im Vorstand, 2016 wurde der Immobilienunternehmer zum Direktor der Gesellschaft gewählt, zunächst für drei Jahre. Maximal neun Jahre kann er das Amt innehaben. Gleichzeitig ist er 1. Vorsitzender der ISG Barmen-Werth und kann sich nun in beiden Positionen für Barmen engagieren: „Weil es mir wichtig ist“, sagt er.

Er freut sich, dass das Gebäude der Concordia inzwischen wieder als Veranstaltungsort in Barmen wahrgenommen wird. Dazu tragen die Veranstaltungen bei, zu denen Gäste kommen können, und Angebote wie die Theater-Inszenierung „Buddenbrooks“ nach dem Roman von Thomas Mann, die das Schauspiel 2017 in den Räumen der Concordia zeigte. „Eine tolle Veranstaltung“, schwärmt Alberts. Auch das Tic-Theater aus Cronenberg tritt in der Concordia auf, im Juni mit der Produktion „Edith Piaf“.

Seit einiger Zeit vermietet die Gesellschaft auch die historischen Räume – drei Säle, ein Biedermeierzimmer, ein Rauchzimmer und eine Bar – für Hochzeiten, Geburtstage oder Firmen-Veranstaltungen. Für die Verpflegung kooperiert die Concordia seit 2018 mit Kaspar Catering, der als Pächter eingezogen ist. Die Einnahmen werden unter anderem verwendet, um die Räume zu erhalten. Alberts wünscht sich jeden Tag Gäste im Haus – bisher liegt die Auslastung bei  zehn Prozent.

Langfristig will Alberts erreichen, dass die Räume auch als Club funktionieren: Mitglieder sollen sich hier auch unabhängig von Veranstaltungen treffen, essen und trinken können und interessante Gesprächspartner finden.

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