Wuppertal: Cronenberger verabschiedeten Straßenbahn mit einer Party

Geschichte : Eine Riesenparty zum Abschied

Am 6. April 1970 fuhr die letzte Straßenbahn zwischen Cronenberg und Elberfeld.

„Die Cronenberger haben sich nicht gefreut. Aber feiern konnten sie schon.“ Damit fasst Hartmut Schmahl die Ereignisse um den Abschied der Straßenbahn im Stadtteil zusammen: 1970 gab es ein großes Volksfest für die Bahn. „Alle Vereine waren da“, erinnert sich auch Kurt Keil, langjähriger WZ-Fotograf, von dem auch dieses Bild unserer Serie „Bilder erzählen Stadtgeschichte“ stammt. Auf dem Lastwagen im Vordergrund habe eine Blaskapelle aufgespielt. Und links unter dem Schirm habe es Bier gegeben.
Er selbst erinnert sich, dass er selbst viel mit der Bahn gefahren ist. Denn er lebte zu Anfang seines Berufslebens in Hahnerberg. „Immer wenn das Auto in der Inspektion war, bin ich mit der Straßenbahn gefahren.“ Bei der steilen Fahrt hinunter sei ihm stets mulmig gewesen: „Ich hatte immer Angst, dass mal die Bremsen versagen und wir bis zum Döppersberg durchschießen.“

1900 wurde die Straßenbahnstrecke Elberfeld-Cronenberg in Betrieb genommen. Im Lauf der nächsten Jahre wurden Verlängerungen nach Remscheid und nach Solingen gebaut. Zusammen mit den anderen Bahnen in der Stadt hatte Wuppertal einst ein Straßenbahnnetz von 175 Kilometern. Doch Ende der 60er Jahre lief der Straßenbahnbetrieb nach Cronenberg aus.

Im Mai 1969 wurde die Strecke Cronenberg-Solingen auf Bus umgestellt, im August 1969 die Strecke Cronenberg-Sudberg. Und von der Verbindung Cronenberg-Elberfeld wurde am 6. April 1970 der Abschied begangen. Andere Straßenbahn-Linien in der Stadt wurden noch bis in die 80er Jahre betrieben.

Erinnerungen an die Cronenberger Straßenbahn hält der Verein Bergische Museumsbahnen wach: Er gründete sich 1969, als der Regelbetrieb Richtung Solingen eingestellt wurde. Nach langen Vorarbeiten zockeln seit 1992 wieder Straßenbahnen als reine Touristikfahren durchs Kaltenbachtal zwischen Cronenberg-Greuel und Kohlfurth. Und bald, so hoffen die Vereinsmitglieder, kann auch der Abschnitt bis Möschenborn wieder in Betrieb genommen werden.

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