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Wuppertal: Auf den Spuren Rudolf Steiners

Anthroposophische Gemeinschaft : Auf den Spuren Rudolf Steiners

Rudolf Steiner gilt als Begründer der Anthroposophie und wird noch heute als Vorbild gesehen. Er entwickelte unter anderem ein Konzept für die Waldorf-Pädagogik, die in vielen Schulen Wuppertals Anwendung findet.

Es wäre ein echtes Jubiläum gewesen - doch das fiel wie so vieles im vergangenen Jahr aus. „Nein, wegen Corona konnten wir unser 75-jähriges Bestehen nicht feiern“, sagt Eva Held (85), die pensionierte Ärztin, als sie uns im Sitzungs- und im Konzertsaal  des „Zweighauses“ der Deutschen Anthroposophischen Gesellschaft in „religiöser Umgebung“ empfängt. In direkter Nachbarschaft der Martin-Luther-Straße sind  die Unterbarmer Hauptkirche und die „Kirche Herz Jesu der Heiligen der Letzten Tage“. Und da ist es nur natürlich, dass auch die Anthroposophen eine intensive Nähe zum Christentum pflegen.

„Das Ziel der Gesellschaft ist die Erkenntnis und Verbreitung des Gedankengutes Rudolf Steiners, dessen Lebensmotto es war, die erneute Verbindung des Menschen mit seinem geistigen Ursprung zu fördern“ , sagt  Eva Held, die in „Nicht-Corona-Zeiten“ Vortrags- und Informationsabende für die  anthroposophisch interessierten Menschen im Zweighaus organisiert.

Sogar Harry Potter war schon Thema eines Vortrags

So beispielsweise die Vorträge zum Thema „Harry Potter und der westliche Okkultismus“ im Herbst letzten Jahres, während „Die Herzensrolle der Ostsee für die zukünftige christliche Zivilisation“ Corona zum Opfer fiel.

Zwar war Rudolf Steiner (1861-1925), der Begründer der Anthroposophie, schon zwei Jahrzehnte vorher verstorben, als sich seine geistigen Schwestern und Brüder in Wuppertal 1945 zusammenschlossen. Doch der österreichische Publizist, Esoteriker und Vortragsredner ist nach wie vor allgegenwärtig und schaut von zwei großen Porträts eher streng auf seine Erben.

Der vielseitig begabte Steiner entwickelte diverse Konzepte für verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, so die biologisch-dynamische Anbauweise in der Landwirtschaft, die anthroposophische Architektur und Medizin und die Waldorf-Pädagogik. Die findet in Wuppertal  in der Rudolf-Steiner-Schule, der Christian-Morgenstern-Schule und der Troxler-Schule mit den beschützenden Werkstätten des Troxler-Hauses ihre Verwirklichung.

Wegen Corona liegt der Betrieb im Zweighaus aktuell brach

Angeregt durch die Predigten Friedrich Rittelmeyers, des ersten christlich-anthroposophischen Bischofs in Deutschland widmete sich Steiner auch der Erneuerung des theologischen Christentums, das seiner Ansicht nach neuer Impulse bedürfe. Steiner meinte, dass so ein Anliegen nur Sinn mache, wenn eine große Anzahl von Menschen so empfinden würde. Was offensichtlich der Fall war, denn so entstand aus dem Wunsch nach religiöser Erneuerung die Christengemeinschaft.

Auch wenn die weltweit verbreitete  Anthroposophie und mit ihr Rudolf Steiner vielfach antisemitische Positionen vertraten, sahen die Nationalsozialisten in ihnen  einen Konkurrenten, was ihre  Weltanschauung betraf. Und so wurden ihre Treffen weitgehend verboten. Das brachte damals mit Margarete Weber-Dörner und Johanna Otto zwei Wuppertalerinnen auf die Idee, als höheren Orts abgesegnete  Gymnastiklehrerinnen tätig zu sein. Beide bestanden die hierfür erforderlichen Prüfungen mit Bravour und arbeiteten weiter wie bisher.

Derzeit sind infolge der Pandemie und ihrer Kontakt-Sperren keine Veranstaltungen im Zweighaus der Anthroposophischen Gesellschaft möglich. Aber da rät Eva Held, die nach dem plötzlichen  Tod ihres  Vorstandskollegen Volker Schlickum vor wenigen Tagen derzeit weitgehend allein im „Zweighaus“ in der Martin-Luther-Straße die Geschicke leitet,  bei Treffen im kleinsten Kreis das Wort von Jesus Christus zu beherzigen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich unter ihnen.“