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Wuppertal: Bergische Museumsbahn fährt wieder - jetzt mit Plexiglas

Freizeit : Bergische Museumsbahn fährt wieder - mit Plexiglas

Eine weitere Corona-Neuerung: Die Fahrkarten gibt es jetzt nicht mehr direkt beim Schaffner.

Schon eine Stunde, bevor um 10.40 Uhr das erste Klingelzeichen zur Abfahrt hinauf zum Greuel ertönte, standen bereits die ersten potenziellen Fahrgäste vor dem noch verschlossenen Tor zum Depot der Bergischen Museumsbahnen an der Kohlfurther Brücke.

Seit der Nikolausfahrt Ende vorigen Jahres hatten die historischen Straßenbahnen still gestanden, und umso größer war die Vorfreude auf die rund dreißigminütige Fahrt von der Kohlfurth durchs Kaltenbachtal. Mitten durch den dichten Laubwald, vorbei an  der großen Farnkrautlichtung und nach kurzem Aufenthalt am Greuel wieder zurück zum Ausgangspunkt, wo schon die nächsten Fahrgäste ungeduldig warteten. Wer wollte, konnte auch am Petrikshammer oder am Friedrichshammer aussteigen und den Manuelskotten besuchen.

In der Zwangspause wurden
die nostalgischen Wagen lackiert

Die lange Corona-Zwangspause hatte der Verein Bergische Museumsbahnen e.V. genutzt, um etlichen Reparatur- und Lackierungsarbeiten an den nostalgischen Wagen vorzunehmen. „Auch auf der Strecke haben wir verschiedene Schwellen ausgetauscht“, verriet Vereinsschatzmeister Guido Korff, der in den vergangenen Monaten mitansehen musste, wie die finanziellen Reserven mangels Einnahmen durch die Fahrtage (von April bis Oktober an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat) immer mehr schrumpften. „Corona hat uns trotz Zuschüssen aus den Fördertöpfen bisher 20 000 bis 25 000 Euro gekostet“, stellte der Finanzvorstand fest.

Aber es gab auch Erhellendes, wie Pressesprecher Sven Ekert berichtete: „Es gab auch Spenden von den bergischen Straßenbahnfreunden, und eine hat man uns praktischerweise direkt in den Briefkasten gesteckt.“

„Der Fahrer darf
keine Maske tragen“

Die Wiederaufnahme des Fahrbetriebes war angesichts der Pandemie an diverse Auflagen geknüpft. So mussten Plexiglasscheiben zwischen dem Fahrer und den Fahrgästen gezogen werden. „Der Fahrer darf im öffentlichen Straßenverkehr keine Maske tragen, und das ist auch aus medizinischen Gründen nicht erlaubt, weil durch die Masken  die Sauerstoffzufuhr zu gering ist“,  erklärte Ekert, der die Fahrkarten direkt am Eingang verkaufte. „Dadurch kann man auch steuern, dass nicht zu viele Mitfahrende in der Bahn sitzen.“ Der gute alte Brauch, dass man die Fahrkarten beim „Kondukteur“ im Wagen erwirbt, darf derzeit nicht ausgeübt werden.

Maßnahmen, die von den Gästen aber ohne Widerspruch akzeptiert wurden, ebenso wie die obligatorischen Abstandsregeln, die Maskenpflicht und die Desinfektionen vor der Fahrt und die bedauerliche Tatsache, dass der Verein derzeit auch weder Würstchen noch Getränke verkaufen darf.

Etliche Stammgäste sind unter den Bahnnostalgikern, aber auch wissbegierige Erstfahrer wie Tim Hansen aus Dänemark, der mit seiner fünfköpfigen Familie in Wuppertal Urlaub macht und sich die Sehenswürdigkeit in der Kohlfurth nicht entgehen lassen wollte. „Sehr schön war es“, sagten die nördlichen Nachbarn, als sie um 11.10 Uhr ausstiegen.

„Seit 20 Jahren wohne ich in Solingen und wollte immer mal mit der Museumsbahn fahren“, berichtete Adam Matuschek. „Jetzt habe ich mir endlich mal diesen Wunsch erfüllt und bin begeistert.“

Die Fahrtage bis Ende Oktober will man jetzt beibehalten und hofft auch auf die Nikolausfahrt im Dezember. „Sonderfahrten sind auch wieder möglich“, teilt Sven Ekert mit. „Vor 14 Tagen hatten wir hier  eine stimmungsvolle Hochzeitsfahrt.“