Wuppertal braucht in den nächsten Jahren 220 Pflegeheimplätze mehr

Planung : Wuppertal braucht in den nächsten Jahren 220 Pflegeheimplätze mehr

Bisher hieß es im Bedarfsplan, dass Wuppertal ein Überangebot an Plätzen hat. Jetzt stellt die Stadt in einer Prognose erstmals das Gegenteil fest.

Bei der Tagespflege für Senioren ist Wuppertal bis 2022 ausreichend versorgt, in der Kurzzeitpflege und in der stationären Pflege gibt es bis dahin einen Nachholbedarf von jeweils rund 20 Plätzen. Das sagt der aktuelle Pflegebedarfsplan, den der Rat kürzlich verabschiedet hat.

Darin dokumentieren Marianne Krautmacher und ihre Kollegin Heike Löber von der Abteilung Sozialplanung das aktuelle Angebot im Bereich Pflege, die voraussichtliche Entwicklung und gleichen sie mit dem prognostizierten Bedarf ab. Die aktuelle Ausgabe ist die vierte Fortschreibung des Plans, der erstmals 2015 erstellt und beschlossen wurde.

Bisher hatte es darin geheißen, dass Wuppertal eher ein Überangebot an Plätzen in Pflegeheimen hat. Jetzt stellt der Plan erstmals Bedarf nach mehr fest. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 standen 3646 Plätze in Wuppertals Pflegeheimen zur Verfügung (Auslastung 98 Prozent), bis 2022 werden nach der Prognose 3863 Plätze gebraucht. Ein großer Teil des Mehrbedarfs wird durch bereits genehmigte oder geplante neue Häuser gedeckt werden, der Plan sieht ein Defizit von 20 Plätzen.

Sozialdezernent Stefan Kühn (SPD) erklärt, dass der Mehrbedarf vor allem durch die Änderung des Pflegegesetzes zustande kommt, nach dem 80 Prozent der Plätze in einem Pflegeheim in Einzelzimmern angeboten werden müssen. Deshalb seien in vielen Häusern Plätze abgebaut worden. „Tatsächlich leben nicht mehr Menschen in Heimen, die Zahl hat sogar abgenommen.“ Laut Pflegebedarfsplan sinkt diese Zahl sei Jahren leicht: Am Stichtag 2013 lebten noch 3570 Pflegebedürftige in einer stationären Einrichtung, 2015 waren es 3537 und 2017 (aktuellste Zahl) dann 3474.

Stadt will eine
Ausschreibung veröffentlichen

Stefan Kühn erläutert, dass sich darin die grundsätzliche Entwicklung spiegelt: „Immer mehr Menschen leben auch im Alter in den eigenen vier Wänden.“ Das sei dank verbesserter medizinischer Versorgung, aber auch dank verbesserter Infrastruktur für hilfebedürftige Menschen möglich.

Wegen des Mehrbedarfs an Heimplätzen werde die Stadt demnächst eine Ausschreibung veröffentlichen, kündigt Kühn an. Gewünscht seien insbesondere Angebote für zwei spezielle Gruppen: Menschen mit psychischen Auffälligkeiten und Menschen mit Übergewicht.

Auch in der Kurzzeitpflege (derzeit 247 Plätze, Auslastung 87 Prozent) erwartet der Plan 2022 eine Unterversorgung von etwa 20 Plätzen. Die Stadt will den Ausbau aktuell nicht konkret begrenzen, unter anderem weil das Land gerade ein Modellvorhaben initiiert hat, mit dem auch Krankenhäuser Kurzzeitpflegeplätze anbieten können.

Im Bereich Tagespflege (derzeit 257 Plätze, Auslastung 82 Prozent) besteht laut Bericht eher ein Überangebot. Die Stadt will aber künftig genauer analysieren, wie die Plätze möglichst wohnortnah angeboten werden können.

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