Wuppertal bekommt die Grippe

Wuppertal bekommt die Grippe

Viele Wuppertaler plagen sich mit Erkältungen herum. Mit dem Höhepunkt der Grippesaison rechnen Experten ab Ende Februar.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit — das sind für viele Wuppertaler in diesem Winter treue Begleiter. Es sind Viren im Umlauf, die sich so leicht nicht abschütteln lassen. Langwierige Krankheitsverläufe oder scheinbar immer wiederkehrende Symptome kennzeichnen die aktuelle Erkältungswelle. „Man kann sich kaum vorstellen, dass jetzt noch mehr kommt. Es ist intensiver als zum Beispiel im vergangenen Jahr. Besonders häufig sind Patienten mit recht schweren Erkrankungen der oberen Atemwege“, sagt der Internist Roland Windecker angesichts des seit Wochen gutgefüllten Wartezimmers.

Allgemeine Besserung ist in den tollen Tagen nicht in Sicht, denn Bützchen, Schunkeln, Alkohol und luftige Kostüme in Kombination mit närrischen Freiluftveranstaltungen sind Faktoren, die den Krankenstand in manchen Betrieben noch steigern dürften. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um grippale Effekte.

Weit ernsthafter können Grippeerkrankungen verlaufen. Knapp 9000 neue Grippe-infektionen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit Anfang Februar zumeist in anderen Regionen verzeichnet. Windecker hatte bisher zwei Verdachtsfälle in seiner Praxis.

„Bei uns kommen die wirklich schweren Fälle an. Da ist bisher in diesem Winter noch kein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Es waren nur eine Handvoll“, sagt Jörn Grabert, Sprecher des Helios Klinikums Wuppertal. Er bezieht sich auf die Diagnose Grippe. Die nimmt einen anderen Verlauf als die Erkältung.

„Bei der Grippe setzt schlagartig hohes Fieber ein und es tritt ein ungewöhnlich starkes Krankheitsgefühl auf“, sagt Matthias Buntrock-Schweer, Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene im Gesundheitsamt der Stadt Wuppertal. In einem weiteren Punkt unterscheiden sich die Krankheiten: Bei der Grippe ist der Patient oft noch nach der Genesung mehrere Wochen körperlich geschwächt, während bei der Erkältung mit dem Abklingen der Symptome die Lebensgeister schneller wieder erwachen. Grippe ist eine meldepflichtige Krankheit. In dieser Grippesaison wurden bis Anfang Februar in Wuppertal neun Fälle dem Amtsarzt gemeldet. „2017 wurden bis zu diesem Zeitpunkt fünf Fälle registriert, 2016 waren es zwei Fälle. Von einem deutlichen Anstieg kann also noch keine Rede sein“, sagt Matthias Buntrock-Schweer. Der Höhepunkt bei den Grippeerkrankungen sei Ende Februar bis Mitte März zu erwarten.

Der Mediziner rät zur Grippeschutzimpfung, die im Herbst ansteht. Verwendet wird ein Impfstoff-Cocktail, dessen Zusammensetzung auf den Erfahrungen beruht, die zuvor bei der Grippewelle im Winter auf der Südhalbkugel der Erde gemacht wurden. „In diesem Jahr hat man sich bei der Zusammensetzung des Impfstoffes beim Influenza-B-Stamm etwas verkalkuliert“, sagt der Experte.

Gestern meldete die Stadt einen Personalengpass im Bergischen Servicecenter und damit verbundene längere Wartezeiten. „Bisher sind aber keine besonderen Krankenstände aus anderen Abteilungen bei uns eingegangen. Stärker betroffen von Erkältungskrankheiten sind Mitarbeiter der Stadt mit häufigem Kundenkontakt“, sagt Stadtsprecherin Ulrike Schmidt-Keßler. Eine Erkältungswelle wie im Jahr 2015, als 20 von 44 Mitarbeitern im Einwohnermeldeamt fehlten, kann ganze Abteilungen lahmlegen.

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