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Wuppertal: Corona-Krise wird im Arbeitsmarkt sichtbar

Arbeitsmarkt : Jeder dritte Arbeitnehmer in Wuppertal ist von der Kurzarbeit betroffen

Agentur für Arbeit: Kurzarbeit auf Rekordniveau. Arbeitslosigkeit in Wuppertal steigt auf 9,6 Prozent. Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat März um 22 Prozent und damit weit über dem Landesdurchschnitt.

2750 Betriebe in Wuppertal haben Kurzarbeit angemeldet, rund 41 000 Beschäftigte sind davon betroffen. Wie die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal meldet, ist der Anteil der Kurzarbeit bis Ende April auf ein Rekordniveau gestiegen. Die Kurzarbeit habe den Anstieg der Arbeitslosigkeit zwar deutlich abgebremst, aber die Arbeitslosenquote in Wuppertal stieg trotzdem von März auf April von 8,9 auf 9,6 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen ist um 1 773 auf 17 578 Personen gestiegen. 30 448 Personen in Wuppertal gelten als unterbeschäftigt. Die Unterbeschäftigung erfasst zusätzlich zur Arbeitslosigkeit auch Personen, die als Teilnehmer von Maßnahmen, aufgrund von Krankheit oder sonstigen Gründen nicht als Arbeitslose gezählt werden. Maßnahmen des Jobcenters zur Eingliederung von Menschen in Arbeit mussten in der Coronakrise zum Schutz von Teilnehmern und Ausbildern abgesagt werden. Da in Wuppertal viele dieser Eingliederungsmaßnahmen angeboten werden, fällt der Anstieg mit einer Zunahme von 22 Prozent gegenüber April 2019 besonders deutlich aus. Es waren 3208 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, als die Arbeitslosenquote noch bei 7,6 Prozent lag.

Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 15 594 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Plus von 887 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dem gegenüber stehen 12 750 Abmeldungen von Arbeitslosen (-1 533).

„In den nächsten drei Monaten wird sich zeigen, ob die Kurzarbeit die Unternehmen durch die Krise trägt“, sagt Martin Klebe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Anmeldungen von Kurzarbeit gebe es mit wenigen Ausnahmen (Lebensmittelhandel, Paketzusteller) inzwischen in allen Branchen, und nahezu jeder kleine Betrieb mit bis zu zehn Mitarbeitern habe Kurzarbeit angemeldet.

Martin Klebe weist darauf hin, dass zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg die sogenannte Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt ausgeblieben sei. „Wir kannten es bisher nicht anders, als dass die Arbeitslosenzahl von März auf April zurückgeht, weil mit dem Frühjahr die Nachfrage nach Arbeitskräften anzieht. In der Coronakrise finden aber weniger Menschen einen neuen Job“, so Klebe.

Die Zahl der Kurzarbeiter dürfte noch deutlich steigen

Der Bestand an Arbeitsstellen ist im April um 84 auf 2 107 gesunken; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 215 Arbeitsstellen weniger. Arbeitgeber meldeten im April 229 neue Arbeitsstellen, 333 weniger als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 1 709 Arbeitsstellenangebote ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 511.

Ein Vergleich mit den Auswirkungen der Finanzkrise 2009 zeige, wie sehr viel höher die Anzeigen von Kurzarbeit aktuell ausfallen. 2009 hatten im Agenturbezirk 1 499 Unternehmen für 35 362 Beschäftigte konjunkturbedingte Kurzarbeit angezeigt, das waren im Jahresmittel rund 18 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. „Die Anzahl der aktuell konkret betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist erst in einigen Monaten bestimmbar, wenn die Unternehmen die Anträge auf Auszahlung des Kurzarbeitergeldes gestellt haben. Hierfür haben sie drei Monate Zeit.“

Vor der Krise wurde von der Politik eifrig über die Verteilung der 26 Milliarden Euro diskutiert, die von der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen Jahren der Hochkonjunktur angespart wurden. Diese Diskussionen erübrigen sich, denn die Finanzierung der Kurzarbeit wird viele Milliarden kosten und vermutlich eine Erhöhung des Bundeszuschusses erfordern.

Klebe appelliert an die Arbeitgeber, junge Menschen gerade in der Krise auszubilden. „1700 Leerstellen stehen im Bergischen Land augenblicklich 1700 Bewerbern gegenüber“, sagt Martin Klebe.

Laut Informationen der Bergischen Industrie- und Handelskammer haben die Unternehmen die Bedeutung einer kontinuierlichen Ausbildung auch im Hinblick auf den Facharbeitermangel in den Betrieben erkannt. Nur wenige Ausbildungsverträge wurden aufgelöst, obwohl für Auszubildende kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht.

(Red)