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Wuppertal: Blumen Flunkert schließt

Traditionsgeschäfts an der Heckinghauser Straße : Blumen Flunkert schließt

Nach 115 Jahren endet die Geschichte des Traditionsgeschäfts - vieles hat sich seitdem geändert.

1905 begann im russischen Zarenreich die Revolution, in Berlin führte Mata Hari ihren exotischen Schleiertanz auf, auf dem Thron saß Kaiser Wilhelm II, und in Barmen eröffnete Paul Flunkert an der Heckinghauser Straße 9 sein Blumengeschäft. Das führte er zusammen mit seiner Ehefrau Auguste, die er im gleichen Jahr geehelicht hatte. Das ist nun 115 Jahre her, und es sieht so aus, als würde die Firmengeschichte am 31. August enden, wenn Bodo Flunkert die Ladentür endgültig schließt.

Eine Menge Gründe für das Ende von Blumen Flunkert führt Bodo Flunkert an, der mit 73 Jahren schon ein fortgeschrittenes Rentenalter erreicht hat und gesteht: „Allein schaffe ich das nicht mehr“, was auch daran liegt, dass seine Frau Ingrid krankheitsbedingt schon seit einigen Jahren bei der Führung des Geschäfts, seit Jahrzehnten an der Heckinghauser Straße 12, nicht mehr mithelfen kann. Und dass es keinen Blumen-Großmarkt in Wuppertal mehr gibt, was die Beschaffung hochwertiger Ware erheblich erschwert.

Corona, das Kaufverhalten, Gesundheit – Gründe gibt es genug

Auch Corona hat seinen Anteil. „Wir waren früher das Fachgeschäft für stilvollen Kranz- und Blumenschmuck bei Beerdigungen. Die sind seit Beginn der Corona-Krise nur noch eingeschränkt möglich, und dementsprechend werden kaum noch Kränze und große Gestecke in Auftrag gegeben“, so Flunkert, der sich schmerzlich erinnert: „Früher, vor allem in den guten 1970er und 1980er Jahren, haben wir die Nächte durchgearbeitet, damit der Grabschmuck rechtzeitig zu den Friedhöfen kam.“

Weiter führt der lebhafte Florist an: „Das Kaufverhalten der jungen Leute hat sich total geändert. Weil es in jedem Supermarkt und an nahezu jeder Tankstelle Blumen gibt, werden die bequem da gekauft. Das geht natürlich zu Lasten der Fachgeschäfte“.

Viel weiß Bodo Flunkert zu erzählen, beispielsweise von den Firmen, die früher in seiner Nachbarschaft waren: „Allround Feller, Webkönig, die Schirmfabrik Grönlinger, und natürlich die Brauerei Bremme, die ein sehr guter Kunde von uns war. Alles nicht mehr da“, erzählt der Zeitzeuge, der das Geschäft nach dem Tod seines Vaters Paul seit 1975 führt und natürlich auch dabei war, als 1960 in unmittelbarer Nachbarschaft die Sporthalle Heckinghausen gebaut wurde. „Der Hallenparkplatz gehörte ursprünglich uns und wurde dann aber von der Stadt erworben“, berichtet der zukünftige Pensionär, der auch bedauernd feststellt: „Eine Säule unseres Geschäfts waren unsere Stammkunden. Aber die sterben langsam weg“, klingt Resignation in Flunkerts Stimme. Dennoch, umsatzstarke Tage gibt es noch, wie beispielsweise den Muttertag oder die Tage vor den christlichen Festen. Und dann ist da noch der 8. März, der Weltfrauentag. „Der wird vor allem von den Russen gefeiert, die dann auch großzügig Blumen kaufen.“

Das Floristen-Ehepaar hat eine Tochter und einen Sohn, aber beide zeigen wenig Lust, den elterlichen Blumenhandel zu übernehmen. Aber, so ganz haben die Flunkerts die Hoffnung nicht aufgegeben, dass an der Heckinghauser Straße 12 zukünftig weiterhin Rosen, Hyazinthen, Gerberas, Nelken und Tulpen verkauft werden.

„Ein junger Mann aus der Nachbarschaft hat Interesse gezeigt, das Geschäft weiterzuführen. Vielleicht wird ja etwas daraus“, so Bodo Flunkert, der dann aus dem Obergeschoss seines Hauses zusehen kann, wie die Kundschaft aus dem Quartier duftende Blumengrüße mit nach Hause nimmt.

Doch das ist zunächst einmal vage Zukunftsmusik, und es überwiegt das Bedauern im Quartier. So auch bei Bezirksbürgermeister Christoph Brüssermann: „Das tut mir sehr leid, aber ich gönne Herrn Flunkert, der ohnehin schon weit über das Rentenalter hinaus gearbeitet hat, den Ruhestand. Aber, jetzt wird es schwierig hier Hochwertiges wie Kränze oder Brautgestecke zu kaufen. Als reines Blumengeschäft gibt es hier nur noch das Blumenhaus Brandenburg an der Heckinghauser Straße 241.“