Kultur Wuppertal: Ausstellung „Graustufen“ der Hochschule der bildenden Künste zeigt die Vielfalt der Farbe

Wuppertal · Die Farbe Grau zwischen Polaritäten und schwarz/weiß.

 Tino Brandt (v. l.), Joel Li Boonma, Hannes Meyer, Mara Zota, Frank Thon, Pascal Behrendt und Viktoria Müller zeigen, wie vielfältig die Farbe Grau sein kann.

Tino Brandt (v. l.), Joel Li Boonma, Hannes Meyer, Mara Zota, Frank Thon, Pascal Behrendt und Viktoria Müller zeigen, wie vielfältig die Farbe Grau sein kann.

Foto: Oelbermann Fotografie / Florian Schmidt

Wer an der Hochschule der bildenden Künste (HBK) Essen studiert, soll nicht nur mit seiner Kunst an die Öffentlichkeit gehen. Die Ausstellung „Graustufen“, die am Freitag auf dem Campus Wuppertal der Essener Hochschule eröffnete, ist auch ein gutes Beispiel für Selbstorganisation. Als Kurator nutzte Joel Li Boonma, Student im Bachelorstudiengang Malerei/Grafik, seine Kontakte, um die Ausstellung mit Studenten der HBK-Standorte und der Kunstakademie Düsseldorf auf die Beine zu stellen. Diesen Kreis erweiterte er durch etablierte Künstler wie Becker Schmitz. Für die Eröffnungsrede konnte er Kunstwissenschaftlerin Maren Klinkhamer gewinnen.

Grau habe den Ruf, eine „unbedeutende, vage, alltägliche“ Farbe zu sein, sagte Klinkhamer. Nüchtern betrachtet stehe sie für die Abwesenheit anderer Farben und eigne sich so für eine nähere Beschäftigung. Genau das haben die elf Teilnehmer von „Graustufen“ getan, deren Spektrum von Fotos und abstrakten Gemälden bis hin zu skulpturalen Arbeiten reicht.

Für den jungen Kurator markiert die „neutrale Farbe“ Grau ein Dazwischen – jenseits der Polaritäten von Schwarz und Weiß. Ein Phänomen, das Joel Li Boonma gerade auch mit Blick auf gesellschaftliche Debatten nicht genügend gewürdigt sieht: „Ich will dazu anregen, dass dieser Bereich differenzierter und genauer betrachtet wird.“ Statt um Differenzierung gehe es aktuell zu oft darum, sich für oder gegen etwas zu positionieren. So nehme die Polarisierung zu und gehe einher mit einer unüberlegten Beurteilung von Schön und Hässlich, Gut und Böse, am Ende vielleicht auch von Freund und Feind.

Wie sehr Grautöne schillern können, macht in der Gruppenausstellung Tino Brandts Rauminstallation anschaulich. Von der Decke lässt er Drachen schweben, die je nach Standort des Betrachters metallisch-silbern oder abweisend-dunkel wirken. Auf Großformaten führt Viktoria Müller die vielen Nuancen zwischen Grau, Blau und Grün vor. Uneindeutig sind ihre Bilder auch auf inhaltlicher Ebene: Zeigt zum Beispiel „The Butcher“ einen comicartig stilisierten Alptraum – oder wird hier Fleischkonsum satirisch überzeichnet?

Wolken, Wellen oder
doch was ganz Anderes?

Zu einem „Urlaub für das Bewusstsein“ lädt Finn Loud ein. Fantastisch verfremdet wirkt seine Mischung aus Tuschezeichnungen und Textfragmenten, die der Düsseldorfer Student auf Transparentpapier aufgetragen hat. Im Hintergrund ahnt man weiß-graue Gebilde: Vielleicht sind es Wolken, Wellen oder noch etwas ganz Anderes.

Zu den Gastkünstlern gehört Frank Thon, dessen Fotoarbeiten die Gegenwart des Ukrainekrieges wachrufen. Neben Schwarz-Weiß-Aufnahmen zerbombter Städte hat er auch eine überlebensgroße Fotoplane mitgebracht, die die Mitte der Ausstellungshalle einnimmt. Wer unter der Plane steht und in überlebensgroße Häuserruinen blickt, wird von diesem Eindruck geradezu „erschlagen“. Die Antwort auf Thons Installation gibt Künstlerkollege Becker Schmitz: An eine riesige Grabplatte erinnert das Rechteck, das er auf dem grauen Hallenboden mit Granulat gefüllt hat.

In seiner Performance fasste Pascal Behrendt die Aspekte der Ausstellung zusammen. Angesichts von Kriegen und Katastrophen machte er sich lautstark Luft und appellierte zuletzt an sein Publikum: „Dies ist der Anfang, etwas zu ändern.“

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