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Wuppertal: Begegnung von jüdischer und christlicher Musik

Im Rahmen des Festjahres : Begegnung von jüdischer und christlicher Musik

Das Konzert „Gemeinsam Halleluja” fand in der Unterbarmer Hauptkirche statt. Für die Ohren wurde einiges geboten.

Vor einem erwartungsfrohen Publikum fand das Konzert „Gemeinsam Halleluja” in der Unterbarmer Hauptkirche statt, bei dem sich jüdische und christliche Musik ganz selbstverständlich begegneten.  Das Vokalensemble „Geistreich“, der Violinist Jakob Schatz sowie Kirchenmusikdirektor Jens-Peter Enk an Flügel und Orgeln präsentierten im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – 200 Jahre in Wuppertal”  Werke von Max Bruch, Händel, Bach und anderen.

Das Vokalensemble „Geistreich“, bestehend aus vier Studenten und Absolventinnen der kirchlichen Hochschule Wuppertal, gründete sich vor etwa fünf Jahren, um zur Verabschiedung eines Professors einen besonderen musikalischen Beitrag zu leisten. Seitdem singen Charlotte Fischer (Sopran), Laura Wittig (Alt), Florian Rentzsch (Bass) und Min Ka (Tenor) gemeinsam unter der Leitung von Jens-Peter Enk.

Enk ist der Kirchlichen Hochschule (KiHo) eng verbunden und leitet auch den dortigen Chor. Als Beitrag zum Festjahr hatte er zusammen mit der Hochschule ein großes Chorkonzert geplant, das von den Chören der KiHo und der Wuppertaler Synagoge gemeinsam gestaltet werden sollte. Da diese Chorbegegnung pandemie-bedingt ausfallen musste, gab es nun ein Konzert in kleinerem Format, das vor Publikum stattfinden konnte.

Stimmen und Klaviermusik
füllen den Kirchenraum

Beim „Jubilate“ von Wesley und dem „Kyrie“ von W.A. Mozart füllten die vier Stimmen wunderschön den Kirchenraum, einfühlsam begleitet von Jens-Peter Enk am Flügel. Charlotte Fischer führte mit frischer Moderation durch das Programm und wies auch  darauf hin, dass vor allem die gemeinsamen Psalmen in beiden Religionen eine wichtige Rolle spielen. Das Ensemble sang Lieder von John Rutter und Max Reger sowie ein sehr flottes Gotteslob der Komponistin Maria Löfberg (*1968).

 Bei der Sonate in E-Dur von Georg Friedrich Händel übernahm Enk an der kleinen Truhenorgel das Basso continuo, während Jakob Schatz innig und gefühlvoll die Violine spielte. Das abschließende Allegro interpretierte er tänzerisch-heiter. Bei der „Suite im alten Stil“ von Alfred Schnittke (1934-1998) gingen Geige und Klavier immer wieder in spannende Dialoge, die im harmonischen Gleichklang endeten. Russische Klänge voller Sentimentalität wechselten mit leichten tänzerischen Partien, in denen Jakob Schatz virtuos seine Geige singen ließ. Beeindruckend auch das Zusammenspiel der beiden beim „Kol Nidrei“ des rheinischen Komponisten Max Bruch (1838-1920) mit Jens-Peter Enk an der großen Schuke-Orgel. Das romantische Werk basiert auf dem jüdischen Gebet Kol Nidrei. Dem klagenden Beginn folgt die Verdichtung zum Thema mit hebräischen Melodien und immer wieder die Begegnung von jüdischer und christlicher Musik.

Das Ensemble „Geistreich“ präsentierte zudem eine abwechslungsreiche Palette seines Könnens. Vom „Evergreen“ von J.S. Bach bis zur Filmmusik, immer ging es um das, was Menschen verbindet. In einem Lied von Thomas Quast (*1962), das Jens-Peter Enk mit zarten Klavierklängen einleitete, entfaltete das Gesangsensemble in einem wunderschönen Kanon Bilder vom Frieden. Das Publikum zeigte sich beglückt und spendete großen Applaus im Stehen. Auch Prof. Konstanze Kemnitzer, die Rektorin der KiHo Wuppertal, war begeistert und gratulierte ihren angehenden Theologinnen und Theologen zu dieser großartigen musikalischen Leistung.