Wuppertal: Der Bedarf an Wohnungen wächst

Mieten : Der Bedarf an Wohnungen wächst

Noch ist der Markt lange nicht so aufgeheizt wie in anderen Großstädten, aber mittelfristig wird die Nachfrage steigen.

396 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt – und lag damit am oberen Rand dessen, was in den vergangen Jahren gebaut wurde. Thomas Seck, Teamleiter im Ressort Stadtentwicklung und Städtebau sagt, das habe bisher auch den Prognosen entsprochen. Andererseits zeigt der Rückgang der Leerstandsquote, dass der Bedarf nach Wohnungen bereits angezogen hat. Die Leerstandsquote ist von über 6,8 ,Prozent 2012 auf 5,6 Prozent für 2017 gefallen.

In dieser Zeit ist auch die Bevölkerungszahl gestiegen, von 348 000 auf 361 000. Und die Prognosen, die die Stadt in ihrer Statistik Datenbank veröffentlicht, gehen von weiterem Wachstum auf 366 000 im Jahr 2024 aus. „Prognosen sind immer ein Blick in die Glaskugel“, gibt Thomas Seck zu bedenken. Immerhin sagten die Prognosen bis 2014 eine Schrumpfung der Einwohnerzahlen aus.

Dennoch stelle sich die Stadt derzeit auf auf die wachsende Nachfrage ein: „Es gibt momentan viel Nachfrage“, weiß er. „Wir brauchen neue Flächen.“ Vor allem im Bereich der Einfamilienhäuser, große Wohnungen für Familien mit mehreren Kindern und bei kleinen Wohnungen für Senioren übersteige die Nachfrage das Angebot.

2018 hat die Große Kooperation aus SPD und CDU die Verwaltung beauftragt, kurzfristig 110 Hektar Land für Wohnbebauung zu identifizieren und auszuweisen. Zwei Planungsbüro wurden mit der Suche beauftragt. Das eine soll mögliche Baugrundstücke im Innenbereich der Stadt ausmachen und die Ergebnisse im September vorlegen. Das ander ist beauftragt, Flächen im Außenbereich der Stadt zu suchen, aus denen mittel- und langfristig Wohnbauflächen entwickelt werden können. Sie sollen im Sommer Resultate liefern. Für die beiden Aufträge gibt die Stadt insgesamt 215 000 Euro aus.

Die gesuchten Flächen für den Außenbereich werden auch Bestandteil der geplanten Änderung der Regionalplanung. Auch sie soll langfristig Möglichkeiten eröffnen, Siedlungsgebiete für eine weiter wachsende Bevölkerung zu schaffen.

Menschen mit Problemen spüren die Knappheit als erstes

Claus O. Deese, Vorsitzender des Mieterschutzbundes, erklärt, dass Entwicklungen, die andere Städte schon kennen, nun auch in Kommunen wie Wuppertal ankommen: die Liberalisierung des Wohnungsmarktes und der Rückgang des sozialen Wohnungsbaus hätten die Mieten nach oben getrieben. Dazu kämen steigende Baukosten. Das sei jetzt deutlich in Großstädten wie München, Berlin, aber auch Köln und Düsseldorf. Noch sei das Mietniveau in Wuppertal akzeptabel – aber „mit Tendenz nach oben“, warnt er.

Die Sicht der Vermieter ist eine andere: „Es gibt kaum Mieterhöhungen“, sagt Rechtsanwalt Klaus Ricke vom Eigentümerverein Haus und Grund. Mit einem Quadratmeterpreis von 5,20 Euro sei Wuppertal eine Oase. Er wünscht sich eher, dass die Stadt bei den Gebühren moderat bleibt, denn auch die Nebenkosten trieben die Wohnkosten in die Höhe. Und dass das Jobcenter flexibler reagiert und auch höhere Kaltmieten erlaubt, wenn gleichzeitig durch Modernisierung die Nebenkosten zum Beispiel für Heizungen sinken.

Wenn es enger auf dem Wohnungsmarkt wird, spüren das am schnellsten Menschen, die es nicht leicht bei der Wohnungssuche haben. Davon kann Mirjam Michalski von der Diakonie Soziale Teilhabe berichten: „Kleine preiswerte Wohnungen gibt es kaum noch“, beklagt sie. Menschen mit mehreren Problem hätten deswegen immer weniger Chancen auf dem Wohnungsmarkt.

Dass das Thema Wohnen für Menschen in schwierigen Situationen eine zusätzliche Belastung ist, hat auch Beschäftigungsgesellschaft Gesa festgestellt: In Maßnahmen zur Berufsintegration von Alleinerziehenden seien die Sozialarbeiter immer wieder angesprochen worden, berichtet Gesa-Sprecher Moritz Rosenthal. Daher hat die Gesa jetzt im Rahmen der Initiative „Bündnis Fairer Wohnraum“ der Diakonie RWL ein Projekt begonnen, bei dem Alleinerziehende einerseits in Workshops Informationen zum Mietrecht erhalten, andererseits ehrenamtliche Paten die Betroffenen bei Mietfragen unterstützen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung