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Wuppertal: Der Szene am Döppersberg fehlt die kostenlose Toilette

Wuppertal : Der Szene am Döppersberg fehlt die kostenlose Toilette

Bericht über Streetwork in der Elberfelder City im Sozialausschuss.

Durch die Schließung des Café Cosa fehlen den Angehörigen der Drogenszene in der Elberfelder Innenstadt ein Anlaufpunkt und auch kostenlose Toiletten. In der Folge verrichteten sie ihr Geschäft im öffentlichen Raum. Das sei für die Betroffenen unwürdig und für Geschäftsleute, Anwohner und Passanten ein Ärgernis. Das war ein Punkt bei der Diskussion des aktuellen Berichts über die Straßensozialarbeit in der Szene im Sozialausschuss.

Seit Mai sind vier Sozialarbeiter eingesetzt, zwei Männer und zwei Frauen, um Kontakt mit der Drogen- und Alkoholszene in der Elberfelder Innenstadt zu halten. Die Stadt finanziert die vier halben Stelle (zwei Vollzeitstellen), um die Probleme durch die Schließung des Café Cosa zu reduzieren. Angesiedelt sind die Stellen je eine bei der Diakonie und beim Verein „Freundes- und Förderkreis für Suchtkrankenhilfe“, der auch den Drogenkonsumraum „Gleis 1“ betreibt.

In dem schriftlichen Bericht für die Zeit Juni bis August beschreiben die Sozialarbeiter, dass sie die Treffpunkte der Szene regelmäßig besuchen, mit den Szenemitgliedern Kontakt aufnehmen. Die Stimmung in den angetroffenen Gruppen sei grundsätzlich eher friedlich und entspannt gewesen.

Laut Bericht haben sie in fünf Fällen einzelne Personen bei Behördengängen begleitet, eine Person wurde in einer Krise zur Polizei begleitet, zweimal riefen Sozialarbeiter in akuten Notsituationen einen Rettungswagen. Zudem hätten sie bei Funden von Spritzen und anderen Hinterlassenschaften nach Drogenkonsum die Mitarbeiter des Projekts Clean Streets informiert.

Die Statistik der Kontakte zeigt, dass diese in den aufgeführten Monaten Juni, Juli und August anstiegen. Im August waren es schließlich 963, davon 737 Männer und 226 Frauen. Mehr als ein Dutzend Plätze suchten die Sozialarbeiter regelmäßig auf, darunter die Treppe zur Hofaue oder die Treppe an der alten Post an der Morianstraße. Die meisten Personen der Drogen- oder Alkoholszene trafen sie an der Schwebebahnstation Döppersberg und auf dem Karlsplatz. Dabei treffe sich auf dem Karlsplatz die Alkohol-, an der Schwebebahnstation Döppersberg die Drogenszene.

Weitere Begleitung
ist gesichert

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) betonte, dass der Treffpunkt am Karlsplatz schon seit Jahren bestehe. Und sich der Treffpunkt am Döppersberg durch den Wegfall des Café Cosa gebildet habe. Er wies darauf hin, dass der Ratsbeschluss zur Finanzierung der Straßensozialarbeit ohne Enddatum gefasst wurde, sie soll bis zur Fertigstellung des Café Cosa dauern. Daher werde diese Arbeit weiterlaufen, auch wenn sich die Fertigstellung des neuen Café Cosa jetzt erneut, diesmal bis zum Frühjahr 2020 verzögert.

Der schriftliche Bericht weist auch auf das Problem fehlender Toiletten hin. Klaudia Herring-Prestin, Leiterin von Gleis 1, betonte in der Sitzung: „Es gibt Handlungsbedarf. In der Pflicht sehen wir die öffentliche Hand.“ Es gebe viele diskrete Lösungen, besonders für Männer – und die Szene bestehe hauptsächlich aus Männern.

Ihre Sorge über die Toilettensituation drückten auch Marcel Gabriel-Simon und Ilona Schäfer von den Grünen aus. Ilona Schäfer regte an, noch einmal nach Übergangsräumen zu suchen, damit die Szene-Angehörigen einen Aufenthaltsort und Toiletten hätten, vielleicht in Containern: „Ich halte den Zustand im Moment für untragbar.“

Sozialdezernent Kühn winkte ab. Man habe dazu bereits so viele Gespräche geführt, zwanzig Objekte angesehen. „Ich weiß nicht, was wir noch machen könnten.“ Auch mobile Container seien schwierig. Das bestätigte Michael Lehnen, Chef des Sozialamts: Sie hätten das Aufstellen von Containern geprüft, schwierig sei unter anderem die Frage des Anschlusses an die Kanalisation.

Thomas Kring (SPD) kritisierte mehrfach die Diskussion über die Bäume im Wupperpark Ost, die zu der neuesten Verzögerung beim Bau des Café Cosa geführt habe.